127 hours ist die wahre Geschichte des abenteuerlustigen Sportjunkies Aron Ralston der im Jahre 2003 über 5 Tage allein in einer Felsspalte in den Canyonlands (Utah, USA) eingeklemmt war. Die Amputation des rechten Handgelenkes rettete ihm schließlich das Leben. Mit Hilfe seiner Videokamera konnte er in den endlosen Stunden seines Martyriums Abschiedbotschaften und sonstige Gedaken für die Nachwelt festhalten (in kurzen Ausschnitten übrigens auf youtube zu sehen).
Erfolgsregisseur Danny Boyle (Slumdog Millionaire) hat den hitverdächtigen Survivalstoff 2010 für sich entdeckt und daraus einen durchaus packenden Film gemacht. James Franco trägt den ganzen Film quasi allein auf seinen Schultern und verkörpert den tragischen Helden wirklich mit Bravour. Hut ab ! Die Oscar Nominierung ist sicherlich verdient.
Beim Film selbst bin ich mir leider nicht so sicher. Die schicke Optik kann leider nicht darüber hinwegtäuschen, dass 127 hours weniger tiefgründig geraten ist, als man hätte erwarten dürfen. Der familiäre Background bleibt viel zu oberflächlich. Die Läuterung vom Individualisten zum Menschenfreund, wie in anderen Reviews zu lesen ist, vermag ich in den wenigen familienbezogenen Aussagen (wie z.B. Mom, ich wünschte ich hätte dich häufiger zurückgerufen") nicht gleich zu erkennen. Die Traum- bzw. Erinnerungsszenen hätten diesbezüglich viel ausführlicher und strukturierter sein müssen. Es gibt zwar zwar haufenweise Getränke-Werbespots (zur Unterstreichung des Wassermangels) und andere oberflächliche Erinnerungsfetzen zu sehen, doch leider stehen sie in keinem besonderen narrativen bzw. dramaturgischen Zusammenhang. Sie scheinen eher wahllos über den Film verteilt worden zu sein. So richtig mitreißend sind deshalb nur die Szenen in der Realität (Felsspalte) geraten, dabei hätte ich gerne noch mehr aus Arons früherem Leben erfahren. Zwei mal ist Arons kompletter Freundeskreis im Film zu sehen (versammelt auf einem Sofa). Zu sagen haben sie Aron aber leider gar nichts. Sie glotzen nur milde lächelnd in die Kamera. Warum lässt Boyle diese Chance bloß ungenutzt ?
127 hours ist also ein eher am vordergründigen Thrill (Wassermangel, Abgeschiedenheit, Amputation) orientiertes Drama. Die schicke Videoclipästhetik (split screen, stark kontrastierende Bilder) lassen auch keine Langeweile aufkommen. Trotzdem bleibt nach dem Kinobesuch das bittere Gefühl zurück: "daraus hätte man mehr machen können".
6 Punkte