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"Was denken Sie, was ein gutes Foto ausmacht?"

"The Bang Bang Club" erzählt die auf wahren Ereignissen basierende Geschichte von vier Kriegsfotografen, die durch Motive während der Unruhen in Südafrika zahlreiche Preise bekamen und die Bevölkerung wach rüttelten.

Zu Beginn der 90er ist Südafrika von einem Bürgerkrieg betroffen. Inmitten der blutigen Konflikte ist eine Schar von Fotografen, die unparteiisch die Ereignisse dokumentiert. Der Neuling Greg Marinovich (Ryan Phillippe) geht dabei unvorsichtig vor und wagt sich in die Wohnsiedlungen einer aggressiv handelnden Partei. Sein leichtsinniges vorgehen bringt ihm allerdings angesehene Motive. Die etablierten Fotografen Kevin Carter (Taylor Kitsch), Ken Ooosterbroek (Frank Rautenbach) sowie João Silva (Neels van Jaarsveld) werden auf ihn aufmerksam und integrieren ihn in ihrer Gruppe. Neben den waghalsigen Ausflügen und der immerwährenden Jagd nach dem besten Foto verliebt sich Greg in die Journalistin Robin Comley (Malin Åkerman).

Dem Regisseur Steven Silver, der selbst aus Südafrika kommt, geht es nicht darum, die politischen Bedingungen und Entwicklungen im Detail nachvollziehbar zu machen. Während sich die politischen Kämpfe auf allen Ebenen abspielten, konzentriert sich "The Bang Bang Club" auf die Kämpfe zwischen farbigen Gruppierungen und rückt seine Protagonisten in den Mittelpunkt. Was zunächst noch nach einem konfliktbezogenen Drama aussieht, verliert sich allerdings mehr und mehr in einem schwerfälligen Charakterdrama.

Seine besten Momente hat das Drama, wenn es Fragen um die Neutralität eines Fotografen mitten in einem Krisengebiet aufwirft. Mehrfach entstehen Situationen, an denen die Protagonisten Zeuge eines Verbrechens werden, allerdings nicht eingreifen um es zu verhindern. Sie fotografieren und dokumentieren einfach weiter. Dass diese Geschehnisse an ihnen allerdings haften bleiben ist unverkennbar.
Leider versucht "The Bang Bang Club" einen Kontrast zwischen dem harschen Kriegsgeschehen und dem Privatleben der Charaktere aufzubauen. Diese nicht ausgebauten Nebenhandlungen offenbaren eine längst vorausgesehene Liebesgeschichte und kurze Einsichten in die Probleme einzelner Figuren, die viel zu kurz kommen.

Das Aussparen tiefergehender Charakterisierungen der Protagonisten ist folgerichtig dann auch mit das größte Problem des Films. Propagiert der in der ersten Hälfte seine Figuren noch als rebellisch und töricht, sollen sie in der zweiten Hälfte als gebunden und unabdingbar gelten. Das würde auch durchaus funktionieren, hätte "The Bang Bang Club" bis dahin eine emotionale Bindung zwischen seinen Protagonisten und den Zuschauern aufbauen können. Für eine solche mangelt es aber an Identifikationsfläche, sieht man hier doch knappe anderthalb Stunden Personen ohne Persönlichkeit zu.

Die Optik hat einen dokumentarischen Charakter und entwickelt teilweise einen sehr atmosphärischen Stil. Neben schonungslosen Bildern gibt es auch inszenatorische Höhen in Form von flotten Kamerafahren. Üppige Actionsequenzen sind allerdings nicht enthalten und würden dem Film ohnehin nur seine Authentizität rauben.

Die Darsteller sind solide ohne echte Höhen vorzuweisen. Neben den namhaften und vor allem optisch ansprechenden Ryan Philippe ("Flags of Our Fathers"), Taylor Kitsch ("X-Men Origins: Wolverine", "Battleship") und Malin Åkerman ("Watchmen") erhalten Neels van Jaarsveld sowie Frank Rautenbach eine wesentlich geringere Sichtbarkeit um sich zu profilieren.

Nur zu Beginn und gegen Ende vermag "The Bang Bang Club" richtig mitzureißen. Überwiegend verhält sich das Drama aber nicht mutig genug und bringt seine vorhersehbare Handlung nicht voran, riskiert sogar den Stillstand. Der Film stellt die richtigen Fragen, verliert sich jedoch auf halbem Weg in der Belanglosigkeit. Schade, denn das Thema und die Optik vermitteln da wesentlich mehr.

6 / 10

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