Der Auftakt der zweiten Staffel der Filmreihe um den Detektiv aus der Baker Street löst das Ende der vorangegangenen Konfrontation mit Jim Moriarty auf. Nicht mit einem Knall, aber auf angenehme Weise mysteriös und überleitend in ein neues Abenteuer. Entlehnt wurde dieses aus Doyles Vorlage „Ein Skandal in Böhmen“, einige Motive wurden übernommen, das Ganze aber wie gewohnt modernisiert.
Und dies auf sehr gelungene Art und Weise, bietet die Folge doch quasi alles, was man in der ersten Staffel an den Figuren und der Schreibe zu schätzen gelernt hat. Das Drehbuch von Steven Moffat fügt dem Ganzen hier noch eine (für seine Verhältnisse) unerwartet eindringliche emotionale Ebene hinzu, lässt insbesondere den sonst so kalten Ermittler sich öffnen und auf ungeahnte Weise menschlicher erscheinen. Es sind spannende Risse, die sich hier in seiner Fassade bilden, die die Figur und das sich hier entfaltende Szenario nur umso faszinierender machen.
Auch andere Geschichten aus Holmes' Kosmos werden zitiert, wie bereits zuvor findet man ein Sammelsurium an Verweisen, sehr auffällig hier dabei die Deerstalker-Mütze als klassisches Accessoire.
Neben Cumberbatch und Freeman sticht hier Lara Pulver als Irene Adler hervor, die nicht nur optisch Akzente setzt, sondern auch charismatisch mit der männlichen Riege mithalten kann und der Geschichte manchen Twist verleiht. Überdies vergisst man nicht, an den Figuren und Beziehungen zu feilen und nicht nur das macht den Beitrag zu mehr als einfach nur einem weiteren unter vielen.
Allerdings, und das mag der einzige Kritikpunkt an dem Konstrukt sein, entsteht gegen Ende der Eindruck, dass man zu schnell die Kurve kriegen musste. Und so holpert die Geschichte im letzten Drittel etwas, kann aber auch hier viel auf der emotionalen Ebene auffangen.
Kein Skandal, sondern ein starker Beitrag zur Serie und eine im besten Sinne eigenartige Liebesgeschichte, ummantelt von einem meist spannenden Plot und vorgetragen von einem Ensemble in Bestform.