Zur Zeit des Kosovokrieges kam es im ehemaligen Jugoslawien zum vermehrten Organhandel durch die UÇK, was aus Mangel an Beweisen nie vorm europäischen Gerichtshof verhandelt wurde.
In diesem Streifen, der inhaltlich stark an „Touristas“ erinnert, wurden die Fakten allerdings ein wenig verdreht, da hier die Serben die Bösewichte darstellen, welche drei Ärzte in ihre Gewalt bringen.
Jene sind Carole, Samir und Mathias, die sich eigentlich auf dem Rückweg nach Frankreich befinden, als sie aufgrund einer Straßensperre einen Umweg fahren müssen und plötzlich von bewaffneten Vermummten zum Anhalten gezwungen werden.
Kurz darauf befinden sie sich in Gefängnissen, in denen sie regelmäßig von einem Arzt untersucht werden, denn schließlich werden ihre unversehrten Körper noch gebraucht…
Neu ist die Thematik mit illegalem Organhandel natürlich nicht, da bereits 1978 „Coma“ und ein Jahr später „Fleisch“ einen ähnlich gelagerten Inhalt boten.
Allerdings war man zu dieser Zeit noch weit entfernt von derben Foltereinlagen und konkret gezeigten Gewaltanwendungen, wobei sich auch dieser weitgehend zurückhält und zu keiner Zeit Brutalitäten zum Selbstzweck einbindet.
Ohnehin dauert es eine ganze Weile, bis die Geschichte an Fahrt aufnimmt, denn selbst die Gefängnissituation lässt kaum spannende Momente aufkommen, da die Machtverhältnisse eindeutig geklärt sind und die klaustrophobische Situation eher vom physischen Leid geprägt ist.
Allzu sehr in die Tiefe gehen die Figurenzeichnungen nicht, die beiden Ärzte sind halt unterschiedlichen Temperaments, aber keiner von beiden erscheint sonderlich markant. Carole hat hingegen mit einem Kindheitstrauma zu kämpfen, da ihre Freundin seinerzeit von einem großen Hund zerfleischt wurde. Seither meidet sie solche Viecher, doch prompt haben die Entführer drei bissige Köter im Zwischenraum, so dass eine spätere Konfrontation unausweichlich scheint.
Bis zum finalen Akt ereignet sich leider nicht viel, da der Personenkreis sehr überschaubar ist und die Figuren die meiste Zeit wenig unternehmen, um ihre Situation zu ändern. Es gibt lediglich einen Fluchtversuch und den Abtransport eines Mitgefangenen, bis schließlich jemandem die Flucht gelingt und die Möglichkeit eines kollektiven Ausbruchs besteht.
Der Showdown bringt auf den Punkt, wie abwechslungsreich die Geschichte hätte verlaufen können, denn da beweist die Kamera ein gutes Gespür für effektive Einstellungen, wie etwa oberhalb eines Maisfeldes und auch der Sound mit integriertem Tinnitus-Effekt ist optimal abgestimmt. Leider bildet das Finale nur einen minimalen Teil und es ist bedauerlich, dass ein Großteil im Mittelfeld zu ereignislos verläuft.
Auf darstellerischer Ebene pendeln sich die Leistungen im guten Mittelfeld ein, Zoe Felix macht in der eigentlichen Hauptrolle der Carole eine gute Figur und transportiert die Emotionen ihrer Figur glaubwürdig, gleiches gilt für die fiesen Jungs, - da sind schon einige überaus verabscheuungswürdige Hackfressen dabei.
Demgegenüber hält sich der Score etwas zu sehr im Hintergrund und treibt auch zum Finale das deutlich gesteigerte Tempo kaum in die Höhe.
Im Gesamtbild bietet „Caged“ leider kaum Innovationen, alles erinnert irgendwie an eine vergleichsweise unblutige Variante von „Hostel“.
Erst im finalen Akt spitzen sich die Ereignisse zu, während der Vorlauf zu wenig Abwechslung und Mitfiebern bietet, lediglich die insgesamt beklemmende Situation der Gefangenen hält die Stimmung aufrecht.
Ein passabler Streifen, dem allerdings die erinnerungswürdigen Momente fehlen, um zum Genre-Hit zu avancieren.
Knapp
6 von 10