Für den zweiten Fall, der für die Neuauflage des Ermittlers aus der Baker Street herhalten musste, vermengte Drehbuchautor Stephen Thompson Versatzstücke aus diversen Vorlagen. Und so sehen sich Holmes und Dr. Watson hier mit einer Reihe von Morden und mysteriösen Schriftzeichen konfrontiert, die zur Lösung des Falls entschlüsselt werden wollen.
Nach dem fulminanten Erstling bleibt „Der blinde Banker“ merklich hinter diesem zurück. Zwar ist der Plot auch hier meist flott inszeniert, hält das Tempo aber nicht durchgehend und gerade gegen Ende zieht sich das Ganze etwas. Das ist zwar immer noch Meckern auf gehobenem Niveau, doch werden hier die im Vorgänger so unterhaltsamen Analysen und Sticheleien Sherlocks gegen alles und jeden merklich heruntergefahren, was das Amüsement reduziert.
Auch ist die Geschichte selbst nicht übermäßig spannend, der Plot trägt sich in seiner Konstruktion nicht über die gesamten neunzig Minuten und wirkt gestreckt. Wenn am Ende ein aus der literarischen Vorlage bekannter Gegenspieler angeteasert wird, macht das aber Hoffnung auf den Abschluss der ersten Staffel.
Im Detail findet sich aber auch hier wieder viel Gelungenes. So wird geradezu beiläufig und doch pointiert die Beziehung der beiden Protagonisten zueinander ausgebaut, gleichsam aber auch deren Individualität weiter unterstrichen. Und auch in dieser Folge darf sich Holmes wieder seiner Deduktion hingeben und den Soziopathen raushängen lassen, wenn auch eben leider nicht so ausufernd wie zuvor.
„Der blinde Banker“ erreicht nicht die Faszination des Erstlings, Cumberbatch und Freeman spielen sich aber auch hier ansprechend durch einen letztlich nicht vollends gelungenen Plot. Die Puzzelei mit den Chiffren ist interessant, die Hintergründe der Geschichte sind es nicht immer und bremsen die Inszenierung immer wieder mal aus. Trotzdem ein gelungener Krimi, der aber mehr in vielen Einzelmomenten überzeugt, nicht aber in seiner Gesamtheit.