Review

Staffel 8 - 7,5/10

Staffel 8

All Out Bore

Nachdem Staffel 7 mit seinem furiosen, ultrablutigen und niederschmetternden Beginn, der Einführung Neagans, zwar wohl den Höhepunkt der Serie für sich verbuchen konnte, kam danach letztes Jahr fast gar nichts mehr. Das war Schockstarre, Ratlosigkeit und pure Enttäuschung in einem. Wohl auch den völlig überzogenen Publikumsreaktionen auf Lucilles ersten On-Screen-Ausraster geschuldet. In Staffel 8 geht der Kampf gegen Neagan und seine Truppe weiter und wird endlich beendet - besser spät als nie, möchte man fast sagen. Außer, dass alle bisher erschlossenen Gemeinschaften Seite an Seite gegen die Saviors kämpfen (müssen) und es dabei natürlich auch Opfer zu beklagen gibt, gibt es auch gar nicht viel mehr zu melden an der Handlungsfront. 16 Folgen voller Schießereien, Planereien und Drohereien, Toten und Verrätern, Erkenntnissen und wenig Zombies. Klingt nach einer offenen Konfrontation und endlich mal Vollgas, ermüdet und langweilt aber fast genauso schnell wie die mäandernde Vorgängerstaffel. Die Saviors und Neagan sind der größte und gemeinste und ebenbürtigste Feind, den unsere Gruppe je hatte - doch gemessen an diesem verdienten Standing, sind die beiden Staffel (7+8) doch eine ziemliche Enttäuschung und der bisherige Tiefpunkt einer sich langsam wortwörtlich totlaufenden Hitserie. Sinkende Quoten und miesere Kritiken liegen dadurch auf der Hand und leider nicht falsch...

Ein paar meiner Kumpels sehen die Serie nur noch als Hatewatch. Und mal ganz abgesehen, dass ich von dieser Art Filme und Serien zu sehen, eh nicht viel halte, bin ich auf diesem Level der Hoffnungslosigkeit für "TWD" noch nicht (ganz) angekommen. Obwohl ich den Verdruss natürlich verstehen und teilweise auch nachvollziehen kann, so war "TWD" schon immer eine Soap mit Zombies, mit zum Teil nervigen Figuren und seltsamen Charakterentscheidungen. Der Vergleich zu "Game of Thrones", der anfangs oft gezogen wurde, weil hüben wie drüben eigentlich immer und überall jeder sterben konnte, stellt sich schon lange nicht mehr. Und trotz allem bleibe ich am Ball und bekomme hier und da auch mal einen Schmankerl geliefert. Es sind nur nun eher die kleinen Dinge, die meinen Glauben an die Beisserserie noch nicht ganz erliegen lassen (anders als bei der Schwesterserie "Fear the Walking Dead", die ich wohl kaum weiter verfolgen werde, trotz leichtem Aufwind dort). Die Episode mit den schicken Moorzombies beispielsweise, allgemein das immer modrigere Aussehen der Untoten, haben mich bei Laune gehalten und sogar begeistert. Außerdem Neagan als meiner Meinung nach ziemlich fieser, tiefschichtiger Bösewicht und die Dynamik innerhalb der Gruppe und innerhalb der Figuren, die immer wieder damit konfrontiert werden, wie verkommen und unmenschlich sie eigentlich geworden sind. Vor allem Rick bringt kurz vor Ende ein paar miese Bitchmoves, die man kaum glauben kann und unsere Sympathien vor dem finalen Fight arg durchrütteln. Desweiteren hatte ich das Gefühl, dass sich selbst "TWD" nicht vor der Retromanie schützen konnte und der Score elektrischer wurde und an mehr die 80er erinnert. Was immer gut ist. Kleine Bonuspunkte noch an die kleinen Hommagen an vergangene Zeiten und Highlights, z.B. anlässlich der 100. Episode. Oder auch die emotionale Folge, in der ein Großteil der Krieger des Königreichs zu schweizer Käse verarbeitet wird. Das hat mich mal kurz aufgeweckt und mitgenommen.

Doch natürlich ist man auch als (einstiger) Hardcore-Fan der Serie, der Neagans erstes Massaker letztes Jahr sogar im Kino sehen durfte/wollte, nicht blind gegenüber der sich mittlerweile eingeschlichenen, unzähligen Schwächen. Sodass man manchmal danach schreien will, dass die Serie endlich zum Ende kommt und nicht noch weiter über ihren Zenit fault. Negative Highlights waren beispielsweise Carls völlig unspektakulärer Tod, der in mir rein gar keine Gefühle auslöste (am ehesten noch Erleichterung, weil er immer sehr nervtötend war), die vergeudete Zeit in Oceanside oder das trockene Taktieren und Integrieren der einzelnen Gruppen. Ebenso schlug mir Morgan extrem aufs Gemüt und auch Rosita, Maggie und Darryl verbreiteten mit ihren tödlich-grimmigen Visagen keinem Sonnenschein. Insgesamt nimmt man sich viel zu ernst, so ist der finale Teaser auf Kommendes, wenn Maggie, Jesus und Darryl sich nicht zufrieden mit Ricks Entscheidung Neagan betreffend zeigen, einfach nur lächerlich und erzwungen. Insgesamt wird viel auf der Stelle gefeuert, geplärrt und gebellt, aber sehr wenig gebissen. Das muss sich ändern. Denn eine Handvoll Figuren, die durch fragwürdige Entwicklungen eh auf der Empathiekippe stehen, mit denen man Jahre verbracht hat und die einem eigentlich ans Herz gewachsen sind, reichen einfach nicht mehr, um das Interesse und Mitfiebern hoch zu halten. Da muss man ehrlich zu sich sein, egal wie genial Greg Nicoteros faulenden Schöpfungen und Robert Kirkmans Comicvorlagen sein mögen.

Fazit: Platzpatronen und Papieremotionen - die Saviors sind endlich (so gut wie) weg vom Fenster und die Weichen sind gestellt. Doch ansonsten hätte man diese Staffel und die davor ruhig in eine zusammenfassen können. Denn so ist das arg zäh und nahe am Leerlauf. Nur noch einige wenige liebgewonnene Figuren halten einen bei der Stange. Dennoch: Zombiefans bleiben dran, staunen über die immer noch grandios aussehenden (aber leider zu Statisten verkommenen) Untoten und hoffen auf bessere Zeiten, die sich vielleicht endlich wieder frisch und unberechenbar anfühlen, wie einst... P.S.: Vielleicht misst man "TWD" auch nicht ganz fair in anderen EInheiten als andere Serien. Denn gut weggucken lässt sich das Ding immer noch. Nur mittlerweile vielleicht eher nebenbei beim Kochen oder Bügeln anstatt mit vollem Interesse ohne zu blinzeln. (7,5/10)

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