"Es ist mir egal wie sie es gemacht haben. Ich will wissen warum."
Über die Qualität der ersten beiden Staffeln von "Sherlock" lässt sich kaum streiten. Die zeitgemäße Umsetzung ist fantastisch, die Produktion hochwertig, die Besetzung erstklassig und Abwechslung gibt es mehr als genug. Was bislang aber doch ein wenig gefehlt hatte, war die außergewöhnliche Beziehung zwischen den beiden Protagonisten. Staffel 3 nimmt sich nun auch diesem Thema an und macht die Reihe noch ein wenig perfekter.
Nach dem wuchtigen offenen Ende der zweiten Staffel von "Sherlock" ist der Auftakt natürlich ein ganz besonderer. Tatsächlich braucht der erste der drei üblichen 90-minütigen Episoden aber doch ein Drittel seiner Zeit um zurück auf die gewohnte Bahn zu kommen. Erst dann beschäftigt sich die auf der Originalgeschichte "Das leere Haus" basierende Episode "Der leere Sarg" mit einem temporeichen Fall. Natürlich mit den üblichen bissigen Kommentaren und cleveren Einfällen.
Bislang war die zweite Episode stets spürbar schwächer als die anderen Beiden. "Im Zeichen der Drei", basierend auf "Das Zeichen der Vier", gelingt es aber auf ganz außergewöhnliche Art und Weise sich nicht als Lückenfüller zu präsentieren. Stattdessen bedient sich die Episode eines Kniffes: Sie erzählt mehrere gelöste Fälle des titelgebenden Helden auf überspitzte Art und inkludiert sie in das bislang persönlichste Ereignis beider Protagonisten. Die überaus dynamische Kameraführung steigert das Niveau zusätzlich.
Bei der finalen Folge "Sein letzter Schwur", basierend auf "Seine Abschiedsvorstellung", bekommt es das Duo erneut mit einem gleichaufen Gegenspieler zu tun. Das Finale ist angenehm wendungsreich, bei manchen seiner Überraschungen jedoch etwas überambitioniert und nicht nachvollziehbar. Und das obwohl Sherlock's sogenannter Gedankenpalast erstmalig in größerem Umfang visualisiert wird.
Die Stärken und Schwächen der Serie sind unverändert. Das Tempo und die vielen fließenden Informationen lassen "Sherlock" zu keinem Zeitpunkt langweilig werden. Allerdings kann die Flut doch wieder schnell zu Unübersicht oder Missverständnissen führen, trotz der Hilfe von Texteinblendung und überwiegend schnellen Erklärungen.
Der häufig bissige und auch zynische Humor zündet stets. Diesmal gibt es sogar ein wenig Slapstick dazu.
Benedict Cumberbatch ("12 Years a Slave") und Martin Freeman ("Der Hobbit"-Reihe) harmonieren nach wie vor hervorragend und geben sich enorm spielfreudig, ohne den anderen zu kurz kommen zu lassen.
Rupert Graves ("Sterben für Anfänger") gerät etwas in den Hintergrund. Dafür kommt Amanda Abbington neu hinzu und fügt den beiden Hauptdarstellern etwas weibliche Note bei.
Lars Mikkelsen mimt einen erstaunlich kalten Gegenspieler, ganz anders als sein Vorgänger Andrew Scott.
Die dritte Staffel von "Sherlock" katapultiert sich noch vor die ersten beiden. Dies liegt vor allem an der figurennahen Erzählweise sowie der Erhaltung bisheriger Stärken. Das augenzwinkernde Ende ist diesmal zwar nicht so konsequent, macht aber definitiv Lust auf weitere Folgen, die sicherlich kommen werden.
10 / 10