Dieses Remake von SO FINSTER DIE NACHT muß man versuchen unabhängig vom Original zu bewerten denn der Notwendigkeitswert von LET ME IN tendiert aufgrund des perfekten Originals in Richtung Null. Gibt man dem Film jedoch eine Chance wird man durch einen fast ebenso atmosphärischen Film mit exzellenten Schauspielern belohnt. Aber der Film hat auch eigene Stärken die unabhängig vom Original sind so das er für Kenner und Nichtkenner von SO FINSTER einen sehr sehenswerten Film darstellt.
Story nur kurz (OHNE SPOILER!): In Los Alamos, New Mexico 1983 zieht die etwa 12jährige Abby (Chloe Grace Moretz) mit einem Mann (Richard Jenkins) der ihr Vater sein könnte in der Nachbarschaft des jungen Owen (Kodi Smit-McPhee) ein. Er ist ein Außenseiter in der Schule und freundet sich mit Abby an. Doch bald merkt er das Abby kein normales Mädchen ist.....Dabei weicht LET ME IN mehr von der Originalvorlage des Buches ab und wirkt insgesamt etwas konventioneller was bei US/UK Remakes ja meistens der Fall ist.
LET ME IN fügt auch einige Dinge hinzu die nicht so in der Vorlage sind aber sich sehr gut in das setup einfügen. So sind die zeitgemäßen Zitate in einer TV-Rede von Ronald Reagan und seine Sicht des Bösen und sämtliche religiösen Anspielungen des Films sehr gut gelungen. Desweiteren gibt es eine ganze Reihe von sehr treffend gesetzten Anspielungen von 80er Jahre Hit-Titeln in bezug auf die Handlung die ich aus Spoilergründen nicht nennen werde.
Trotzdem ein unkritisches Beispiel: als Abby Owen erzählt sie wäre "kein normales Mädchen" lief kurz vorher im Hintergrund "Do you really want to hurt me" von Boy George der ja auch als eine große Transgender Ikone der 80er bekannt war. Dies spielt zum einen auf die Gefahr an der sich Owen aussetzt im Zusammensein mit Abby, als auch auf die Tatsache,daß man nicht weiß ob der Vampir der in Abby haust männlich oder weiblich ist.
In der deutlicheren Dramatisierung der Dinge unterscheidet sich der Film am meisten von SO FINSTER..Wo dort fast ohne Musik und wenig Effekte das Grauen umso realistischer wirkte benutzt LET ME IN viel stärke Masken, explizite Gore-Spezialeffekte bei den Opfern, in den Überfallszenen sogar CGI-Effekte und eine sehr stark pulssteigernde Musikuntermalung die ihren Effekt nicht verfehlt. Für mich ist dem Film eine der besten Filmmusiken der letzten Jahre gelungen. Wo SO FINSTER durch die im wahrsten Sinne des Wortes gespenstische Ruhe punktete wird bei LET ME IN das in Horrorfilmen übliche Geschrei und Getöse praktiziert. Alles ist irgendwie eindeutiger und damit eben etwas eindimensionaler.
Dennoch sind die meisten der Stärken des Originals auch in dem vorliegenden Film zu finden, die feine Zeichnung der Hauptfiguren, das Gefangensein im Schicksal, die Anziehung der pupertären Kinder zueinander, Rachegefühle von Owen usw. Deshalb sollte man dem Film eine Chance geben, Neueinsteiger werden in ihm einen hochwertigen Fantasy-Horror Beitrag finden, allzu radikale SO FINSTER..-Puristen werden sicherlich einen Bogen um den Film machen. Schade, es lohnt sich wirklich.
8/10 Vampirzähnchen....äh,...Punkten