Review

Wieder einmal ein Spätfulci, der besser ist als gedacht: bevor es mit "Door to Silence" endgültig bergab ging riefen die "Voices from Beyond" das alte Stammpublikum nochmal zusammen, um nach der ulkigen Gorecompilation Nightmare Concert nochmal einen ernsten Abschied vom Film zu zelebrieren, bevor mit John Savage zusammen in Louisiana nochmal die Rentenkasse aufgefüllt wird. Hier kommt nochmal alles zusammen, was beispielsweise die Gates of Hell - Filme in den frühen 80ern zu den verdient großen Kino - und Videothekenerfolgen gemacht hat: die Formel aus übersinnlichem Grusel, derber Gewalt und einem Aufblitzen der alten Giallomuskeln hier und da funktioniert immer noch, auch wenn hier mit jeder Menge Seifenlauge nachgespült wurde, um das Geschehen wohlgefälliger für das mittlerweile vielerorts vergrätzte Publikum aufzubereiten.

Bevor es aber zu seifig wird darf es nochmal richtig widerlich rumsuppen: der tyrannische Geschäftsmann Giorgio Mainardi darf nach den Anfangscredits sein Leben zusammen mit einem ordentlichen Schwall Blut auskotzen. Der abgebrühte diensthabende Arzt darf gerade noch den Tod feststellen, indem er sein Ohr statt seines Stethoskopes auf die durchsiffte Decke presst, als die gleichgültige Sippe schon zum Raubtiersprung auf den Nachlass des frisch Verstorbenen ansetzen. Doch Obacht: der Weg zum lang erwarteten Erbe ist steinig! Die Autopsie, durchgeführt von Fulci selbst, der hier ein letztes Cameo einlegt, ergibt, dass Giorgios Darm pärforierter war als ein syphillöser Schweizer Käse nach einer Schießerei, der gute aber paradoxerweise kerngesund war.

Zudem ist Giorgio trotz seines Todes äußerst gesprächig und konfrontiert Töchterchen Rosie aus dem Jenseits heraus als einziger tatsächlich von ihm geliebter Mensch - oder zumindest am wenigsten beschissen behandelter Person - mit dem Verdacht, dass sein Tod gewollt war. Während Vati das Warten auf den endgültigen Flug ins Jenseits damit zubringt, seine bucklige Verwandtschaft mit abstrusen Albträumen zu quälen ermittelt Rosie zusammen mit ihrem Freund zusammen. Doch die Zeit rennt beiden davon, da mit dem Verwesungsprozess seiner Leiche auch Giorgios Fähigkeiten schwinden, mit Rosie in Kontakt zu bleiben. 

 Na bitte, es geht doch! Nach Jahren, in denen Fulci sich für das italienische Fernsehen (und diverse Sammelboxen deutscher Billiglabels) unter Wert verkauft hat landet Fulci hier einen Treffer, der deutlich näher am Bullseye der frühen Achtziger liegt. Den herben Beigeschmack von Seifenoper gilt es an der Stelle großzügig zu ignorieren, auch bei einigen Effekten und Regieentscheidungen hilft diese Vorgehensweise. Gerade in sämtlichen Szenen, in denen Giorgio mit Rosie in Kontakt tritt oder seine Verwandschaft in ihren Träumen malträtiert arbeitet Fulci häufig mit Zeitlupen und Tonnen von Vaseline auf der Kameralinse, verkitscht Szenen oder fängt seine Akteure in den denkbar schlechten Augenblicken ein. Gerade die Szene, in der Giorgios Stiefbruder im Traum durch dessen Familiengruft gejagt wird scheitern an der schwachsinnigen Mimik des Darstellers.

Gorehounds kommen hier etwas kürzer und man merkt, dass 1991 die Tricktechnik des Glockenseilzombies bereits Staub angesetzt hat. Aber dennoch gibt es hier einige widerwärtige Momente zu bewundern, wobei ich auf die Autopsie und den zu Beginn gezeigten und öfters wiederholten Kindermord dankbar hätte verzichten können. Giorgios im Film fortschreitender Verwesungsprozess als visuelle Mahnung zur Eile erinnerte mich hingegen positiv an den buttgereit'schen Todesking, auch wenn beide Filme grundsätzlich nicht unterschiedlicher sein können. 

Da der Fokus des Filmes eindeutig auf dem Übersinnlichen liegt ist dessen Blutarmut jedoch durchaus verzeihlich, auch wenn man sich über Alibisplatter doch freut, gerade wenn man Fulci zuerst durch seinen blutigeren Horrorwerke erlebt hat.

An dem Film ist alles in allem nichts neu und der Zuschauer bekommt das Erwartete: soliden Fulcistandart. 

Im Gegensatz zu manch anderer Produktion der Zeit und dieses Regisseurs hat "Voices from Beyond" aber durchaus Atmosphäre und funktioniert über die exploitative Ebene hinaus. Man ist als Zuschauer letzten Endes froh, einen letzten hochwertigen Horrorfilm des Maestro zu sehen, den man sich nicht als sogenanntes Guilty Pleasure schönreden muss.  Und wenn Rosie nach der Lösung des Falles und mit dem Ausblick auf eine Zukunft ohne ihre moralisch korrupte Familie am Friedhof endgültig Abschied nehmen und einen debil - kathartischen Moment zelebrieren darf kann auch der Zuschauer aufatmen und von sich behaupten, einen letzten guten Fulci gesehen zu haben.

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