Review

Gut 10 Jahre sind ins Land gegangen, seit ein Filmfan mal einen neuen John-Carpenter-Film live im Kino miterleben konnte - und wenn man ehrlich ist, kann man noch mal 5 Jahre drauflegen, seit es einen Carpenter gab, der das Eintrittsgeld auch wirklich wert gewesen wäre.
Sicher, als einer der anerkannten Meister des B-Films der 70er und 80er hat der Ergraute es seit vielen Jahren nicht mehr nötig, sich kreativ wirklich noch reinzuknien. Seine bisherige Arbeit hat ihn gut saniert und die Hollywood-Unsitte, ältere Filme neu zu verfilmen (älter als 10 Jahre, heißt das), bringt ihm für Remakes seiner Werke natürlich noch mal ein Extrasümmchen.
Ergo hat der Meister sich praktisch für ein Jahrzehnt aufs Altenteil zurückgezogen und ein wenig Hohn und Spott über den Status der Filmindustrie ausgegossen, gedreht hat er nur zwei Beiträge für die "Masters-of-Horror"-Anthologie - und über deren Qualität kann man mit Sicherheit auch streiten.

Doch plötzlich wie aus dem Nichts: Carpenter dreht wieder.
Nicht auf der großen Skala und im Wesentlichen mit kleinem Budget fast direkt für den DTV-Markt und die Videotheken angesetzt, aber immerhin ein Hoffnungsschimmer in den unendlichen Wogen oft qualitätsarmer Billigware, die die Ausleihtheken geschwemmt wird.
Die Erwartungshaltung wurde dank solcher Gemmen wie "Ghosts of Mars" oder "Vampires" gleich niedrig gehalten, aber die Mitwirkung von Schnuckel-Ikone Amber Heard (und ihren knappen Höschen) machte den Fans dann doch den Mund wässrig.

Ergebnis: das ungefähre Äquivalent zu einem Ein-Euro-Job!
Zwar hat Carpenter mit "The Ward" endlich mal wieder Regie geführt und vielleicht auch was verdient, wirklich gebraucht oder gebracht hat das niemandem etwas.
In den äußerst knappen 80 Minuten Handlung folgen wir dem schrecklichen Schicksal der blonden Kirsten, die gleich zu Beginn ein Häuschen abfackelt und darob von zwei Polizisten in die nächstgelegene Psychiatrie verfrachtet wird. Das Ganze spielt 1966 und die Anlage erinnert architektonisch ein wenig an das Overlook-Hotel aus "Shining".
Dort wird sie erstmal gewaschen, vermessen, untersucht und dann über ein paar Flure in die "Geschlossene" abgeschoben.
Und hier öffnet sich schon das Füllhorn von Skript: obwohl auf den Gängen offenbar Dutzende von Patienten rumstolpern, die offensichtlich nicht alle Nadeln an der Tanne haben, kommt das Blondchen in die Geschlossene, wo exakt noch vier weitere Mäuschen meist hübscherer Bauart rumsitzen und ihre Tage vertrödeln. Die sind nach der Charakterzugmethode gewählt: leicht sperrig-durchgeknallt, eher lasziv, sensibel-künstlerisch (mit Brille natürlich) und als Garnitur ein Zöpfchengirlie, das sich wie eine Vierjährige gebärdet. Ein weiteres Mädchen muß schon in der Pre-Title-Sequenz dran glauben, denn Kristen braucht ja ihr Zimmer...

