Tendenz positiv!
Nach zwei schwachen bis durchwachsenen Beiträgen zur Serie zeigt die Formkurve hier wieder deutlich nach oben, was sehr zu begrüßen ist. Es ist noch nicht alles Gold was glänzt, aber die guten Seiten überwiegen.
Das liegt an der endlich einmal wieder ordentlich erzählten Geschichte, die jedoch kürzer wäre, würde nicht die Bombenanschlagsstory vorneweg soviel Raum einnehmen. Die ist auch hier wieder Prunktstück des ganzen Films, inclusive Bootsrennen und Kletterei auf dem Millenium Dome. Der Rest entspricht gängigen Standards, bietet aber ordentlich Exotik fürs Auge, so daß man für Drehorte wie Istanbul wirklich dankbar sein muß.
Es wäre jedoch empfehlenswert, künftig keine Ski-Verfolgungsjagden mehr zu inszenieren, da diese inzwischen vollständig ausgelutscht sind.
Getragen wird das alles von guten Nebenrollen, die jedoch nicht voll ausgeschöpft werden können. Sophie Marceau bringt endlich ein wenig Tiefe in die Reihe der Bondangelegenheiten und das liegt nicht nur daran, daß sie im Gegensatz zu vielen anderen Kleiderständern eine professionelle Schauspielerin ist. Robert Carlyle zu sehen, ist immer ein Vergnügen, auch wenn sein schmerzunempfindlicher Terrorist Renard arg schablonenhaft reagiert und seine Besonderheit nicht ausspielen kann. Auch seine mangelnde Körpergröße macht sich manchmal etwas störend aus.
Knuddelig wie immer Robbie Coltrane als Zukovsky und Judy Dench als M, doch leider müssen wir ab hier Abschied nehmen von Q alias Desmond Llewelyn, der hier seine letzten Waffen weiterreicht.
Aber den Ersatz haben wir schon in Petto: John Cleese gibt seinen Nachfolger R und soll die Rolle auch künftig spielen. Wäre schön, wenn es dabei bliebe. Allerdings muß nicht jeder seiner Auftritte so zu Slapstick verkommen wie hier.
Der absolute Schuß in den Ofen ist allerdings die Besetzung von Denise Richards. Man kann sich zwar vorstellen, wie beim männlichen Kinopublikum im erweiterten Teenageralter Gruppenerektionen einstellen, sobald sie auf der Szenerie erscheint, doch ist dieses Zugeständnis an jüngere Bondfans schlichtweg ein Ärgernis.
Eh eine relativ talentfreie Zone blickt Miss Richards stets wie ein frisch geficktes Eichhörnchen drein und trägt ihr superknappes Top und die Arsch-frißt-Hose-Shorts so eng, daß man ihr die Nuklearwissenschaftlerin (bruhahahahahaha...) ohne Nachzudenken abnimmt. Angesichts so gut ausgestellter darstellerischen Qualitäten kann man sich die Akademikerschwemme im Land endlich erklären.
Ihr dann auch noch den beknackten Namen Christmas Jones zu geben, ist nur damit zu erklären, daß nur zum Thema Weihnachten den Autoren noch schlüpfrige Bemerkungen eingefallen sind.
Sonst sind die Bond-Zutaten jedoch gut verteilt und ergeben ein recht stimmiges Bild, das einige Unwahrscheinlichkeiten nicht trüben sollten. Der Showdown ist für einen Bond relativ unspektakulär, nach dem Bombast der letzten Filme jedoch eine angenehme Überraschung.
Der bisher letzte ist somit Brosnans bester und es wäre wünschenswert, daß der nächste Serienoutput den Trend halten könnte.
Knappe 7,5/10, aber eher 7 als 8.