Teenagerin Caroline Wexler (Kat Dennings) zieht nach dem Tod ihrer Mutter mit ihrem Vater in ein ödes, langweiliges Provinzkaff, in dem sie sich wie ein Alien fühlt. Ihre Mitschüler, entweder ziemliche Tussis oder Drogenkonsumenten, ignorieren sie weitestgehend, bis auf Thurston (Reece Thompson), ein labiler, aber sympathischer Kiffer. Der einzige Mensch, der sie interessiert und intellektuell herausfordert, ist Englisch-Lehrer Barry Anderson (Josh Lucas). Sie verführt ihn ziemlich zielstrebig, doch ihr Verehrer Thurston lässt nicht locker. Außerdem gibt es zusätzliche Probleme mit einem Serienkiller im weißen Anzug, der Carolines Mitschülerinnen ermordet...
Wenn man diese Zusammenfassung liest, ahnt man vielleicht schon, worin das Problem von Michael Goldbachs Debüt liegt: er hat ein wenig zu viel hineingepackt. Wobei die Geschichte mit dem Serienmörder am Ende nur ein recht gelungenes Motiv ist, Carolines Erscheinen in diesem Kaff in einem neuen, ziemlich coolen Licht erscheinen zu lassen.
Aber der Reihe nach: auf diese kanadische Produktion bin ich gestoßen, weil ich - seit "Charly Bartlett" - Fan der, wie ich finde, wunderbaren Kat Dennings bin. Ich finde sie schön, witzig und talentiert. Und sie war dementsprechend der Hauptgrund, den Film zu sehen. Und ich wurde nicht enttäuscht - sie überzeugt in der Rolle der bipolaren, launischen Verführerin, die anfänglich so unsympathisch wirkt und die doch am Ende so viel in ihrer Umgebung bewirkt. Oft hat sie leicht nerdige Rollen, aber hier war so verführerisch und abgründig wie nie zuvor. Allerdings merkt man einfach, dass sie 24 ist und nicht jene 17, die Caroline sein soll. Auch die anderen Schauspieler waren schon gut, v. a. Josh Lucas als Lehrer.
Die US-Kritik bezeichnete "Daydream Nation" als "witzige Version von Donny Darko" und die "dunkle Variante von Juno". Beides stimmt zum Teil. "Daydream Nation" zitiert auch "Virgin Suicides" oder "Assassination of a High School President" oder sogar etwas "Teeth" mit seinem Hintergrund, dem Atomkraftwerk (hier ist ein Dauerfeuer in einer alten Fabrik - fast wie der ewig brennenden Reifenhaufen bei den Simpsons!), aber leider nimmt sich Goldbach, wie gesagt, zu viel vor und nimmt manche angerissene Story-Lines nicht mehr auf, wie mehrfach in Häuser geworfene Steine oder die angebliche Krebserkrankung von Carolines Vater. Und was sagt uns die brennende Fabrik mit ihrem CGI-Feuer? Wie schlimm der Ort ist, weiß man auch so.
Als dunkle Liebesgeschichte mit einer komplexen Hauptfigur hat der Film durchaus Erfolg, doch sinnfrei mäandernde Nebenlinien sowie einige sporadische, etwas willkürliche optische Regieeinfälle schmälern seinen Effekt.
Immerhin hatte ich keine Probleme mit Carolines Off-Kommentar, der ziemlich erhellend und witzig war. Oft genug unterlegen diese Kommentare ja nur das Gesehene ganz eindimensional, hier transportiert er aber deutlich mehr.
Somit war's insgesamt kein Flop, ich habe mich gut unterhalten und war stellenweise durchaus berührt, allerdings war es nicht der große Wurf. Bin gespannt, ob der in Deutschland mal erscheint, bin skeptisch. Eine schwache 7 (mit vieeel Kat dabei)...