Carpenter war sicherlich für das amerikanische Slasher- und Horrorgenre so bestimmend wie Romero in der bluttriefenden Zombie-Fraktion oder Argento im stylischen Italo-Giallo. Doch wenn wir ehrlich sind, hatte der Großmeister des modernen Horrorfilms seine Blütezeit in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren. Ich bin mit THE FOG und HALLOWEEN aufgewachsen und ich habe im Kino bei THE THING gezittert. Doch diese Zeit ist lange her, und Carpenter selbst gönnte sich ein pures Jahrzehnt Kino-Abstinenz. Gelernt hat er aus seinen Misserfolgen, aber an alte Erfolge kann er leider nicht mehr anknüpfen. So erfindet der Regisseur mit THE WARD das Rad nicht neu, sondern verlässt sich auf gewohnte Rezepturen. Das wirkt beim Ansehen des Thrillers keinesfalls negativ. Weniger experimentierfreudig als in der Pionierzeit zeigt sich John Carpenter. Dennoch versteht er es, eine spannende Storyline optisch anspruchsvoll in Szene zu setzen. Dass dabei kein Meilenstein herausgekommen ist, vergrämt vielleicht den ein oder anderen Fan. Ich bin schon zufrieden, dass DER Regisseur meiner Jugendzeit wieder aktiv geworden ist. So sind die gewöhnlichen Zutaten in der Hand des Meisters zu einem schmackhaften Gericht geworden. Das kriegt John Carpenter doch bestens hin. Nur unsere überreizten Sehgewohnheiten und hochgeschraubten Ansprüche haben sich verändert. Lassen wir Benchmark-Denken und Messlatten beiseite, müssen wir (Fans) uns doch eingestehen, dass John noch da ist. Und das ist gut so!