Der Film beginnt mit der bestialischen Ermordung von Yoo-Yeon (San-Ha Oh) durch den Serienkiller Kyung-Chul (Min-Sik Choi). Damit entfesselt dieser aber unwissentlich eine Spirale der Gewalt, denn er weiß nicht, dass sein Opfer die Tochter des Polizeichefs Jang (Gook-Hwan Jeon) und die Ehefrau des Geheimagenten Soo-Hyeon Kim (Byung-Hun Lee) ist. Dieser lässt sich von seinem Schwiegervater die Akten derjenigen Männer geben, die das Verbrechen verübt haben könnten und nimmt sich zwei Wochen Urlaub. Allerdings nicht um die Geschehnisse zu verarbeiten, sondern um den Killer ausfindig zu machen und sich zu rächen. Schnell stößt er auf die Fährte von Kyung-Chul und beginnt mit diesem ein Katz-und-Maus-Spiel, mit dem Ziel, diesen das Leid seines Opfers spüren zu lassen. Doch er unterschätzt seinen Gegner...
Jee-Won Kim, der in westlichen Gefilden durch seine Filme "A Bittersweet Life", "The Good, the Bad, the Weird" und "A Tale of two Sisters" einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt hat, schafft mit "I saw the Devil" einen Rachethriller auf hohem Niveau. In der Rolle des Serienkillers Kyung-Chul überzeugt der aus "Oldboy" bekannte Min-Sik Choi vollends mit seinem intensiven und furchteinflößenden Schauspiel, dass der Figur eine beängstigende Authentizität verleiht. War seine Leistung in dem genannten Film schon sehr stark, so schafft er es diese hier noch einmal zu steigern. Auch sein Gegenspieler Byung-Hun Lee, bekannt aus "JSA" und "The Good,the Bad, the Weird" schafft es den trauernden und von Rache angetriebenen Ehemann glaubhaft zu verkörpern und steht der Leistung Choi kaum nach, obwohl er, auch rollenbedingt, dessen Bandbreite hier nicht erreicht. Auch der restliche Cast gibt sich keine Blöße, muss aber auch kaum erwähnt werden, denn das Hauptaugenmerk des Films liegt auf dem diabolischen Paar.
Dieses liefert sich eine Jagd, die die Abgründe der menschlichen Seele aufzeigt. Kims einzige Motivation ist Rache, dafür nimmt er alles andere, auch das leid weiterer Menschen, billigend in Kauf. Kyung-Chul wird als kranke und gebrochene Existenz dargestellt, die dem gerissenen Kim nicht viel entgegenzusetzen hat. Doch dieser Film ist keine reine schwarz-weiß, gut-böse Geschichte. Im Verlauf der Geschichte wird dem Zuschauer nach und nach klar, dass Kyung-Chul viel gerissener und intelligenter ist als zunächst vermutet und es schafft Kim noch weiter zu verletzen. Im Gegenzug wird er gezwungen den Charakter von Kim und dessen Methoden zu hinterfragen, den dieser entwickelt sich von der sympathischen Person, die das volle Verständnis des Zuschauers genießt immer mehr zu einem bemitleidenswerten Menschen, der mit seinen Methoden nicht nur über seine Ziele hinausgeht, sondern seinem Gegner immer ähnlicher wird.
Genau hier setzt der Film dazu an die Gedankengänge des Zuschauers zu zerbrechen und sie in eine neue Richtung zu lenken. Der Zuschauer wird genötigt zu hinterfragen, ob die Reaktion Kims der Situation angemessen ist und vor allem, ob er in der selben Situation genauso handeln würde. Die Grundaussage des Films könnte man zwar lapidar mit "Rache kennt keine Gewinner und ist niemals der richtige Weg" abhandeln, doch wird diese einfache Betrachtungsweise der komplexen Gefühlswelt der Charaktere und der vielschichtigen Story nicht gerecht. Der Film will mehr als nur zeigen, dass Gewalt und Rache schlecht sind, sondern auch den Wandel des Menschen in Extremsituationen deutlich machen, die dazu führen das der Mensch selbst extrem handelt. Darüber hinaus erzeugt der Film Mitleid auch mit Kyung-Chul nur um dem Zuschauer immer wieder vorzuführen, was für ein Psychopath dieser ist. Doch situationsabhängig wandern die Sympathien vom Opfer zum Killer und umgekehrt um in einem Finale zu gipfeln, das schließlich zeigt, wie nah das Opfer in seiner Rache der Gefühls- und Handlungswelt des Täters kommt.
Das Ganze wird dabei in tollen Bildern eingfangen, was gerade zu Anfang mit der verschneiten Straße grandios anzusehen ist und von einer sehr guten Filmmusik untermalt. Der Film selbst geht auch im graphischen Bereich nicht zimperlich zur Sache, doch dies dient niemals einem Selbstzweck, sondern unterstützt die Aussage und Wirkung des Films. Gröbere Kritikpunkte gibt es eigentlich keine, außer vielleicht, dass die Laufzeit auch etwas kürzer hätte ausfallen können ohne die Gesamtwirkung zu zerstören. Das ist allerdings Geschmackssache und stört mich persönlich nicht. Daher von mir
10/10