Annie ist gerade 14 Jahre alt geworden. In ihrer Freizeit chattet sie am liebsten mit ihrem heimlichen Internet Freund Charlie, der sich als 16jähriger ausgibt. Nachdem er innerhalb kurzer Zeit zugibt, 20 Jahre, bzw. dann doch 25 Jahre alt ist, ist Annie kurzzeitig irritiert, trifft sich aber dann doch mit ihm. Beim Treffen im Einkaufszentrum kommt dann der Schock: Charlie scheint schon Mitte 30 zu sein. Annie ist enttäuscht, lässt sich dann aber doch von dem reiferen Mann einlullen und überreden, mit ins Hotel zu kommen...
Das Grundthema im eigentlichen Film finde ich sehr wichtig: Die Gefahren (nicht nur für junge) Mädchen im Internet, sich mit anonymen Schreibern zu treffen, da man nicht weiß mit wem man sich da wirklich trifft. Ist es der Mensch, der er wirklich angibt zu sein?
Gerade in der heutigen Nutella-IPod-Generation, die es nicht mehr gebacken bekommt im realen Leben strittige Konversationen zu führen, sondern alles unangenehme über Handy, Internet und Co. erledigen, da man dem Gegenüber ja nicht in die Augen schauen muss.
Wie auch immer, ich schweife zu weit vom Thema ab: Sagen wir es mal so, "Trust" bietet einen starken Anfang und einen starken "Abspann", und alles dazwischen geht meiner Meinung nach in die falsche Richtung: Nachdem dieser verbotene Sex (ich schreibe bewusst nicht Vergewaltigung, da sich Annie mehr oder weniger drauf einlässt) rauskommt, zeigt Regisseur Schwimmer, wie die heile Welt der Familie immer mehr an dieser Tat zerbricht. Erst in der eigenen Familie, dann auch im beruflichen oder freizeitlichen Umfeld. Während Annie´s Vater (Clive Owen)auf eigene Faust ermitteln will, fahndet auch das FBI nach Charlie.
Das zusätzliche Problem von "Trust" ist, dass die naive Annie da nicht mitspielt, und in den älteren Knacker irgendwie doch verliebt ist, obwohl der sich nach dem Sex nicht mehr meldet. Das driftet noch mehr in die falsche Richtung ab, und legitimiert beinahe schon so eine verbotene Liebe mit der Message: Bei zwei Seelenverwandten zählt das Alter nicht.
Natürlich ist Charlie ein Serientäter, der es bewusst auf frühreife Mädchen abgesehen hat, und erst, als Annie Bilder anderer Opfer sieht, bricht auch ihre Welt zusammen und spricht dann auch von Vergewaltigung - nur, bis dahin ist der Film fast schon vorbei.
Ich erwarte keinen Reißer bei so einem Thema, aber irgendwie passt zu diesem wichtigen Grundthema der eigentliche Film nicht. Daher kann ich keine Empfehlung für dieses ruhige Drama aussprechen.
3/10