Regisseur Andrew Traucki kennt sich aus mit fiesen Viechern im Wasser. Knabberte in BLACK WATER noch ein böser Kroko saftigen Touristen das Fleisch von den Knochen, sind es nun Haie.
Die Story ist nicht unbedingt neu: Ein Segelboot gerät in Seenot und kentert. Die fünfköpfige Besatzung entschließt sich es schwimmender Weise zur nahe geglaubten Insel zu versuchen. Während sie friedlich durch den Ozean paddeln, tauchen plötzlich seltsame dunkle Dreiecke neben ihnen auf…
Was ziemlich altbacken klingt, wurde wahrlich packend in Szene gesetzt. Dass THE REEF nur andeutet, was im Wasser vor sich geht, ist seine deutlichste Stärke. Allein bis sich eine Haifischflosse zeigt, vergeht eine Dreiviertelstunde. Davor plätschert es nur ein bisschen oder der eine oder andere glaubt, etwas in der näheren Umgebung gesehen zu haben. Und wenn man es am wenigsten erahnt – ZACK! – taucht der Hai direkt vor der Gruppe auf und schnappt sich ein leckeres Menschlein. Besonders brutal ist der Streifen nicht, die See färbt sich nur ein bisschen rot, doch auch das kann man nur positiv werten.
Zum Einsatz kommen viele Unterwasseraufnahmen. Mit der Taucherbrille wird versucht unter den Deckmantel der Meeresoberfläche zu blicken, um zu erahnen, was unter ihr vor sich geht. Die Haie wirken nebenbei bemerkt sehr bedrohlich (und sind nicht CGI). Die Aufnahmen, in denen die schwimmenden Raubtiere zum Greifen nah an unseren Protagonisten vorbeigleiten, gehen wirklich unter die Haut wie Moränenzähne. Bei den Haien handelt es sich übrigens nicht um mickrige Makrelen, sondern ausgewachsene Weiße Haie.
Wie OPEN WATER 1 und 2 beruht auch THE REEF (angeblich) auf wahren Begebenheiten. Was er den beiden voraus hat, sind überzeugende Darsteller. Die Akteure kreischen hier nicht gar so übertrieben rum wie die hysterischen Jecken in OPEN WATER, was tatsächlich so etwas ähnliches wie Authentizität erzeugt.
Überaus gelungen ist auch das Spiel mit den Urängsten. Die Vorstellung, mitten im Ozean ausgesetzt zu sein, kein Land in Sicht und um einen herum kilometerweite Ungewissheit und Haie, ist wahrlich purer Horror. Allein der Gedanke daran, auf offener See im Wasser zu treiben und unter einem undefinierbare Schatten vorbei ziehen zu sehen, dürfte manch gestandenem Mannsbild die Eier auf Erbsengröße schrumpfen lassen.
„Another Dolphin?“
Fazit:
Kein Trash á la SHARK ATTACK oder HAI-ALARM AUF MALLORCA, sondern ernstzunehmender, intelligent umgesetzter Hai-Horror.
Zwar nicht „Der Weiße Hai“, für ein Direct-to-DVD-Erzeugnis aber überaus gelungen. Thalassophobiker und Leute, die sich selbst in den Gardasee nur bis zum Knöchel wagen, werden nach THE REEF nicht einmal mehr den Mut aufbringen zu duschen.