Giorgio Marode
Anfang der 90er war Fulci zwar immer noch ein geflügelter Regiename, doch seine berühmt-berüchtigten Zeiten lagen natürlich schon weit hinter ihm. Und seine Re-Evaluation aus den letzten Jahren war noch weit in der Zukunft. Also taumelt „Voices From Beyond“ etwas benommen in der italienischen TV-Landschaft umher und erzählt vom Tod eines/Mord an einem reichen, zu Lebzeiten richtig fiesen Mann, in dessen Familie nahezu jeder als sein Mörder in Frage kommen kann - nur seine Tochter nicht, die er nun mit makaber-penetrierenden Erscheinungen aus dem Jenseits auf die Spur des Täters bringen will…
Wer tötete Mister Mainardi?
Im Grunde ein übernatürlicher Whodunit mit Gothic Gore und Gekrösekitsch a la Lucio F. - was auf dem Papier allerdings spektakulärer und vor allem fesselnder klingt als es im Endeffekt ist. Denn weder das Rätsel um den Mörder noch die wenigen Goresprenkler, weder die vielen Nackedeis noch das Script oder die Darsteller sind wirklich gut drauf, dran oder drüber. Die Summe ergibt dann auch nicht mehr als die blutigen, begrabenen Einzelknochen. So bleibt ein matschiger Potpourri, den sich Fulci-Fans (wie ich) gerne ohne Bedenken und allein zur Komplettur angucken können - der Rest oder gar Skeptiker werden mit einem solchen Konfusius aber sicher nicht bekehrt. Hier gibt’s doch eine Menge Dinge, die Fulci als nicht allzu durchdachten Filmemacher dastehen lassen und mir eine echt schwere Zeit liefern, zu argumentieren, warum er zu meinen fünf liebsten Regisseuren überhaupt gehört. Aber auch nach sowas wie „Voices From Beyond“ bleibe ich dabei - der Mann war ein verkanntes, intuitives Genie und sein Stil ist unverwechselbar, seine Gedanken und filmischen Wege sind ein Mysterium, seine Körpergewalt eine hohe Kunst. Von dem Gegenteil überzeugt ihr mich in diesem Leben nicht mehr. „Voices From Beyond“ gehört aber eher in seine niederen Ränge.
Fazit: Fulci konnte auch in den 90ern noch Atmosphäre und Gorekunst. Selbst nur für's Fernsehen. Dennoch bringt das wenig, wenn die Geschichte wirr und wahllos vor sich her plätschert und alles im Gesamtpaket eklatant einschläfernd wirkt. Sicher kein Fulci-Höhepunkt - einige Bilder und Momente aber schon!