Ob nun Kaspa, der Löwenmann oder Abenteuer in zwei Erdteilen, von den ungewissen deutschen Titelvergaben, die allesamt sicher nicht inhaltlich daneben liegen, ist doch der aktuelle DVD-Titel König des Dschungels als direkte Übersetzung des Originals am akkuratesten. Und es klingt ja auch nach etwas Royalem, auch wenn so richtig tiefer Dschungel eigentlich nicht das Thema des Films ist und Löwen meiner Ansicht nach auch nicht viel mit dem Dschungel gemein haben.
Buster Crabbe, wie Johnny Weissmuller amerikanischer Schwimmer des olympischen Teams, wurde gerade durch diesen Kontrahenten für die Rolle des Tarzan bei MGM ausgestochen, da gab die Paramount auch ein Afrika-Abenteuer in Auftrag. Regie führte dabei unter anderem H. Bruce Humberstone, der nach einigen Charlie-Chan-Filmen mit dem Proto-Noir I Wake Up Screaming ein für Filmfans durchaus interessantes Werk zu bieten haben würde.
Gestalterisch gar so bemerkenswert ist König des Dschungels nur bedingt, jedoch handelt es sich um einen durchaus erzählerisch trefflich umgesetzten Epigonen der Edgar Rice Burroughs Figur, zudem mit einigen gewagten Tierszenen und einem eskalativen Finale recht spektakulär.
Als Einführung genügen wenige Bilder. Eine Karte versetzt das Geschehen in das Gebiet von Mombasa. Die Nachlässigkeit der Eltern wird dargestellt durch einen kleinen Jungen, der schon bei der Ankunft, als der Vater sich die Genehmigung für etwas einholt, einfach das Jagdmesser greifen und damit spielen kann. Kurz darauf sieht man den Jungen Beeren von einem Strauch pflücken. Er setzt sich mitten in der Wildnis nieder, um sich einen Stein aus dem Stiefel zu schütteln. Über ein paar Felsen stolzierend wird er von einer Löwin verfolgt, die seine Witterung aufgenommen hat. Von den Eltern des Kindes keine Spur mehr. Er muß verloren gegangen sein. Mit den Löwenkindern spielend genügt eine Überblendung in sein heutiges Alter, um seinen Verbleib darzustellen. Er gehört nun zu den Löwen.
In König des Dschungels kommt es nun alsbald zu einer Konfrontation mit den Menschen. Mit den Löwen wird auch der junge Mann gefangen genommen, der spielerisch mit den Raubtieren umzugehen weiß. Man verschifft ihn nach San Francisco, so will uns jedenfalls eine Stimme aus dem Off darauf hinweisen.
Es kommt zu Szenen, die heute so obligatorisch erscheinen. Dennoch urteilte die New York Times 1933: “Endowed with a refreshing sense of humor lacking in other films of the type, “King of the Jungle,” which is now at the Paramount, is an unusually good picture, one that will appeal to cinema patrons of all ages.”
Bei der Flucht vom Schiff wird der natürliche Kreis zu Crabbes Profession als Schwimmer geschlossen. In zeitgenössisch rasanter Montage wird die Jagd der Polizei nach dem Fremdling dargestellt. Passend zum Entwicklungsstand liegt hier tatsächlich das Gewicht auf der Komik und so treffen einige verstörte Frauen auf den Wilden in einem knappen Lendenschurz, dessen Gesäß-verspeist-String-Rückansicht in den 50ern und 60ern dafür sorgte, daß US-Fernsehstationen eine Ausstrahlung von König des Dschungels verweigerten.
Interessanterweise ist es auch hier die Musik, die einen interkulturellen Einklang ermöglicht. Kaspa, der Löwenmann landet so doch seiner Bestimmung folgend im Zirkus, wo er zur Attraktion gemacht wird.
Da man offensichtlich nichts bei seiner Natürlichkeit belassen kann, wird nun versucht, Kaspa zu kultivieren. Mit der Sprache entwickelt sich im König des Dschungels ein Ausdruck von Ratio und die Äußerung von Wünschen. Er hat den Wert des Geldes verstanden und arbeitet nun daraufhin, seinen Freunden, den Löwen, die Freiheit in Afrika zu schenken. Nebenher auch das Gefühl der Liebe entdeckend entfremdet sich der einstmals Wilde vom Zirkus, doch Feuer, Panik und frei laufende Tiere lassen ihn schnell zurückkehren.
Während bisher panische Massenszenen ausblieben und zum Beispiel ein Kampf Löwe gegen Stier im Frank-Buck-Stil (die Frage nach der Verwendung von Archivmaterial bleibt offen) oder Rangeleien mit den Löwen wie später bei Siegfried und Roy das Bild prägen, so rennen nun Menschen wie Tiere aufgebracht herum. Trotz der bemerkenswert schnellen Schnitte bleibt stets eine Orientierung erhalten.
Längst nicht alle Szenen können durch simple Rückprojektionen umgesetzt werden und so kommt es zu manch atemberaubender Interaktion.
Während der Plot frei dem Schema F folgt, gelingt es tatsächlich, daß die Bilder die Geschichte dynamisch vermitteln diese so für die knappe Laufzeit von etwa 70 Minuten interessant bleibt. Dennoch ist diese Art des Abenteuerfilms heute zwiespältig, würde ich doch nicht meine Hand dafür ins Feuer legen, daß kein Tier dabei zu Schaden gekommen ist. Zwar kommt es in König des Dschungels nicht zu mondo-artigen Eskapaden, jedoch werden allein in mindestens zwei Szenen Tiere aufeinander gehetzt, wobei ein trainierter Ablauf fraglich bleibt.
Es wird schon seinen Grund haben, warum diese Filme heute wie Exoten wirken. Kaum noch würden diese Szenen heute so gedreht werden können. Es ist nur gut, daß man sich heute Gedanken darüber macht, welche Konsequenzen das Streben nach dem schnellen Dollar haben kann. Mit König des Dschungels arbeitete man auf die Unterhaltung zu. Ansätze, welche sich durchaus interpretieren ließen, sind zu wage ausformuliert, um ihnen eine tiefgründige Bedeutung beimessen zu können. Man kommt sich schon fast schäbig vor, diese Form naiv als Kind kennengelernt und irgendwie doch ins Herz geschlossen zu haben, steht sie dem Exploitationkino doch zumindest nahe.