Der zweite Teil der titelgebenden Axt-Saga um den missgestalteten Victor Crowley ist als direkte Fortsetzung der Ereignisse aus dem ersten Teil aufgebaut und bietet wieder mal Splatter-Spaß für Puristen.
Die Story ist bekannt: Marybeth hat den Angriff Crowleys knapp überlebt und kann ans Ufer schwimmen, wo sie bei einem Jäger kurzzeitig Unterschlupf findet. Am nächsten Tag in der Stadt sucht sie einen "Reverend" genannten Bootsverleiher auf, der gerade ziemlich Trouble mit seinen Vergnügungsfahrten in ebenjenen Sumpf hat und deswegen gleichfalls dorthin strebt - während Marybeth jedoch nur die Leichen ihrer Familie bergen will, möchte der Reverend dem Spuk ein Ende setzen - aus monetären Gründen. Eine illustre Truppe ist alsbald ausgehoben und so geht es bewaffnet auf die Jagd nach Victor Crowley.
Während schon nach wenigen Minuten erste Blutfontänen spritzen und der vermeintlich warme Tee in Wirklichkeit aus der Urinflasche stammt, nimmt sich Hatchet 2 dann doch erstaunlich viel Zeit für die Einführung des Reverends und dessen Laden, der mit allerlei Hokus-Pokus-Schnickschnack treffend eingerichtet ist. Der Reverend selbst (mit leicht bemaltem Auge), der allerhand salbungsvolles Zeug daherschwafelt, in Wirklichkeit jedoch nur an Umsatz und Geschäft interessiert ist, trifft dann in einem Hinterzimmer seines Quacksalber-ladens die Auswahl unter den eilig herbeigerufenen Kopfgeldjägern - hier mag der geneigte Splatterfreund einige Längen ausmachen, da dies vollkommen unblutig und erstaunlich ausführlich verläuft. Als die Truppe dann aufbricht, kippt der Film endgültig in Richtung Komödie, denn die Hohlbirnen sind sicher für vieles geeignet, nur nicht für die Jagd auf einen Zwei-Meter-Waldschrat. Dementsprechend schnell fallen sie Letzterem dann auch zum Opfer, wobei hier endlich wieder die Blutfontänen spritzen - absolut übertrieben wie erwartet, denn Victor Crowley ist nicht so schnell kleinzukriegen.
Was die Auswahl der Darsteller angeht, so ragt Tony Todd, der den Reverend gibt, natürlich klar heraus - er scheint alle anderen zu verarschen und treibt sein eigenes Spielchen - wenig überzeugend jedoch die kleinwüchsige Darstellerin der Marybeth (Danielle Harris), die mit ihren ungleichmäßigen Augenbrauen und der Warze am Kinn schon reichlich gaga wirkt und als Hauptdarstellerin so gar nicht in ihre Rolle passen will. Ihr Onkel Bob spielt eher unauffällig, der asiatische Bootsführer nervt von der ersten Sekunde an - die anderen Darsteller haben viel zu wenig Screentime in den 85 ungeschnittenen Minuten.
Neben der vollkommen überzogenen Gewaltdarstellung (wirklich explizit wird es meiner Meinung nach selten, weswegen ich das Geschnipsel bei der deutschen Fassung nicht wirklich verstehe, zumal Hatchet 2 in keiner Sekunde Angst, Beklemmung oder irgendeine Art Suspense erzeugt) wurden ein paar "nette" (für den der´s mag) Ideen eingebaut, wie eine Häutung, eine Bandschleifer-Lobotomie oder auch einen kopflosen Koitus. Letzteres mag wohl einen leichten Sleaze-Einschlag bedeutet haben, genauso wie der Jägersmann, der sich am Anfang strippende Teenies auf einem Camcoder reinzieht. Die Story mit den brandstiftenden Jugendlichen, die Crowley mehr oder weniger auf dem Gewissen haben und nun als Erwachsene dafür büßen sollen, ist natürlich völlig an den Haaren herbeigezogen - über die Logiklöcher von wegen Verhalten in der Wildnis/Sumpf, zusammenbleiben wenns gefährlich wird und den offenbar ungeübten Gebrauch einer Schußwaffe wundert man sich dann sowieso nicht mehr bei diesem Horror-Klamauk.
Von allem etwas, und jede Menge dämlicher Sprüche noch obendrauf - wer den 80er-Jahre-Splatter-Streifen mit ihren handgemachten Metzelszenen etwas abgewinnen kann, der wird auch mit Hatchet 2 - trotz einiger Längen - seine Freude haben. Wer aber auf Spannung steht, der sollte lieber die Finger davon lassen. 6 Punkte.