Und was ist nun geschehen? Ein paar Rückblicke auf Kristens Vergangenheit (Träume, uhaha) sind da relativ offensichtlich und wer sich bei meinem letzten Absatz nicht gleichzeitig den Schläfenlappen gepierct hat, der könnte drauf kommen, das hier irgendwas ganz und gar nicht stimmt.
Man verrät bestimmt nichts überaus Wichtiges, wenn man jetzt erwähnt, daß tatsächlich so eine Art Geist/Monster/übernatürlicher Killer in der Abteilung und notfalls dem Rest des Krankenhauses umgeht, ein fieser CGI-unterstützter Pizzaface-Möp, der mittels medizinischer Gerätschaften fleißig die anderen Patientinnen in der Folge meucheln wird und immer dann ins Bild springt, wenn man als unbedarfter Mensch am wenigsten erwartet (oder als erfahrener Horrorfilmfan mit einem Schulterzucken abtun kann). Es ist signifikant, daß der Geist zu Beginn übrigens mit schleppenden Schritten den Flur runterschlurft, mit zunehmender Filmdauer aber immer aktiver und sportlicher wird, bis er als vermodernde Variante von "Ghostface" ("Scream") endet - eins der vielen nicht erklärten und eher ärgerlichen Merkmale des Drehbuchs, das von einem Brüderpärchen namens Rasmussen verfaßt wurde, deren CV sich nicht eben spektakulär liest (und wenn man "The Ward" gesehen hat, weiß man auch warum).

Das Skript ist die Schwachstelle dieses Films, der sich, das wird binnen einer halben Stunde überdeutlich, auf eine Schlußpointe bzw. einen Twist zubewegt, der eben all die Inkonsequenzen erklärt bzw. verdeutlicht. Bis es aber nach etwa 75 Minuten soweit ist, hat man inzwischen gefühlte 12 Fluchtversuche Kristens aus der Abteilung hinter sich, die immer verfrüht enden und nicht sonderlich gut durchdacht wirken - und nie das umsetzen, was man ursprünglich geplant hat.
Da haben wir eine drakonische Krankenschwester Marke "Kuckucksnest", die gerne mal ihr Büro für die Insassinnen offen läßt; eine Woche Filmzeit, in der fast ununterbrochen gewittert und blitzt; einen Arzt, der sich über die Therapie zumeist ausschweigt, weil das den Twist gefährden würde und eine Flucht, die zur Expedition in die Leichenkammer wird, wo man dann aber doch nicht das tut, was man dort tun könnte, nämlich nach einem Opfer suchen. Irgendwann (bzw. sehr schnell) wird man des "alles zurück auf Anfang"-Spielchens leid, der Film tritt mit einem begrenzten Bodycount und einem Hauch Gore zu lange auf der Stelle und zieht seine kurze Laufzeit wie Kaugummi in die Breite.

Und wenn man sich dann noch in einer Langeweilepause vor Augen hält, was irgendwie alles falsch an der Grundsituation und den Geschehnissen wirkt, dann kommt man vermutlich darauf, daß das Überraschungsende (inclusive Abschlußschock) bei einem anderen Film zu 99 Prozent abgeschrieben ist, weswegen man "The Ward" nun wirklich keine eigene Identität zuschustern kann.
Handwerklich ist zwar halbwegs alles in Ordnung, aber auch der beste B-Regisseur mit viel Erfahrung kann nicht viel mehr tun, als sauber die Häppchen abfilmen, die das skizzenhafte Drehbuch anbietet und eine eingearbeitete Tanznummer zu Oldiemusik wirkt selbst als Hinweis auf Kommendes mehr als unpassend und albern.

Diesen Film hätte es also nicht gebraucht, um Carpenter wieder zum Arbeiten zu motivieren und es sollte die Fans wundern, wenn er es denn tun würde. Je älter die Filmemacher, desto mehr nimmt ihre kreative Schaffenskraft meist ab, aber zumindest ein Aufblitzen alter Energie sollte man feststellen können. "The Ward" hätte jeder Regisseur drehen können und das typische "John Carpenter's" vor dem Filmtitel deutet hier nur darauf hin, daß man versucht, einen beliebigen Geisterbahnhorror ordentlichen Zuschnitts irgendwie aufzuwerten.
Für Hardcore-Horrorfans ist das vermutlich ziemlich Banane (oder 5/10), aber angesichts der gefühlten Länge von 200 Minuten bei der Umsetzung ist das hier kaum einen Taktschlag besser als "Ghosts of Mars", der schon unter akuter Beliebigkeit litt und den Meister selbst ("Assault") kopierte. (3,5/10)

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