„Hilflos hingerotzte Havarie-Hämorrhoide“ (Oliver Kalkofe)
Die US-Mockbuster-Schmiede „The Asylum“ erdreistete sich im Jahre 2010, eine Fortsetzung des Cameron’schen höchstbudgetierten, bombastischen Mega-Erfolgs „Titanic“ aus dem Jahre 1997 zu suggerieren. Doch ist „Titanic II“ lediglich der Name eines neuen luxuriösen Passagierschiffs, dessen Besatzung und Fahrgäste in diesem Katastrophenfilm in Gefahr geraten. Shane Van Dyke, der zuvor bereits für „Paranormal Entity“ auf dem Regiestuhl saß, vereint Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller in Personalunion.
„Das ist monumental!“
Als sich die in einer Katastrophe geendete Jungfernfahrt der Titanic zum einhundertsten Mal jährt, soll mit der neu erbauten Titanic II alles anders werden: Der mit modernster Technik wie Eisberg-Warnsensoren etc. ausgestattete Luxusliner sticht mit zahlkräftigen Gästen unter Kapitän Hayden Walsh (Shane Van Dyke) in See, um von New York nach Southampton zu fahren. Als Krankenschwester an Bord ist seine Ex-Freundin Amy (Marie Westbrook, „Hillside Cannibals“), während ihr das Projekt argwöhnisch beobachtende Vater James (Bruce Davison, „Der Musterschüler“) nach Grönland berufen wird, wo sich infolge der globalen Erderwärmung Gletscher lösen und einen folgenschweren Tsunami verursachen…
„Sieht so aus, als würde sich die Geschichte wiederholen!“
Der Lowest-Budget-Heuler „Titanic II“ ist gleich in mehrerer Hinsicht ein Katastrophenfilm, dabei klingt die Geschichte angesichts der Thematisierung der Erderwärmung und des Schmelzens gigantischer Eismassen zunächst einmal gar nicht so doof – einmal abgesehen davon, dass in der abergläubischen Schifffahrt wohl niemand auf die Idee käme, ein Schiff „Titanic II“ zu nennen. Shane Van Dyke spielt also den Schmierlappen von Kapitän, der nach einem reichlich sinnlosen Prolog mit ein paar Schlampen im Arm sein Schiff betritt. Notdürftig wird durch oberlangweilig geführte Dialoge eine Beziehungskiste zwischen Käpt’n Walsh und seiner Ex Amy eingeflochten und versucht, diese um einen dramatischen Tragikfaktor in Form der Dreierkonstellation mit ihrem hohnmächtig zusehen müssenden Vater im Helikopter zu erweitern. Doch nicht nur die unglaubwürdigen Schauspieler sorgen dafür, dass man das Ganze kaum ernstzunehmen gewillt ist, viel schwerer wiegt da noch die Optik des Films. Die entstand zu verdammt großen Teilen am Computer, wo Meer, Eis etc. derart offensichtlich simuliert werden, dass kaum das Gefühl entsteht, tatsächlichen Naturgewalten ausgesetzt zu sein – von den digitalen Hintergründen ganz zu schweigen. Die Szenen im Inneren des Schiffs wurden zudem nicht nur im Studio, was verständlich wäre, sondern augenscheinlich in vollkommen unmaritimem Ambiente gedreht, was manch massiv gemauertes Stück Interieur erklärt. Nicht einmal um eine ausreichende Anzahl Komparsen, die den Eindruck tausender oder wenigstens hunderter wohlhabender Passagiere erwecken, hat man sich bemüht und so entsteht nur selten der Eindruck einer Massenpanik und flitzen auch schon mal die immer gleichen Menschen durch die Hintergründe. Geflitzt werden muss natürlich viel, denn es kommt genau so, wie es kommen muss: Zwar ist der Tsunami für das Schiff eine vergleichsweise geringe Gefahr, doch fliegen ihm die Eisbrocken nur so um die Ohren, so dass auch die Titanic II dem Untergang geweiht ist.
Begleitet von einem alles übertönenden, permanent dudelnden Soundtrack orchestraler Natur nimmt das Verhängnis seinen Lauf und der Überlebenskampf, bei dem wir hauptsächlich Walsh und Amy zusehen dürfen, wird kalt und feucht. Zu meiner Überraschung gibt es in all dem gleichförmigen Katastrophen-Gedöns zwischenzeitlich dann doch ein paar Hingucker bzw. Wachhalter in Form einiger garstiger Tode, aber vieles findet auch schlicht im Dunkeln und somit höchstens erahnbar statt. Gewürzt wird das Schmierentheater, das sich zieht wie Hechtsuppe, dann noch mit peinlich-pathetischem Märtyrer-Schwachsinn, der wenn nicht zur Gletscher-, so mindestens zur Hirnschmelze beiträgt. Nein, anstatt Camerons Blockbuster augenzwinkernd aufs Korn zu nehmen oder wenigstens ein bisschen Selbstironie durchblitzen zu lassen, wenn man schon kein freiwilliges Trash-Feuerwerk abbrennen möchte, ist „Titanic II“ nicht mehr als eine furchtbar langweilige C-Katastrophen-Katastrophe, die humorlos und auch unter Trash-Aspekten vorwiegend unlustig einen extrem unglaubwürdigen Schiffsuntergang abspult, so gut wie überhaupt nichts von interessanter Charakterzeichnung versteht (und sich diesbzgl. nicht einmal traut, Pole auszupendeln – Walsh z.B. ist weder Fisch noch Fleisch), ihre Dialoge müde herunterleiert und aussieht wie ein Videospiel. Den für die Produktionsforma typischen bekannten Namen eines verdienten Schauspielers, angesichts dessen man sich stets fragt, wie er oder sie hier nur hineingeraten konnte, liefert diesmal Bruce Davison, für den sich das Anschauen aber nun wirklich nicht lohnt. Bei „Titanic“ sind manch Tränen gekullert, und so ist auch „Titanic II“ zum Heulen – wenn auch aus gänzlich anderen Gründen. Kein epochaler Schiffsuntergang, mehr ein schmerzhaftes Ausrutschen in der Badewanne mit anschließendem Koma.
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