Review

Staffel 11 Gesamtbesprechung

Enttäuschender Abschluss einer ansonst denkwürdigen Serie


Über ein Jahrzehnt hinweg hatte dieses Format Millionen von Zuschauern hinter die Bildschirme gezerrt, die immer wieder mit Spannung auf die nächste Folge, oder Staffel warteten. So reißerisch stand es um Rick und seine zusammengewürfelte Menschenmeute. So kam es letztendlich, das man auch dieser scheinbar Endlos-Serie doch ein Ende setzte. Solch ein Schicksal erleidete schliesslich eine preisgekrönte Topserie wie "GoT" ebenso. Nur mit der Finalstaffel haperte es dann doch an allen ersehlichen Ecken und Kanten. Lag es an den Drehbüchern, dem vorgegebenen Werdegang, oder an allem?

Die ersten Staffeln zeugten noch von berstender Spannung, auch kaufte man ebenso die Beziehungen unter den Figuren ab; die Storys und Wendungen verliefen ausgezeichnet und realistisch. Aber irgendwann liess die Qualität der Serie nach, verlagerte ihre Stärken immer weiter abwärts in die Tiefen der Hoffnungslosigkeit. Und wäre das nicht schon schlimm genug, gelang den Machern ein weiterer Fauxpas: Die Entgleisung der einst so menschlichen und charismatischen Hauptfiguren des TWD Universums. Und noch was gesellte sich illustre hinzu: sich ständig im Kreis drehende Verzweiflung und stetig wiederholende Aktionsmuster, die regelrecht von Hilflosigkeit zerfressen werden.

Die Truppe um Maggie, Daryl und Carol leben auf dünnen Decken. Nachdem sie den Kampf gegen die Flüsterer gewonnen hatten, wagen sie den Neuanfang. Die Lebensmittel werden knapp, Alexandria muss neu erbaut werden. Doch neue (Feinde!) tauchen auf und bedrohen die achso scheinheilige Idylle der achso braven Alexandrianer. Also muss gekämpft werden. Mit ein paar Leuten kämpfen sie gegen übermächtige und kampferprobte Todesbanden in Masken, eine Riesengemeinschaft namens Commonwealth und natürlich gegen die üblichen, ständig umherwandelnden Beissern, die wie immer, nur Alibifunktion besitzen.

Wie eingangs erwähnt, suhlt sich die Finalstaffel in allen erdenklichen Peinlichkeiten, Unerträglichkeiten und irrsinnigen Storylines. Nach Sichtung aller Folgen war mir klar, was mir lieber von der Hand gegangen wäre: Die Drehbuchautoren und Macher am liebsten an die Wand zu klatschen, denn sie haben es jämmerlich versäumt, ein halbwegs gescheites Endprodukt zu liefern. Stattdessen wird sich ständig pausenlos im Kreis gedreht. Alles wiederholt sich stetig. Die Hauptfiguren kämpfen immer als handvoll gezählt durch verschiedene Abenteuer, begegnen anderen Gemeinschaften, die sie als Böse erachten und metzeln sich nach den immergleichen Strickmustern durch, erledigen zu dritt, zu viert Unmengen an Gegnern,wobei dann nebenbei noch als Fingerübung Horden von Untoten mal so erledigt werden und das alles, ohne selbst Verluste erleiden zu müssen (Die Macher wollten keiner der Figuren verlieren, was allerdings unrealistisch rüberkommt und zudem überheblich gegenüber allen anderen Protagonisten der Serie wirkt). Alle Pläne, die mal so beiläufig geschmiedet werden, funktionieren jedesmal tadellos ohne unplanmässige Zwischenfälle, frei dem A-Team Motto: "Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!" Selbst ein übermächtiges Commonwealth scheint den "Helden" nicht gewachsen zu sein und so kommt es, das die sogenannten "Guten" immer wieder und das fällt regelrecht vor allem in dieser Staffel extrem auf, in brenzligen Situationen, bei denen einer der Hauptfiguren kurz vor der Schippe steht, durch dumme Drehbuchzufälle gerettet wird, immer und immer wieder. Verluste? Fehlanzeige! Nur die oppositionellen Parteien dürfen Federn lassen. Ab und an verliert die Bande um Maggie, Daryl und Co. nur unwichtige Randfiguren. Zombies haben hier sowieso nur schmückenden Beiwerkstatus; die pausenlos gekillt werden dürfen.

Wen dies nicht stört, kann bedenkenlos und unaufgeregt schauen. Nur leider wirkt das alles abgedroschen, eindimensional und völlig überraschungsfei, da vorausschaubar. Rambo, Chuck Norris und Schwarzenegger hätten es nicht so gut hingekriegt und auch einen McGyver brauch man keinen, wenns doch Daryl gibt. Das schlimmste allerdings steht noch bevor: Während die Truppe aus Alexandria immer noch glaubt, die Guten zu sein, die das Böse eliminieren, haben sie sich unlängst, ohne es zu ahnen oder zu wissen, selbst zum perfiden Bösen gemorpht. Indem sie in andere Gebiete und Gemeinschaften eindringen und sich wie ein bösartiges und parasitäres Krebsgeschwür von innen herausfressen, alles zerstören und eiskalt ermorden, um sich ihrem eigenen Vorteil zu erlaben. Und sie schaffen es immer und immer wieder, dank Inspektor (nicht Columbo) Drehbuchzufall. Die Titelfiguren sind leider zu eiskalten und jämmerlich unsympathischen Monstern mutiert, die mich allesamt nicht mehr die Bohne scheren. Zumal TWD = (The Worst Dumb) auffallenderweise eine Spielwiese für Mainstream Political Correctness geworden ist, sich dämlichem Geschwafel hingibt und heuchlerisches Menscheln zelebriert, dases schon weh tut.


ACHTUNG, SPOILER! (Bitte nur lesen, wenn gewollt; ich hatte gewarnt)





Als I Tüpfelchen versöhnt nicht mal das achso dramatische und epische Serienfinale. Erwartet der Zuschauer ein knallhartes Kampfszenario zwischen Mensch und Zombiemassen, indem fast alle ihr Leben lassen müssen und vielleicht die Untoten überleben, entschied man sich andersherum und bastelte sich ein ungenügendes, schnell von der Hand gehendes Notnagelende zurecht, das weder befriedigt, versöhnt, noch episch und dramatisch verläuft. Knall, zack, puff. Scheisse war's gewesen. Selten so einen bitteren Rotz gesehen, selten so enttäuscht gewesen; jede Minute ein Aufreger, der mich nervt. Das hätte man anders lösen können, aber doch nicht so. Hätten sich die Macher mal eine Scheibe Romero oder Fulci abgeschnitten, wäre das Serienende kein Desaster geworden. Viel Gefühl und Herzschmerz, statt knallharte Dystopie. Und alle Hauptcharaktere überleben unbeschadet (das nennt man das grosse Wunder von The Walking Dead, sorry The Worst Dumb).

 Die zwei Sterne gab es lediglich für die einigermassen gelungenen Gore-und Splattereinlagen; inhaltlich und storymässig muss sich (Gottseidank das Ende) das Finale mit keinem begnügen. Kein Ding, das ich mir nochmal antun werde. Hätte man sich getrost sparen können. 


Ist die FSK:18 Freigabe gerechtfertigt? Trotz aller dramaturgischer Schwächen gibt es viel grafische Gewalt und Brutalitäten zu betrachten. Ja, Erwachsenenfreigabe berechtigt!

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