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Nach „Die letzten Glühwürmchen“ ist „Wenn der Wind weht“ jetzt schon der zweite Zeichentrickfilm, der mich in einer Stimmung hinterlässt, die man am ehesten als „traurig“ bezeichnen könnte. Ob das nun für einen erwachsenen Menschen seltsam, beschämend, lächerlich oder doch irgendwie ganz normal ist? Ich tendiere zur letzten Antwortmöglichkeit (welch Wunder)!

Jim und Hilda sind ein liebenswertes Paar im betagten Alter, das sein friedliches Leben auf dem Land – weit weg vom städtischen Stress – lebt. Doch eines Tages wird ihr friedliches Leben durch eine schreckliche Nachricht erschüttert: ein nuklearer Angriff steht bevor. Jim macht sich sofort daran, einen „Schutzraum“ zu bauen, doch er konnte nicht mit der erschütternden Macht der Bombe rechnen…

Was zu Beginn noch wie ein witziges Filmchen über ein alterndes Ehepaar erscheint, entwickelt sich langsam aber sicher zu der tragischen Geschichte über zwei Opfer eines nuklearen Bombenangriffs. Man lernt Jim und Hilda als sich liebendes und umsorgendes Ehepaar kennen und lieben. Jim, den Ehemann, der auf alle Fragen seiner geliebten Frau immer eine Antwort parat hat; und Hilda, die sich nicht nur um ihren Mann sorgt, sondern mit mindestens genau derselben Hingabe um ihr Vorhänge und geliebten Kissen. In der deutschen Synchro wird das Sympathiegefühl des Zuschauers zu den beiden Figuren noch durch die hervorragend passenden Stimmen von Brigitte Mira und Peter Schiff bedeutend verstärkt.

Sobald man Jim und Hilda in sein Herz eingeschlossen hat, kommt auch schon die dramatische Wendung im Einschlag der Bombe. Zunächst hofft man mit den beiden Opfern, dass schnelle Hilfe kommt, doch man muss dann doch recht schnell erkennen, dass die Situation hoffnungslos ist.

In „Die letzten Glühwürmchen“ wurde das Schicksal von vom Krieg geplagten Kindern gezeigt, hier – in „Wenn der Wind weht“ – betrachten wir die Geschichte von älteren Menschen in einer ähnlichen Situation. In der Wirkung auf den Zuschauer ändert das unterschiedliche Alter der Opfer keineswegs etwas. „Wenn der Wind weht“ macht genauso betroffen wie „Die letzten Glühwürmchen“. Zwar erscheint die Verfilmung von Raymond Briggs’ Comic „When the wind blows“ trotz des vorangeschrittenen Alters der Protagonisten kindlicher (dies liegt vor allen Dingen an der unschuldigen und naiven Art, die Jim und Hilda an den Tag legen), aber gerade dieses kindliche Erscheinen vermittelt die Botschaft, die „Wenn der Wind weht“ transportieren möchte, letztlich erträglicher. 8,5 von 10 Punkten!

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