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Zwei Pärchen, von denen das eine sich kurz zuvor getrennt hatte, machen vor der australischen Küste einen Yacht-Trip. Bei traumhaftem Wetter vor ebenso herrlicher Meereskulisse wird das Quartett von einem Skipper am Steuer über die menschenleere See bugsiert und alles sieht nach einem entspannten Urlaub aus, bis das Schiff nachts kentert und sich die fünf unvermittelt im Wasser wiederfinden. Auf dem kieloben treibenden Rumpf beratschlagt man über eine mögliche Rettung, da sich die Gegend jedoch abseits größerer Schiffahrtsrouten befindet und ein Rettungsgerät auch anscheinend nicht funktioniert, entschließen sich die beiden Pärchen, schwimmend eine kurz zuvor passierte Insel zu erreichen. Der Skipper, der als Fischer schon Bekanntschaft mit Haien gemacht hatte, bleibt als Einziger zurück, die anderen vier schwimmen unter der Führung des erfahrenen Luke (Damian Walshe-Howling) los. Etwa 15 Seemeilen sollen es bis zum rettenden Eiland sein, aber schon nach kurzer Zeit taucht ein weißer Hai auf...

Die australische Produktion The Reef variiert ein weiteres Mal das Thema vom menschenmordenden weißen Hai - erfreulicherweise weniger plakativ als in vergleichbaren Werken (wie Open Water, The Shallows o.ä.) nimmt hier nach einer Einführung der verschiedenen Charaktäre das gemeinsame Schwimmen im Meer den größten Raum ein: begleitet von einer gewissen Unsicherheit bezüglich des friedlich erscheinenden spiegelglatten Meeres, zeigt die Kamera stets den Blickwinkel der zwei Frauen und zwei Männer in Tauchanzügen, die mit einem halbierten Schwimmbrett in Richtung einer vermuteten Insel schwimmen. Mit gemischter konditioneller wie psychischer Stärke ausgestattet, bewegt sich das Quartett langsam vorwärts: Luke, der das Schwimmen (statt auf dem Rumpf sitzend abzuwarten) vorgeschlagen und forciert hatte, übernimmt die Führung der Gruppe und spricht - wenn es erforderlich erscheint - beruhigend auf die anderen ein; mit seiner (der einzigen) Taucherbrille kann er auch unter Wasser einigermaßen klar sehen und nimmt, wie bei einem U-Boot-Film aus dem 2. Weltkrieg den Platz des Kapitäns an seinem Periskop ein. Eine zeitlang geht dieses improvisierte Vorhaben auch gut, dann aber interessiert sich ein großer Hai für die Gruppe...

Zu den Stärken von The Reef zählt, daß man sich als Zuschauer sofort in die Situation hineindenken kann, mit den handelnden Personen mitfiebert und der Film bis zum Schluß spannend bleibt. Dies liegt zum einen an den relativ natürlich wirkenden Darstellern, mit denen man sich identifizieren kann, zum anderen an der geschickten Kameraführung, die alles aus der Perspektive der Gruppe zeigt, mal knapp über, mal knapp unter der Wasseroberfläche. Als sich der Hai dann zeigt, bricht bei einer der Damen dann Panik aus, die aber durch gutes Zureden unter Kontrolle gebracht werden kann; für die Darstellung des Haies selbst wurde übrigens "natürliches" Filmmaterial verwendet (vermutlich aus Käfigtauchgängen), das schnitttechnisch so gut eingebaut wurde, daß es vollkommen echt wirkt, sowohl das Umkreisen der Gruppe wie auch die späteren Angriffe. Jegliches CGI-Gekasper, wie aus diversen Trash-streifen bekannt, bleibt dem Zuschauer auf diese Weise erspart, was der durchgehenden Spannung zugute kommt.

Zu den wenigen Kritikpunkten zählt das meiner Meinung nach überstürzte Aufbrechen - die gekenterte Yacht hätte mit Sicherheit noch mehr Utensilien bereitgehalten, mit denen man sich Schwimmhilfen hätte basteln können (alleine schon die Fender), so aber wird ein einziges Schwimmbrett in der Mitte durchgebrochen und die Hälften aufgeteilt. Auch Vorräte hätte man sicher noch bergen können (Luke hat als einziger einen kleinen Rucksack dabei) und sich zumindest vor dem Schwimmen nochmals stärken können, eventuell wäre auch leichtes Werkzeug, die Angelrute etc. zumindest für den zurückgebliebenen Skipper nützlich gewesen. Stattdessen bleibt es bei den Tauchanzügen (Zitat: "Die siehst darin aus wie eine Robbe. Haie mögen Robben.") und eine der Damen kann sich zum mitschwimmen erst entschließen, als der Gruppenzwang angesichts der davonschwimmenden drei anderen sie überwältigt. Ungeklärt und erstaunlicherweise unthematisiert bleibt auch das nächtliche Kentern der Yacht, die nicht auf Spuren untersucht wird - die Havarie wird erstaunlich teilnahmslos zur Kenntnis genommen. Daß keine weiteren Notrufmöglichkeiten vorhanden sind (GPS, Leuchtspurmunition, etc.) mag ebenfalls befremdlich erscheinen. Dass die zurückzulegende Strecke von 15 sm (von Luke vage mit seiner Armbanduhr berechnet) auch eine Übernachtung im Wasser inkludiert (hätte man die nicht besser auf dem Bootsrumpf verbracht, zumal Dämmerung und Nacht die Hauptjagdzeiten der Haie sind?), zumal die drei Mitschwimmer keine trainierten Sportler sind, findet ebenso keinen Niederschlag in Lukes Planung wie eine mögliche Strömung, die die Schwimmer (mangels Meßinstrumenten eventuell sogar unbemerkt) in eine falsche Richtung abtreibt. Diskussionswürdig erscheint mir ferner das Angriffsverhalten des Raubfischs, besonders zum Schluß.

Abgesehen von diesen kleineren Unstimmigkeiten, die den Filmfluß jedoch nicht wirklich stören, bietet The Reef packendes  Meeres-Survival, das einen bis zum Ende (das mir allerdings nicht recht gefallen hat) in Atem hält - 8 Punkte.

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