Review

Der ungewöhnliche Film mit dem gewöhnlichen Titel bietet gleich zwei auffällige Merkmale:
Er stammt aus Uruguay und er bietet Real-Time-Grusel, welcher angeblich ohne einen Schnitt, also in nur einem Take mit einer gewöhnlichen Fotokamera aufgenommen wurde.
Letzter Punkt darf zwar aufgrund eines auffälligen Wackelns und einer Szene in völliger Dunkelheit angezweifelt werden, doch die Erfahrung ist trotz wohl bekannter Prämisse eine durchaus spannende.

Es geht mal wieder um ein altes Haus, in dem es augenscheinlich nicht mit rechten Dingen zugeht, wie Laura (Florencia Colucci) noch in der ersten Nacht erfahren muss. Eigentlich wollte sie die heruntergekommene Wohnung mit ihrem Vater Wilson für ihren Bekannten Nestor renovieren, doch als Laura ein Geräusch aus der oberen Etage hört und Wilson nachschauen geht, beginnt der Horror…

Dass die Kamera mit nur wenigen Schnitten auskommt, fällt nicht von vornherein auf, sondern erst, als einige längere Einstellungen ins Auge stechen, etwa aus der Distanz hinter einem Türrahmen, später auch nur in Form eines Spiegelbildes. Die Kamera ist immer dicht bei Laura, die oft mehr wahrnimmt als der Betrachter, dessen Sichtfeld durch den Körper Lauras noch ein wenig beeinträchtigt wird, zumal als einzige Lichtquelle eine Petroleumlampe dient. Ohnehin ist es ziemlich düster und verwinkelt, da die Hauptfigur Stück für Stück die ihr fremde Umgebung abtastet, während Polaroids im Verlauf eine bedeutende Rolle einnehmen.

Ein besonders großes Kompliment geht dabei an Florencia Colucci, die in ihrem Debüt eine Menge Improvisationsgabe unter Beweis stellt und obendrein ein phänomenales Gedächtnis für die vielen Einzelheiten des Ablaufs mitbringt, denn da muss jede Bewegung genau aufeinander abgestimmt sein, selbst wenn eine lange Szene „nur“ geschätzte 50 Minuten andauert. Denn anders als beispielsweise beim One-Take-Klassiker „Cocktail für eine Leiche“ ist hier reichlich Bewegung im Spiel, während die Kamera stets in Lauras Nähe bleibt, sich mit ihr dreht, unter einen Tisch krabbelt, zwischenzeitlich aus dem Haus läuft, in ein Auto steigt, um abermals ins Haus zu gehen.

Der visuelle Aspekt kaschiert über weite Teile, dass es handlungstechnisch phasenweise kaum ein Vorankommen gibt und man nach einiger Zeit doch ein wenig ungeduldig auf die Auflösung wartet.
Jene bietet letztlich wenig Neues und wirft auch einige Fragen bezüglich einiger Szenen zu Beginn auf, doch wer den Abspann halbwegs aufmerksam verfolgt, dürfte aufgrund einiger Details schlussendlich Bescheid wissen.

Allzu viele Schockmomente bietet die Handlung insgesamt nicht, doch die wenigen Jump Scares sitzen aufgrund ihrer Nähe zum Geschehen, der fast dokumentarischen Authentizität und der recht dichten Atmosphäre.
„Silent House“ ist kein Streifen für Ungeduldige, denn die eigenwillige Optik benötigt einige Zeit zur Etablierung und auch inhaltlich ist das Absuchen mit der Lampe bisweilen ein wenig eindimensional ausgefallen.
Trotz dünnem Inhalts ein interessantes Konzept, dass mit scheinbar geringem Aufwand latent Spannung aus dem nicht Sichtbaren schürt, - zwar nicht in nervenaufreibender Weise, aber konstant unterhaltsam, zumal man nebenher jene Momente sucht, in denen doch ein Schnitt stattgefunden haben könnte…
6 von 10

Details
Ähnliche Filme