Review
von Alex Kiensch
Dass ein Film, der unter anderem damit beworben wurde, er sei keine Fortsetzung (wie seit Anfang der 2000er so oft üblich im Horror-Genre), eine Fortsetzung erhielt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Splatter-Fans allerdings werden wohl sehr dankbar für die Existenz der mittlerweile vierteiligen „Hatchet"-Reihe sein - denn selten hat man derart hemmungslose Over-the-Top-Gewaltorgien erlebt wie hier. Da ist auch „Hatchet 2" ganz sicher keine Ausnahme.
Erfreulich ist, dass der zweite Teil nicht nur starke Bezüge auf den Vorgänger nimmt, sondern direkt mit dessen offenem Schockende einsetzt und die Geschichte relativ stringent weiter erzählt: Die einzige Überlebende Marybeth (Danielle Harris) kehrt mit Reverend Zombie (Genre-Urgestein Tony Todd), ihrem Onkel und einer weiteren Reihe potenzieller Opfer in den verfluchten Sumpf zurück, um die sterblichen Überreste ihrer Familie zu bergen und sich an Victor Crowley (Kane Hodder), dem entstellten Massenmörder, zu rächen. Dass das nicht ohne unfassbare Blutbäder abgeht, ist wohl selbsterklärend...
Diese Gewaltorgien sind auch zweifelsfrei das größte Plus von „Hatchet 2". Mit starken handgemachten, meist überzeugenden Ekel-Effekten werden hier reihenweise menschliche Körper verformt, entstellt und zerrissen - rausgerissene Eingeweide, zerhackte Köpfe und verstümmelte Gliedmaßen werden in hektoliterweise Blut und nässendes Fleisch getaucht. Das ist brachiale Ekel-Unterhaltung für hartgesottene Genre-Fans, die auch vor geradezu comichafter Überzeichnung nicht zurückschrecken: Wenn etwa Crowley zwei Typen mit einer zwei Meter langen Kettensäge zerteilt oder seinem Erzfeind mit bloßen Händen das Rückgrat herausreißt und ihn dabei häutet, verlässt der Film deutlich den Bereich des Glaubhaften. Spaß macht das Ganze dennoch, wenn man denn mit so derben Effekten umzugehen weiß.
Die zweite große Stärke des ersten Teils war seine ironische Brechung altbekannter Genre-Klischees, und hier bleibt „Hatchet 2" leider weit hinter diesem zurück. Die Ironie wird dünner, dafür dominieren schrille Slapstick-Einlagen und nervig-durchgeknallte Nebenfiguren. Auch bedient der zweite Teil wieder mehr die Klischees, die im ersten noch persifliert wurden - etwa das Figurenarsenal, zu dem ein harter Hund, ein Ex-Pärchen, das wieder zusammenfindet, eine dauerfutternde Nervensäge und ein schweigsamer Held gehören. Dieser Rückfall in die Klischeekiste des Genres nimmt der hauchdünnen Story viel von ihrer Cleverness - zurück bleibt ein oft schriller, dramaturgisch nicht sehr gelungener, aber immerhin größtenteils unterhaltsamer Splatter-Reißer.
Auch formal kann „Hatchet 2" nicht so überzeugen wie sein Vorgänger. Eine uninspirierte Kamera, der deutlich schlechtere Metal-Soundtrack und nicht immer gelungene Schnittmontagen ergeben insgesamt kein rundes Bild. Dafür erzielt das Setting des nächtlichen Sumpfs seinen Zweck und erzeugt eine stimmig düstere Kulisse, in der die derben Schockeffekte umso krasser wirken. Wer also auf ultrabrutalen US-Splatter jenseits üblicher Konventionen steht, kann hier schon einmal einen Blick riskieren - allerdings sollte man auf die US-Fassung zurückgreifen, denn für die deutsche Freigabe mussten allerhand grobe Kürzungen ausgeführt werden. Und wer will schon auf die Hauptattraktion dieser schrillen Geisterbahnfahrt verzichten?