Geisterkinder werden ja immer wieder gern genommen von Genrefans, aber selten kommen derlei Filmbeiträge nun ausgerechnet aus den Beneluxstaaten.
Und wenn dann zu den Vortiteln der Vermerk von RTL-Nederlands erscheint, muß man natürlich schon fast befürchten, daß nun der nächste ach so gruselige Möchtegern-TV-Thriller ins Haus steht.
Aber: ganz so schlimm wird es dann doch nicht - es ist zwar längst nicht alles von Meisterhand angerichtet, was Elbert van Strien da serviert, aber in seiner Gesamtheit wirkt der fertige Film dann doch erheblich orgineller und ungewöhnlicher, als es zu erwarten war, nachdem in einer Pre-Title-Sequenz die neunjährige Protagonistin Lisa schon mal andeutet, daß es hier mal wieder um die andere, eventuell böse Seite einer Persönlichkeit geht.
Vom Start weg hängt dann aber drohendes Unbill über der Produktion: eine dreiköpfige, relativ glückliche Familie, doch das Kind scheint ebenso anhänglich wie leicht von der sehr arbeitssamen Mutter vernachlässigt, während der jungen- wie sprunghafte Vater dies ungeschickt auszugleichen bemüht ist. Der Tod der Mutter bringt die Familie aus Holland dann in Besitz eines riesigen ländlichen Anwesens in Belgien, wo es knirscht und hallt und selbstverständlich irgendwie im dunklen Keller nicht geheuer ist.
Das ist sicherlich relativ abgedroschen, was dann folgt, die idyllisch inszenierte Familientragik konterkariert mit dem bombastischen Horrorscore, der vor den "Schocks" immer hübsch in Sachen Lautstärke und Dramatik eine Palette zum besseren Verständnis drauflegt, um dann wieder atmosphärisch armes Geklimpere zu verfallen. Immerhin darf man nach und nach einen sehr komplexen Fall zusammenpopeln, nachdem in der Familie vor Jahren sicherlich so einiges im Argen war.
Lisa stolpert nämlich sehr bald nach dem Fund eines alten Tagebuchs über ein nicht sonderlich erfreutes Geistermädchen von ungefähr ihrem Alter, das sich als Karen, die verstorbene Zwillingsschwester ihrer Mutter Christine entpuppt. Karen will aber nicht nur altes Unrecht sühnen, sie bringt auch Lisa in lebensgefährliche Situationen und nachdem die alte Geschichte in Bruchstücken ans Licht kommt, geht die ohnehin leicht belastete Dreisamkeit gänzlich über den Jordan.
Van Strien läßt sich, und das ist sowohl Vor- als auch Nachteil, sehr viel Zeit, seine Story zu entwickeln. Die ist im Rückblick gar nicht mal so komplex, aber sehr vielschichtig und wird aus Spannungsgründen sehr kompliziert konstruiert erzählt oder aufgedeckt. Dabei warten auf das Publikum noch so manche Überraschungen, wobei nie ganz klar ist, ob wir es nun mit einem Psychothriller, einem waschechten Horrorfilm, einem Familiendrama oder einer Besessenheitsstory zu tun haben - erst auf den finalen Metern weiß sich das Drehbuch zu entscheiden und präsentiert einen, aus der Perspektive der Sehgewohnheiten, wirksamen Magenschwinger, der zwar nicht alles im Film erklären kann, was vorgeht, aber eine in Sachen Plotauflösung ungewöhnliche tragische Variante präsentiert.
Getragen wird das durch überaus gut ausgesuchte Darsteller, Isabelle Stokkel agiert zwar bisweilen etwas zu bedächtig und gebremst, hat aber ein abgründiges und rätselvolles Charaktergesicht, während passend dazu Hadewych Minis so robust als Mutter agiert, daß man nie sicher ist, ob sie Elter oder Killer sein soll.
So summieren sich zwar ausgetretene Elemente zu einer relativ frischen Konstruktion, die den entspannten Thrillerfreund so richtig gemütlich am Laufen hält, auch wenn die Spannungskurve zeitweise durchhängt.
Für einen TV-Regisseur aber dennoch eine beachtliche und grenzüberschreitend anerkennenswerte Leistung, die deutsche Beiträge a la "Gonger" locker in den Sack steckt. (6,5/10)