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Madrid 1937: draußen tobt der spanische Bürgerkrieg, während zwei Clowns sich mühen, einen Haufen Kinder zu bespaßen. Mitten in die Vorstellung platzt ein Trupp republikanischer, antifaschistischer Milizen und zwangsrekrutiert die Zirkusmitglieder zum Kampf gegen die Franco-Truppen. Besonders tut sich im anschließenden Gemetzel der Clown, der mit seiner Machete einen kompletten Zug der Franco-Soldaten zerstückelt. Sein Sohn Javier bleibt hilflos zurück, als der Vater in Gefangenschaft gerät und einer von Tausenden Zwangsarbeitern wird, die zu Ehren der - nationalistischen - Gefallenen des Bürgerkriegs einen riesiges Monument in Form eines gigantischen Kreuzes bauen müssen. Als Teenager besucht der Sohn seinen Vater und der Befreiungsversuch endet jedoch im Tod des Vaters, der von dem Pferd eines Franco-Offizieres tot getrampelt wird. Dafür gelingt es Javier jedoch, diesen Offizier am Auge zu verletzen und zu fliehen.
Madrid 1973: Javier (Carlos Areces) will zwar Clown sein, aber auf Grund seiner traumatischen Kindheit kann er Leute nicht zum Lachen bringen, sondern ist stets der traurige Clown, der Sidekick des witzigen Clowns. Er fängt in einem Zirkus an, als Assistent von Sergio (António de la Torre), einem zwar kinderlieben, aber trinksüchtigen und cholerischen Clown, der seine hübsche Freundin Natalia (Carolina Bang!) regelmäßig verprügelt, sie aber immer bei ihm bleibt, weil er sie auch gut durchknattert.
Javier verliebt sich in Natalia und das Unheil nimmt sein Lauf, in dem Javier im Wald lebt, den Mörder seines Vaters wiedersieht, General Franco bei einer Jagd in die Hand beisst, sich entstellt, Sergio entstellt wird, Natalia im Nachtclub auftritt, Motorrad-Artisten über sich hinauswachsen und Javier Zeuge des Attentats auf Francos Nachfolger, General Blanco, wird. Und auch das Kreuz im "Tal der Gefallenen" taucht wieder auf...

Alex de la Iglesias' Wahnwitz "Balada triste de trompeta" ist ein unfassbarer Ritt durch menschliche Abgründe (passenderweise dargestellt durch zwei Clowns) und die neuere spanische Geschichte. Dabei werden vermeintliche Witzbolde zu aggressiven, egoistischen Monstern - alles aus Liebe zur schönen Natalia. Und erst das unfassbar kitschige Lied "Balada triste de trompeta" bringt den durchgedrehten Javier kurzzeitig zur Räson.
Dabei ist de la Iglesias Film so spannend, atemlos und technisch souverän wie kaum einer seiner Filme zuvor. Er ist bisweilen wie eine Oper des Wahnsinns, voller Gewalt, Liebe, christlicher Erlösung und Politik. Undefinierbar, irrsinnig und souverän.
Besonders faszinierend fand ich die Szenen, in denen Javier als Apportierhund bei einer Jagd mit Generalissimo Franco agieren muss und wie er Zeuge des ETA-Attentats auf dessen Nachfolger wird. Ähnlich wie bei "Inglorious Basterds" werden hier Fakten und Fiktion elegant gemischt und so wird mehr als deutlich, was für Narben der Bürgerkrieg und die folgenden bleischweren Jahre der Diktatur in Spanien angerichtet haben. Dass in so einem Klima der Nicht-Bewältigung der Vergangenheit und des erzkonservativen Katholizismus, der Wahnsinn gerade bei "Komikern" in Gewalt kippt, erscheint bei de la Iglesias' Film irgendwie logisch.
Die Schauspieler sind grandios, die Musik ebenfalls, manche Ideen bizarr und großartig zugleich, manches ist zu viel und zu grotesk, aber vielleicht muss man Spanier sein, um alle Anspielungen zu verstehen.
Konsequent ist das Ende, wo sich der Kreis des Wahnsinns schließt, der zeigt, wie sehr 1973 doch noch der spanische Bürgerkrieg mit all seiner Symbolik präsent ist.
Zum Glück verfällt de la Iglesias auch nicht der Versuchung, das Bild des traurigen Clowns überzustrapazieren und der Zirkus ist auch nur der Hintergrund für ein Dreiecksdrama, das alle Grenzen sprengt, nimmt. Da war ich zunächst skeptisch, zumal ich Zirkus und v.a. Clowns zutiefst hasse. Aber nix da! Muy bien, Senor de la Iglesias. Wieder mal!
Irgendwas zwischen 8 und 9.

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