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Um seinen Leuten eine volle Spiel-Saison zu ermöglichen, engagiert der Zirkus-Manager Brad Braden den legendären Trapezkünstler Sebastian, der kräftig Publikum ziehen soll... sehr zum Verdruss der jungen Holly, die die Haupt-Manege mit ihrer eigenen Nummer, an der sie lange gefeilt hat, nun räumen muss. Während den Vorstellungen kommt es daraufhin zu einem Wettkampf zwischen Holly und dem "Großen Sebastian", die versuchen, sich gegenseitig mit der Waghalsigkeit ihrer Kunststücke zu übertrumpfen. Als Sebastian bei einem besonders gefährlichen, mehrfachen Salto ohne Netz zu Boden stürzt und nach seiner Rückkehr aus dem Krankenhaus nicht mehr am Trapez arbeiten kann, gibt Holly sich die Schuld für das Unglück und bändelt mit dem eitlen Fatzke an. Sebastians Ex Angel sieht derweil ihre Chance gekommen und schmeisst sich kräftig an Brad ran, der alle Hände voll damit zu tun hat, dafür zu sorgen, dass die Konkurrenz seinem Zirkus nicht den Hahn zudreht. Als der eifersüchtige Elefanten-Dompteur Klaus (in der deutschen Fassung: Carlo) sich nach seinem Rausschmiss an einem Überfall auf den Zirkus-Zug beteiligt, um sich die Kasse unter den Nagel zu reißen, hat dies einen katastrophalen Unfall zur Folge, der beinahe das Ende der "größten Schau der Welt" besiegelt... Dass "Die größte Schau der Welt" bei der 1953er-Oscar-Verleihung sowohl den anerkannten Western-Klassiker "Zwölf Uhr Mittags" als auch "Ivanhoe - Der Schwarze Ritter" (was mein Favorit gewesen wäre!) im Rennen um den "Besten Film" ausgestochen hat, ist wohl nur dadurch zu erklären, dass der Regie-Oscar nicht zu rechtfertigen war, man der großen Hollywood-Nummer Cecil B. DeMille im fortgeschrittenen Alter aber offenbar doch irgendwas als Anerkennung zukommen lassen wollte... und wohl nicht absehbar gewesen ist, dass dieser vier Jahre später nochmal mit dem wesentlich würdigeren Bibel-Epos "Die zehn Gebote" um die Ecke kommen würde (welches dann aber 1957 ebenso wie "Giganten" gegen den ähnlich belanglosen "In 80 Tagen um die Welt" den Kürzeren gezogen hat... man steckt echt nicht drin, ey!). Okay, der Erfolg an der Kinokasse hat DeMille ja irgendwo schon recht gegeben (Plattitüde Ahoi!), aber dieser dürfte doch eher der Entertainment-Willigkeit des Publikums und einem Mangel an echten Alternativen geschuldet gewesen sein als sonstwas: "Die größte Schau der Welt", dessen Nominierung an sich schon bestenfalls diskutabel gewesen ist, ist nämlich nicht nur ein unverdientes "Best Picture", sondern mit dem Abstand von einigen Jahrzehnten bestrachtet sogar ein ziemlicher Scheissfilm, der hart an der Grenze zum reinen Trash kratzt! Als Hollywood-Großproduktion ist das alles dann aber doch weniger nah an einem "Vom Winde verweht", der den Machern da sicherlich (zumindest was den schieren Aufwand anbelangt) irgendwo noch vor Augen geschwebt ist, sondern gerät eher zu einem Vorläufer der späteren Katastrophenfilm-Flops eines Irwin Allen à la "Der Schwarm"... bezeichnend dafür ist sicherlich die Sequenz mit dem Zugunglück, die als zentrales Set-Piece allerdings mit ziemlich schwachen Modell-Tricks aufgemotzt wurde. Inhaltlich ist das Ganze nicht viel mehr als eine aufgeblasene Seifenoper, die sich in erster Linie noch an dem (tödlich öden) Beziehungs-Geflecht zwischen den Abziehbild-Figuren abarbeitet, was allerdings nicht genügend narrativen Drive für die dünne Handlung generiert, während ein schwülstiger Kommentar aus dem Off die fast schon dokumentarischen Szenen vom Zelt-Auf- und -Abbau vollkommen totlabert. Völlig bizarr ist allerdings der Neben-Plot rund um James Stewart als Clown Buttons, der als ehemaliger Arzt seiner Ehefrau Sterbehilfe geleistet hat, sich nun vor dem FBI versteckt und deshalb nie ungeschminkt rumläuft (You can't make that shit up!). Herausreißen für einen sollen es dann die Zirkus-Attraktionen und Show-Einlagen, die DeMille dementsprechend auch meistens vollständig und in epischer Breite präsentiert... und auf die Art sicherstellt, dass man von der zweieinhalbstündigen Laufzeit auch jede einzelne Minute spürt! Echte Magie oder Faszination für das Gezeigte verbreitet der Streifen trotz aller Reaction-Shots der Zuschauer, die mit großen Augen Popcorn und Zuckerwatte fressen, allerdings nie. So ist dann auch Vieles an "Die größte Schau der Welt" mit den Jahren ganz, ganz schlecht gealtert: Abgesehen dem Subject-Matter an sich (denn ums Zirkus-Business gibt heutzutage schon lange niemand mehr einen Fick) in erster Linie vor allem doch die Optik, die neben poppiger Techicolor-Farbigkeit auch mit einigen erstaunlich miserablen Compositings von Schauspielern vor irgendwelchen Hintergründen daherkommt, die in einer solchen unterirdischen Qualität in einem Film dieses Umfangs eigentlich nichts verloren haben. Charlton Heston, der hier rumläuft wie Indiana Jones für Arme (und spätestens seit "Die Fabelmans" ist ja bekannt, dass Steven Spielberg den hier als Kind auch tatsächlich gesehen hat), gibt hier in einer frühen Hauptrolle bereits eine Kostprobe seines Overactings, das später in Streifen wie "Ben Hur" und "Planet der Affen" irgendwie besser zur Geltung gekommen ist... das Netteste, was man hier über ihn sagen kann, ist, dass sich seine Performance inmitten eines durch die Bank ebenso schrecklichen Darsteller-Ensembles einigermaßen verspielt. Kurzum, ein Film, wie eine Zirkus-Vorstellung... überlang, voll mit leerem Spektakel und riechen tut es auch nicht besonders gut!

3/10

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