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TRUST - DIE SPUR FÜHRT INS NETZ ist ein von Grund auf ehrlicher Film über das Thema Kindesmissbrauch bzw. Vergewaltigung von Minderjährigen. In Form eines hochwertigen Dramas und aufbauend auf sehr guter bis phantastischer schauspielerischer Leistung wird die Geschichte der vierzehnjährigen Annie (Liana Liberato) und ihrer Verführung durch einen ca. 35 jährigen Mann erzählt. Ihre Eltern Will (Clive Owen) und Lynn (Catherine Keener) sind mit der Situation überfordert und jeder der Beteiligten in der Familie versucht auf seine Weise mit der Situation fertig zu werden.

Annie chattet, e-mailt und telefoniert mit Charlie (Chris Henry Coffey) und eine virtuelle Liebelei beginnt. Charlie sagt er wäre 16 Jahre, nach steigendem Vertrauen erhöht er dann auf 20, 25 usw. und möchte sich unbedingt mit Annie treffen. Bei dem Treffen ist Annie geschockt, denn er ist weit über 30. Dies ist nur der absolute Anfang der Geschichte und mehr wird hier nicht verraten.

Massgeblich für die gute Bewertung des Films ist seine schonungslose Offenheit in bezug auf alle Beteiligten und deren Verhalten untereinander. Ohne jegliche Klischeebildung bezüglich Täter, Opfer, Eltern und Freunde schafft es der Film dieses vermeintliche Tabuthema angemessen darzustellen. Ein moralischer Zeigefinger ist nicht vorhanden und alle Beteiligten zeigen transparent Ihre Gefühle, Ihre Stärken aber auch vor allem Ihre Schwächen. Die Familie muss neu zueinander finden.

Der Prozess der Realisierung des Missbrauchs auf der Seite von Annie aber auch Ihren Eltern wird sehr subtil dargestellt. Der Vater geht in die Offensive und bereitet seine Selbstjustiz vor, die Mutter versucht alles zusammenzuhalten, Annie ist extrem zerrissen in Ihren Gefühlen in bezug auf das Erlebte. Ebenso wird sehr schonungslos gezeigt, das auch Eltern "Trust" pflegen müssen, das heisst auch ihrem minderjährigen Kind seine eigenen Gefühle, Wünsche, Geheimnisse und ein Eigenleben ohne Kontrolle durch die Eltern zustehen müssen.

Herausragend ist dabei die Darstellung der Annie. Die wohl etwas ebenso alte Darstellerin Liana Liberato verfügt von Anfang bis zum Ende über einer erstaunlich reife und abwechslungsreiche und authentische Mimik und versteht es unglaublich gut die diversen Gefühlswandlungen, Mischungen aus Verlangen und Abscheu darzustellen. Die Verführungsszenen sind unglaublich schwer zu ertragen, weis man doch was am Ende passieren wird. Mit schier unerträglicher Naivität, aber auch von den eigenen Gefühlen gesteuert versteht es Liana Liberato diese Zerrissenheit fast körperlich spürbar zu machen.

Abwertend gibt es kaum etwas zu bemerken. Anfangs ist der Film etwas sehr berechenbar in seiner Handlung und man denkt wenn es so weiter geht einem lauen Durchschnittsdrama aufgesessen zu sein. Doch das ändert sich schnell und obwohl ich kein Drama-Liebhaber bin hat mich der Film dann doch sehr eingenommen und man denkt auch danach noch drüber nach was ja meist ein sehr positives Zeichen ist. Die ein oder andere Handlung wirkt dann auch etwas überzogen dargestellt aber das tut dem sehr guten Eindruck keinen Abbruch.

Der Film kann nur allen Eltern mit minderjährigen Kindern empfohlen werden um potentielles eigenes Verhalten in so einer Situation zu hinterfragen und um vielleicht sogar sich etwas geistig vorzubereiten in bezug auf eine ähnliche Situation. Auch für entsprechende Beratungsstellen wäre ein guter Lehrfilm. Der Titel TRUST ist in dem Sinne sehr gut gewählt, es geht nämlich nicht nur um das Vertrauen von Annie in ihren vermeintlichen Liebespartner, sondern auch um das Vertrauen innerhalb der Familie, den Respekt vor der Persönlichkeit auch der eigenen Kinder. Dies sind Fakten von denen wir alle noch lernen können.

8/10 Punkten

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