Review

Monument des Grauens


Zusammen mit „Shoah“ ist die gerade einmal dreissigminütige (!) Doku „Night & Fog“ eindeutig das definitive Statement über das wahrscheinlich dunkelste Kapitel der modernen Menschheitsgeschichte. Einblicke in die Konzentrationslager, in den Holocaust, in ein undenkbares Verbrechen, die man einfach nicht mehr vergisst. Nicht noch einmal sehen will. Und doch sehen muss. Vielleicht schon als Kind oder Jugendlicher. Egal wie schockierend und schmerzend das sein mag. Das muss man einfach sehen, einordnen, verarbeiten, wirken lassen. Zerstörerisch. Traurig. Mehr als das. Deprimierend. Ich konnte noch nicht mal mehr weinen. Das ist einfach auf einem anderen Level. Das übersteigt jegliche Vorstellungskraft. Wie ein Blick in die Hölle. Schlimmer - denn man weiß, dass es das wirklich gibt/gab, denn man weiß, wozu wir Menschen fähig sein können. Wie es dazu kommen konnte, ist mir einerseits unerklärlich, andererseits auch eine Warnung, dass man unserer Spezies einfach ALLES zutrauen muss. Egal wie undenkbar oder krank oder fies oder brutal.

„Night & Fog“ ist das niederschmetterndste „Gedicht“, das ich je gesehen habe. Kurz. Knackig. Menschlich durch und durch. Und das leider auch im schwärzesten Sinne dieses oft eher positiv konnotierten Wortes. Gesichter des Todes. Eine Zeit des Schweigen. Auch ich bin sprachlos. Das ist der absolute Wahnsinn. Das macht wütend und haut einen um. Das reißt mir ein Loch ins Herz und den Magen. Das ist ungeschminkt, ungefiltert, ungeschönt, unzensiert. Das ist krass. Dafür reichen keine Worte, keine Wertung, kein Weinen. Unwirklich. Und doch so echt es geht. Das ist ein Vorschlaghammer, der ungebremst durchzieht. Und das auch muss. Man denkt, man weiß, was damals passierte und wie schlimm das gewesen sein muss. „Night & Fog“ hebt das aber nochmal seelisch und fast körperlich auf ein ganz anderes Niveau. Wir wissen gar nichts. Und wir dürfen dennoch nicht vergessen. Niemals. Und wir dürfen nicht wiederholen. Nirgends. Gedenken und Warnung. Anklage und Trauer. Mauern und Schmerzen. Pflicht und Schande. Macht und Gewalt. Seelen und Schaden. Tränen und Tod. Normalität und Schrecken. Nacht und Nebel. 

Fazit: vielleicht die wichtigsten, härtesten und (un)menschlichsten 30 Minuten, die man in seinem Leben unbedingt gesehen haben muss. Als Deutscher erst recht. Als menschliches Wesen aber genauso. Absolut furchteinflössend, unglaublich, sprachlos machend. Bis ins Mark unheimlich und verstörend - und doch irgendwie mit einem seltsam poetischen Unterton. Unumgängliches Pflichtprogramm. 

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