Da lachen doch die Hühner... des Teufels
Jeder weiß, warum man heutzutage "El Diablo" guckt, einen eher blassen, ansonsten sicherlich komplett vergessenen HBO-TV-Film von 1990 - weil niemand Geringeres als John Carpenter ihn Jahre vorher mit Inbrunst geschrieben hat und elendig lange damit auch sein "echtes" Westerndebüt auf dem Regiestuhl geben wollte. Unbedingt. Mit Leidenschaft. Mit Herzblut. Mit Vision. Doch aus diesem "Lebenstraum" wurde nichts (für Fans wie für Carpenter selbst!) und HBO nutzte sein Drehbuch deutlich später für dieses solide, unter höheren Maßstäben aber eher ernüchternde Endergebnis... Über einen tollpatschigen Lehrer gone Gunslinger, der seine "Lieblingsschülerin" aus den Klauen einer dreckigen Bande von Outlaws retten musss...
(Not John Carpenters) El Diablo
"El Diablo" als Carpenter-Fan zu besprechen, ohne dessen DNA und dessen Möglichkeiten (egal ob in den 90ern oder in den frühen 80ern zu seiner Hochzeit) mit einzubeziehen, ist für mich unmöglich. Zu sehr lugt dessen trockener Humor, seine Genremix'igkeit und sein "Geist" selbst durch diese arg abgespeckte Version von "El Diablo". Es ist wirklich kein mieser Film! Gerade wenn man harte Western mit etwas Augenzwinkern mag. Nur sollte man seine Erwartungen eben massiv einpendeln und nach unten korrigieren. Trotz carpenter'esker Überbleibsel. "El Diablo" sieht man seine TV-Herkunft an. Einige Ideen sind zu fett für sein Budget. Die Hauptfigur ist ein Luschi und bleibt (teils absichtlich) blass. Und tonal muss man mit einigen Schwankern leben. Carpenter selbst hätte sowohl Breitbild als auch Humor und Härte (für's Kino) sicher auf einem ganz anderen Level angesiedelt. Aber man soll sich ja selbst solch ein Projekt nicht selbst malen wie man es will oder es hätte sein können. Geschichte ist Geschichte. Egal wie "schade". Und somit ist "El Diablo" ein naives, süßes Kleinod zwischen Staub, Qualm und Dekonstruktion seines Mythos', das nicht unbedingt vergessen werden oder ins filmische Nirvana gleiten muss, dessen kantig-geniale Ansätze sogar noch immer faszinieren können.
Fazit: Man kommt nicht umher immer wieder durchschimmern zu sehen, was Carpenter Geiles daraus hätte formen können. Vielleicht seinen "Der schwarze Falke". Aber es sollte anders kommen. Und gleichsam kommt man ebenso wenig umher anzuerkennen, dass "El Diablo" trotzdem eine launige Western-TV-Produktion geworden ist. Nur eben kein Carpenter.