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Die Wahrscheinlichkeit in Bulgarien Urlaub in freier Natur genießen zu wollen und dabei von Filmteams des Syfy Chanels vertrieben zu werden, dürfte mittlerweile ziemlich hoch sein, denn die hauen derzeit eine preiswerte Fließbandproduktion nach der anderen heraus, besonders im Bereich Tier - und Monsterhorror.
Derweil bedient man sich auch gerne mal eines zweiten Sequels, denn „Lake Placid“ dürfte Genrefans durchaus noch ein Begriff sein.

Irgendetwas war da im zweiten Teil mit einer verschrobenen Tante in einer Waldhütte, in der nun Zoologe Nathan Bickerman (Colin Ferguson) mit Frau und Kind Aaron wohnt. Nathan trägt noch traumatische Erinnerungen an Riesenkrokodile mit sich herum, weshalb der Dorfsheriff (Michael Ironside) mehrfach auf die Untersuchung des Sees angesprochen wird.
Wie ein paar campierende Teenager, eine beauftragte Wilddiebin (Yancy Butler) und die Bickermans selbst bald feststellen müssen, mündet ihr jeweiliger Aufenthalt tatsächlich in ein lebensbedrohliches Krokodilemma…

Nachdem ein namenloses Pärchen für den Klischee-Einstieg vom planschigen Spaß in den Tod gezogen wird, stimmt man so etwas wie Sozialkritik an: Sohn Aaron findet nämlich zu wenig Beachtung von den Eltern und dem desinteressierten Kindermädchen, dass er auf die Idee kommt, die kleinen Krokodile am Ufer mit Fleisch aus dem Kühlschrank zu füttern, wahlweise auch mit geklauten Packungen aus dem Supermarkt, - da mag sich mancher Betrachter bereits vorzeitig dessen Ableben wünschen, doch das ist unter anderem ein Grund, warum die Viecher erneut utopische Körpervolumen erreichen.

Ansonsten hält sich Regisseur G. E. Furst nicht allzu lange mit Vorgeplänkel auf und treibt das Geschehen insofern abwechslungsreich voran, als dass gleich mehrere Handlungsebenen parallel ablaufen.
Dabei kann Yancy Butler ein paar markige (fast selbstironisch anmutende) Sprüche landen und mit dem Auftritt als unkaputtbare Jägerin den einen oder anderen Trashpunkt für sich verbuchen.
Auch Ironside hat seine (zeitlich leider recht eingeschränkten) Momente, während die Teenager am See, als auch dieser krankhafte Lover, der seine Freundin von der Jägerin quasi aufspüren lassen will, eher zu den talentfreien Zonen im Schauspielbereich gezählt werden müssen, von daher tragen sie von vornherein den „Krokodils-Futter“ - Stempel auf der Stirn.

Die computeranimierten Mutanten komplettieren schließlich den Eindruck einer überaus eilig entstandenen Produktion, denn nicht nur die Größe der Viecher variiert beinahe von Szene zu Szene, auch die Proportionen im Kontext zur realen Umgebung lassen einige Male erschaudern, - ob ein Kroko einfach nur zum Fenster hinein schaut oder versucht, sich am Auto festzubeißen, - die Größenverhältnisse, speziell bei Angriffsszenen stimmen teilweise überhaupt nicht.
Splattertechnisch ergibt sich folgerichtig dasselbe Bild: Um ganz derben Peinlichkeiten aus dem Weg zu gehen, findet die überwiegende Anzahl an Ableben im Off statt, entsprechend sehen eine Enthauptung und das Wegziehen potentieller Opfer richtig dämlich aus, nur ein paar entstellte Leichen sorgen in Ansätzen für brauchbares Gorefutter.

Dennoch könnten eingefleischte Genrefans aufgrund der häufigen Standortwechsel und einiger grotesker Szenen auf ihre Kosten kommen, denn das Tempo ist innerhalb des letzten Drittels konstant hoch und besonders beim Verschanzen in der Waldhütte und darauf folgenden Fluchtversuchen kommt zuweilen sogar Spannung auf.
Die drei namentlich erwähnten Mimen kaschieren ebenfalls ein wenig vom vorliegenden Dilettantismus, doch wer grundlegend mit minderqualitativer CGI und doofen Teens, die noch nicht einmal blank ziehen hadert, sollte eher auf den Erstling zurückgreifen.

Grundlegend ist „Lake Placid 3“, zumindest im Originalton, nicht wie erwartet eine Verschlechterung gegenüber des vorherigen Sequels, sogar etwas abwechslungsreicher und augenzwinkernder gehalten, im Gesamtbild dennoch ein Streifen, der allenfalls in heiterer Partyrunde ein paar Heiterkeiten mehr beschert, für Genrepuristen hingegen allenfalls als wenig origineller Lückenfüller zu betrachten ist.
5,5 von 10

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