Horror aus Uruguay - wem das von vornherein etwas spanisch vorkommt, könnte recht haben, aber man kann ja trotzdem mal essen, auch wenn man es nicht kennt. Wer jedoch prophezeit, daß es schon mit dem Gaucho zugehen müßte, wenn diese nicht eben bekannte Filmnation plötzlich Meisterschaft in diesem Genre beweist, der liegt ebenfalls auf der sicheren Seite.
"The Silent House" ist zumindest ein ehrenvoller Versuch, etwas relativ Eigenes zu schaffen und das mit allen Versatzstücken, derer man habhaft werden konnte. Was in diesem Film vorgeht, ob es sich um einen Geisterfilm oder einen Psychothriller handelt, muß man als Verfasser natürlich im Dunkeln lassen, denn wie so oft in diesen Tagen hängt auch hier alles von einer Twist-Wendung im Plot auf die letzten paar Filmminuten ab.
Wem das zu abgedroschen ist, der darf aber zuvor schon mitzählen, wo Gustavo Hernandez seine Vorbilder studiert hat.
Im Zentrum der Handlung liegt ein arg abgeschiedenes Haus irgendwo in Gottes grüner Natur (vermutlich in Uruguay), am Arsch der Welt oder auch im Waldstück um die Ecke. Es ist recht gut vernagelt, arschdunkel und ins obere Stockwerk sollen Vater und Tochter auch nicht gehen, die für den Besitzer die Butze mal wieder so richtig in Schwung bringen sollen. Aber weil es ja schon spät ist und die Fahrt lang, haut man sich erstmal auf Öhrle, bis es oben mal so richtig rumst und schleift. Pops geht schließlich gucken, schreit auf und versetzt damit Töchterlein in den altbekannten Zustand zünftiger Hysterie, der sie dann so ca. 75 Prozent der verbleibenden Spielzeit (ca. 55 von knapp 80 Minuten) ausgiebig nachgeht.
Das alles wird übrigens in gefakter Realzeit abgehandelt (Hernandez hat also auch seinen Hitchcock studiert - siehe auch: "Cocktail für eine Leiche") und da tut so manches, was man aber eben kaum oder nur unscharf erkennen kann. Auf jeden Fall taucht hier und da ein geisterhaftes Mädchen auf, irgendwer meuchelt noch weiter oder steht düster draußen im Garten herum. Dann kommt, als man endlich stiften gegangen ist, der Besitzer vorbei und bringt das Mädchen wieder ins Haus zurück (rörörörörö...). Im oberen Stockwerkt findet man dann zahlreiche Bilder von jungen Mädels in Unterwäsche und irgendwann sogar eine (schwachbrüstigeI) Erklärung für die mysteriösen Puzzleteilchen.
Nein, den Versuch will ich hier gern honorieren, allein die Umsetzung wird sicherlich nicht ungeteilte Begeisterung finden.
Hernandez läßt das alles wie gesagt als durchgängige 80 Minuten filmen, hat aber keine Probleme, im Dunkel der Nacht (und der Film ist scheißdunkel) Übergangsschnitte zu setzen. Leider leidet er auch unter der kreativen Epidemie des wackeligen Handkameraeinsatzes, aber nicht so gekonnt wie noch in "Cloverfield". Dazu kommt, daß so wenig rote und grüne Heringe ausgelegt werden, daß man a) kaum eine Chance hat, auf den Clou zu kommen und b) nicht selten mal vor Langeweile gähnt, allein der dudelige Vorspann samt einer entspannten Rucksackwanderung auf das Haus zu kann das komplette Publikum einschläfern.
Dazu kommt, daß man mit Heulen und Zähneklappern heute kaum noch auf Dauer Punkte machen kann und sich auch hier wieder nicht eben folgewirksam oder logisch verhalten wird, stattdessen findet Kameramann Pedro Luque es offenbar sehr atmosphärisch, bei der Erkundung des gut möblierten Hauses mittels eines recht grellen Laternenlichts die Kamera fast schon auf die Schulter von Florenci Colucci zu montieren und so mehr ihr Shirt abzuleuchten, als die unwesentlich interessantere Umgebung.
Zwischendurch gelingen ihm auch mal gute, stimmungsvolle Sequenzen, sowohl eine an "Warte, bis es dunkel ist" und "Das Schweigen der Lämmer" angelehnte Szene mit einer Polaroidkamera als auch die versuchte Flucht in den Wald samt dem auftauchenden Geisterkind im Zwielicht haben echte Qualitäten, allein, die Stärken können nicht durchgehalten werden.
Colucci kommt aber trotzdem am besten weg in diesem Film, hat aber außer verrotztem Schnupfen die meiste Zeit kaum etwas zu sagen oder zu spielen und wirkt zu Beginn so verschlossen wie weggetreten. Immerhin, das übliche alberne dumme Einstiegszeug fällt hier weg.
Was die Pointe angeht, die darf man dann auf dem Nachhauseweg noch gepflegt durchkauen, ob das nun alles logisch oder nachvollziehbar war oder dann doch bei einem französischen Film des Genres entliehen, aber bis dahin hat man sich im neuesten Wackelschocker entweder schon gruselnd entspannt oder ist selig entschlummert. Bei mir wars dann eher letzteres, wobei dieser Film erwähnenswerterweise mal wieder einer ist, der sowohl während als auch nach dem Abspann noch Wissenswertes zu den Personen liefert, was der Restfilm vorher nicht geschafft hat.
Sicher eine Geschmackssache, aber trotz guter Ideen letztendlich noch zu unausgegoren. (4/10)