Review

Nachdem sie ein abgelegenes Haus angezündet hat, wird Kristen (Amber Heard)  völlig verstört und ohne jegliche Erinnerung an die Zeit vor dem Brand ins North Bend Hospital eingeliefert. Der Oberarzt Dr. Stringer (Jared Harris) versucht ihre psychische Barriere zu durchdringen, und ihr, wie auch vier weiteren jungen Mitpatientinnen, zu helfen. Doch Gerüchte um verschwundene Insassinnen und merkwürdige Geräusche lassen Kristen nachts keine Ruhe finden. Außerdem sucht scheinbar der  Geist einer ehemaligen Patientin die Irrenanstalt heim, für eine nach der anderen wegzumeucheln. Oder sind es doch die leitenden Angestellten, die hier mit Medikamenten und neuen Methoden die jungen Frauen in den Wahnsinn treiben???


*** Spoiler, wer den Film noch nicht gesehen hat, sollte den Text bis zum Fazit überspringen, danke ***


John Carpenter meldet sich nach jahrelanger Abstinenz zurück und man könnte (zumindest nach der Zweitsichtung) sagen, dass ihm sein kleines Comeback eindrucksvoll gelungen ist. "The Ward" dürfte in erste Linie wohl Fans von Geister- oder Slasher-Filme ansprechen. Aber er bietet eben mehr als den 08/15 Spannungs-Schinken  und eine Auflösung, die nach "Shutter Island" wieder am Brummen ist. Wir sprechen natürlich von multiplen Persönlichkeiten. Auch wenn  ich kein Freund davon bin und schon etliche Filme mit solch einer Wendung gesehen habe, denen ich Blumenkohl an den Schwanz gewünscht habe (High Tension), kann man durchaus sagen, dass dieser Trip hier gelungen ist.

Locations, Kamerafahrten, die stimmungsvolle Musikbegleitung und auch die Charaktere in der Geschlossenen kann man als gelungen bezeichnen. Beim ersten mal Ansehen fiebert man ganz schön mit der Hauptdarstellerin mit und glaubt ihr zu jederzeit, dass sie ausbrechen will und dunkle Mächte hier das sagen haben. Minuspunkte gibt es für die Angestellten in der Klappse, die zwar zu der ersten Vermutung beitragen, dass es sich um eine Geister-Anstalt handelt, aber das dem Zuschauer mit der Holzhammer-Methode eingehämmert wird - man könnte meinen Dr. Mengeles Schergen wären hier am Werk auf der Suche nach neuen Experimenten.
Gerade wenn man den Film beim zweiten Mal sich aus der neuen Perspektive betrachtet, ergeben sich zwar sinnvolle, versteckte Dinge, jedoch nicht so geniale Einfälle wie bei dem Leo-Capri-Film.

Und es ist jetzt mal voll Latte: Egal ob man einen Slasher oder Geisterfilm erwartet, eins kann man diesem Teil nicht absprechen: Dass er, egal aus welcher Perspektive gesehen, spannend erzählt ist. Nicht so genial wie "Shutter Island", aber zehnmal durchdachter wie der französiche Splatter-Schinken "High Tension". Achso, eins wäre noch @ Johnny-Boy: Den nächsten Film etwas blutiger machen. Gesunde Härte hätte hier sicher nicht geschadet.


FAZIT:

"The Ward" spielt mit dem Zuschauer. Egal was für Erwartungshaltungen man an dieses Werk hat, man dürfte zumindest befriedigend die Scheibe wieder aus dem Player herauslegen. Auch alle, die nach dem Ende angepisst sind, sollten die Lösung mal sacken lassen und drei Bongs rauchen. Danach dürfte eine Zweitsichtung den Klientel evtl. zufriedenstellen. Aber egal was man erwartet, für einen guten Filmabend reicht "The Ward" allemal aus.

Ich denke, dass dieser Film kein Meisterwerk ist, aber über dem Durchschnitt liegt, da eine Zweitsichtung durchaus die Perspektive verändern kann. Und das kann ich so ziemlich bei 85% der verfilmten Scheiße, die ich mir sonst reinziehe, nicht behaupten.

7,5/10

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