Review

Meerjungfrauengrauen


Ein marinierter, blutjunger Dennis Hopper verguckt sich in eine attraktive (Meerjung)Frau und beliebte Jahrmarktattraktion, bei der schnell nicht mehr klar ist, was Show und was Realität ist... „Night Tide“ ist ein faszinierendes Unikum auf den Grenzen der Genres und Gefühle. Und es ist wunderschön, dass sich Starregisseur Winding Refn um die Restauration und Rehabilitation gekümmert hat, diese Entdeckung nun gratis (!) und einwandfrei auf seiner Streamingplattform der Welt zur Verfügung stellt. Denn dieser aquatische Alptraum ist es wert, dass er endlich auftaucht und auf dem Fischmarkt der Filmlandschaft landet. Zu anders, zu einnehmend, zu stilvoll ist diese Show. 

„Night Tide“ könnte man stilistisch und thematisch als „From Here To Eternity“ in Low Budget meets „Carnival of Souls“ beschreiben, doch eigentlich entzieht er sich Vergleichen. Es ist einfach ein verdammt knackiger, (für sein Budget) enorm stilvoller und atmosphärischer Romantic Grusler, gegen dessen Magie und Charme man sich nicht wehren kann, selbst wenn man es wollte. Eindeutig haben auch neuere Filme wie „Spring“ oder „Blue My Mind“ hier ein Vorbild gefunden. Es ist eine einlullende Geschichte von Liebe und bösen Omen, von Verlust und Zugehörigkeit. Ein Landgang mit Konsequenzen, eine Kirmes der Angst. Mystisch, emotional, nachvollziehbar. Klar wäre mit einem größeren Budget sicher mehr drin gewesen, klar ist das jetzt kein „echter“ Horror (trotz poe'scher und lovecraft'scher Vibes) und als absoluten Klassiker würde ich ihn auch nicht beschreiben - doch die wabernde Atmosphäre und eine immer ominös lauerndes Gefühl über allem machen diese fischig-melancholische, auch ultimativ sehr traurige Liebelei zu einem lohnenswerten Fang. 

Fazit: eine fast verlorene Perle... außerweltlich, wässrig, mysteriös. Schön Ding, was mehr Beachtung verdient hat. Viel mehr. Nicht nur, weil es Hoppers Schauspieldebüt ist. Sehenswert von der Flosse bis zur Haarspitze. Nachruf der See. 

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