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Tamara Feldman oder Danielle Harris – egal, nach vier Jahren kann sowieso kein Eingeweide-Landwirt mehr die eine Brünette von der anderen unterscheiden. So besteht dann auch der allererste Meta-Gag darin, die Hauptdarstellerin ausgerechnet mitten in der laufenden Szene auszutauschen. Denn wo „Hatchet“ im Freeze Frame endete, taut „Hatchet II“ aus der Schockstarre auf, um die Szene endlich zu Ende zu bringen, wenn eben auch mit einer neuen Brünetten.

Dass man die beiden Hackbeilstreifen somit auf der nächsten Studentenparty als 160-Minuten-Epos genießen kann, macht ihn natürlich noch längst nicht zum „Paten“ des Slasher-Genres. Victor Crowley macht einfach stumpfsinnig weiter mit dem, was er am besten kann, Menschen-Puzzles in ihre Einzelteile zu zerlegen nämlich. Die einzige Kopfnuss für Green als Drehbuchautoren bestand in der Logistik: Wenn die Hauptfigur doch nun wahrlich aus eigener Erfahrung weiß, dass man den Sümpfen von New Orleans besser fernbleibt, wie zum Teufel bringt man sie wieder an den Ort des Grauens zurück?

Green hätte ja nun irgendwie die Körpertausch-Situation in diese Überlegungen einbeziehen können, aber nein, Danielle Harris weiß ganz genau, was ihre Vorgänger-Hülse Tamara Feldman erlebt hat und dennoch möchte sie zurück und die Sache zu Ende zu bringen. Man sieht also, in Sachen Psychologie wird Champions League gespielt. Satte zwei Filmdrittel lang, jene Phase also, in der die Splatter-Effekte lustverzögert werden, erörtert Marybeth gemeinsam mit ihren zwielichtigen Begleitern, einer Gruppe Kopfjäger nämlich, die Motivation für den fröhlichen Waldspaziergang. Tony Todd, der im Original einen mehr oder minder sinnbefreiten Cameo feierte, wird im Zuge dessen sogar zum wichtigsten Nebendarsteller befördert, der einen massiven Einfluss auf die Entwicklung der Story ausübt. Und wenn es zu dröge wird, kommt Colton Dunn ins Spiel und sein Stand-Up-Comedy-Programm für zugedröhnte College-Studenten ab. So hangelt sich Green mit Biegen und Brechen durch die kritische Phase, in der ihm so manch Ungeduldiger abspringen könnte. Eine einsame romantische Waldhütten-Begegnung unter dem Motto „von den eigenen Gedärmen erwürgt“ reicht womöglich nicht als Appetizer, um anschließend fast eine Stunde lang dem Small Talk von Profikillern mit dem Gemüt von Jugendlichen durchzustehen.

Dann aber brennt der singende Barsch an der Wand. Crowley muss in der Zwischenzeit trainiert haben, denn er ist in Hochform. Die Brutalität ist die einer Wuchtbrumme, das Timing das eines Comedy-Königs, die Kreativität die eines Künstlers. „Hatchet II“ ist in seiner ungeschnittenen Fassung nicht nur unfassbar brutal, sondern spottet auch noch jeder anatomischen Vorgabe. Die erfreulicherweise wieder zumeist handgemachten Effekte reizen das Sezierbare bis zur letzten Faser aus und verknüpfen rohe Gewalt auf besonders freudvolle Weise mit ironischen Spitzen. Wenn man sieht, wie sich Crowley einem laufenden Sexualakt nähert und mit welchem Einfallsreichtum er dieses Rätsel löst, muss das Abschneiden von Jason und Michael in ähnlichen Situationen womöglich neu beurteilt werden. Später erweist sich eine plumpe, hässliche Gummispinne als humorvoller Vorlagenbereiter für einen extrem vorhersehbaren Buh-Moment aus einer Richtung, die man hundertprozentig kommen sieht. Und getreu der Blutzoll-Steigerung kommt das Beste zum Schluss: Ein Kommentar zum Thema Rassismus verpackt in eine saftige Häutung. Denn sind wir unter der Oberfläche nicht alle gleich?

Es ist schon ein wenig bedenklich, dass sich „Hatchet II“ trotz seiner schlanken 80 Minuten gerade mal so auf den Beinen halten kann. Schwer nachvollziehbare Charakter-Motivationen nach dem Pfeifen-im-Wald-Muster treffen da auf reichlich merkwürdige Verwandschafts- und Bekanntschaftskonstellationen, die unnötig von der geraden Linie ablenken. Aber eines muss man doch zugeben. Am Ende wird ordentlich geliefert.

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