Der ultimative Zirkusfilm?!
Für nicht wenige immer eines der ersten Beispiele für „Filme, die den Best Picture Oscar nicht verdient hätten“. Für andere aber (trotz „The Greatest Showman“) noch immer der beeindruckendste Film über „Zirkus“ überhaupt. Erzählt wird (wenig überraschend) in fast biblischem Stil vom Eposmeister Cecil B. DeMille über eine Zirkusgemeinschaft in der kritischen Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, wo das Geschäft nicht mehr funktioniert wie vorher und interne Querelen ebenfalls das Überleben der bunten Gemeinschaft gefährden…
Manege frei!
Sicher gab’s in dem Jahr 1952 bessere Filme als dieses Zirkusepos. Das Ding kann nicht „Best Picture“ gewinnen, wenn gleichzeitig „High Noon“, „The Bad & The Beautiful“ oder „The Quiet Man“ Premieren feierten. Von „Rashomon“ oder „Singin' in the Rain“ will ich gar nicht erst anfangen. Da kann DeMilles noch so viele Schauwerte und Stars auffahren, dazwischen liegt dann doch mindestens eine Klasse. Was jedoch nicht heißt, dass „The Greatest Show on Earth“ ein mittelprächtiger oder gar schlechter Film ist. Ganz und gar nicht. Das wäre eine fataler Trugschluss für jeden Film- und vor allem Kinofan. DeMille war definitiv der richtige Mann für ein solches Spektakel. Er fängt den überlebensgroßen Wow-Faktor legendärer und kindlicher Zirkuserlebnisse sehr gut auf der hell leuchtenden Leinwand ein. Die Kostüme und Elefanten, die Trapeze und Giraffen, die Zelte und großen Stars wie Heston oder Stewart. Kein Wunder, dass das Kinopublikum darauf in der Nachkriegszeit noch wesentlich steiler ging als die Kritiker. Die Schauwerte, Stunts und soapigen Elemente lassen in diesen zweieinhalb Stunden sehr oft fantastisch staunen und schwelgen. Wie das in DeMilles Filmen meist der Fall ist. Das ist Entertainment, Extravaganz und Eskapismus pur. In seinen naivsten Momenten schlicht atemberaubend. Die Magie des Zirkus genauso wie die Techtelmechtel hinter den Kulissen einfangend. Künstlerisch und emotional das Gegenteil eines Fellini oder Ophüls, wenig Tiefe oder Anspruch, jedoch in seiner schieren Kraft und Größe schwer zu überbieten. Die immer stark artifiziell wirkende und an Greenscreens erinnernde Art kann irritieren. Und das menschliche Melodrama um die vielen verschiedenen, nicht immer wirklich austarierten Figuren ist nicht für jedermann. Dennoch lässt die Faszination kaum nach. Trotz einiger deutlich zu langer Kapitel wie einem kaum enden wollenden Einmarsch.
Fazit: sicher nicht der beste Film seines Jahrgangs, aber dafür ein buntes und kompromissloses Spektakel für die allergrößten Leinwände. Wer den je in einem Lichtspielhaus zu sehen bekommt, der versteht seine Power ganz sicher. Von „Paprika“ bis „Mad Circus“, von Hollywood bis Fernost sollte DeMille damit durchaus Eindruck hinterlassen. Und somit ist „The Greatest Show on Earth“ zumindest in seiner Nische wahrscheinlich doch ein unumgänglicher Meilenstein. Aufwand übertrifft Artistik. Auch ein toller Kinderfilm irgendwie - da werden alle Augen groß!