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Wenn der Sunblocker versagt...


...versuche es mit Nivea Creme. Boris Sagal' s Verfilmung des 1954 entstandenen Science-Fiction Romans "Ich bin Legende" von Richard Matheson, der bereits 1964 seine Erstverfilmung fand und in 2007 mit "I am Legend" mit Will Smith in der Hauptrolle sein Triple fand. Genau wie dieser, wich auch die 1971er Version von der Romanvorlage ab. Der düstere Streifen spielte 8,7 Millionen Dollar ein, was für seine Zeit doch recht durchschnittlich war und taucht weit hinten in der Liste der besten Filme der 70er auf. Kein Erfolgsgarant, aber trotzdem unterhaltsames Retrocharme Unterhaltungskino. Boris Sagal setzte auf Haudegen Charlton Heston in der Hauptrolle, die ganz auf seine Persönlichkeit zugeschnitten war.

Die Welt wurde im Jahre 1975 durch einen biologisch- nuklearen Waffenkrieg zwischen der UdSSR und der Vr China fast vollständig ausgemerzt. Nur ein paar Überlebende, die sich in zwei Gruppierungen spalten, bekriegen sich bis aufs Blut. So auch in der ausgestorbenen Weltmetropole L.A., in der der ehemalige Militärwissenschaftler Robert Neville ein tristes und einsames Leben führt, in einem hermetisch abgeschottenen Haus, um sich vor den Attacken der "Familie" zu wehren, einer Gruppe von mutierten Überlebenden in schwarzen Kapuzen und Sonnenbrillen, die helles Licht scheuen, wie der Teufel das Weihwasser. Da trifft Neville eines Tages auf überlebende Menschen und schliesst sich Ihnen an, um sie vor der "Familie" zu retten. Zudem hat er ein Antiserum gegen die Pandemie entwickelt, auf das allerdings Familienanführer Matthias keine Lust hat, den sein Bestreben besteht nur aus alleiniger Herrschaft und Zerstörung aller menschlicher Grundlagen.

Ein dystopischer und postapokalyptischer Zivilisationsstreifen, mit Unmengen Gesellschafts- sowie Umweltkritik, aber auch gespickt mit unzähligen Filmfehlern, die bei genaueren Hinsehen auffallen dürften.Raubein Charlton Heston, der One- Man Show Absolvent der 70er, neben Bronson und Eastwood, spielt die Rolle des Einzelkämpfers einmal mehr lässig und ironisch runter. Im Vordergrund stehen der Kampf mit der Einsamkeit und hierarchische Machtkämpfe überlebender Gruppen, sowie zeitlose Missbilligung vom Wahnsinn Krieg und seiner Folgen und Konsequenzen.

Atmosphärisch bedrückend und eisig düster in Szene gesetzt, wird das mager ausgestattete Science-fiction-Thrillerdrama, zwar der literarischen Vorlage nicht gerecht, unterhält aber im charismatischen Retrostil der frühen 70er, markiert ein paar blutige Schiessereien und Stuntfahrten (Heston Stuntdouble fällt böse auf), was Nostalgikern gut aufstossen dürfte. Die weiss glänzend gepuderten Mutanten wirken für heutige Verhältnisse eher bescheiden und lächerlich, damals dürften sie ihre Wirkung gehabt haben. Einprägend für die Lauscher auch der cool geduddelte, psychedelische Synthie-Soundtrack, der das damalige Sci-Fi Kino geprägt hatte. Die 2 Klassengesellschaftsgeschichte ist bis dato brisant und hochaktuell, appelliert sie doch an die unvernünftige Menschheit; damals wie heute! Trotz nur kleiner Schauwerte und kaum verhandener Spannung gibt es dafür ein ungewohntes, nicht ganz Hollywoodkonformes Ende. Aber das soll ja den B-Movie Unterhaltungswert nicht schmälern.

Nostalgie- B-Movie mit lässigem Hauptcharakter und dünnem Plot, sowie plumpen Masken, aber cooler Mucke und geprägt von Zynismus und viel Gesellschaftskritik. So sah eben 70er Jahre Kino aus. Viel Spass beim Fehler suchen!


Ist die FSK:16 Freigabe gerechtfertigt? Die düstere Grundstimmung und recht sadistische Vorliebe am Töten sollten das blaue Siegel gerechtfertigen.

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