Review

Es ist immer schwierig sich ein Remake anzuschauen, bei dem man schon das Original nicht sonderlich überragend fand. Remakes sind in den meisten Fällen deutlich schwächer als das Original, doch gerade Filme wie "Departed" haben mir bewiesen, dass es auch durchaus umgekehrt geht. Dennoch waren meine Erwartungen zu "Let Me In" sehr gering, da ich eben schon das Original "So finster die Nacht" eher langatmig und zäh fand. Doch ich wurde mal wieder überrascht, denn "Let Me In" ist wirklich kein schlechtes Remake geworden. Zwar ist der Film zum Teil von den gleichen groben Schnitzern befallen, wie das Original, doch die Darsteller haben mir hier deutlich besser gefallen und die ganze Atmosphäre war hier wesentlich dichter und unheimlicher. Dieser Film hat mir tatsächlich ein wenig besser gefallen als sein Original, auch wenn die Unterschiede wirklich nicht groß sind. Doch bei "So finster die Nacht" waren einst meine Erwartung unbeschreiblich hoch, weshalb ich damals wohl enttäuscht wurde, wogegen meine Erwartungen bei "Let Me In" sehr niedrig waren, was dazu führte, dass ich wirklich positiv überrascht wurde. Dennoch muss ich ganz klar sagen, dass der Film jetzt kein großes Meisterwerk ist, welches ich mir mehrmals angucken werde, doch er funktioniert als das was er sein möchte : Als Remake.

Owen lebt mit seiner Mutter alleine in einem heruntergekommenen Plattenbau. Er ist in der Schule ein totaler Außenseiter und wird von seinen Mitschülern ständig gemobbt und zusammen geschlagen. Eine Tages ziehen in der Nachbarschaft zwei mysteriöse Gestalten ein. Ein älterer Herr mit einem kleinen Mädchen. In dem Haus gibt es nur dünne Wände und so hört Owen nachts oft verwirrende Streitgespräche zwischen dem Mädchen und dem Mann. Eines Tages kommen sich Owen und das Mädchen mit dem Namen Abby näher und eine einzigartige, leicht deprimierende Freundschaft beginnt. Was Owen nicht weiß ist, dass Abby in Wirklichkeit ein Vampir ist, die nach viel Blut durstet und ihr "Partner" besorgt ihr stets das Blut, indem er sich immer wahllos irgendwelche Menschen schnappt, um Blut von ihnen zu klauen, Welches er dann gleich Abby überreicht. Und Abby ist sehr durstig. Doch eines Tages passiert auf der "Jagd" ein dummer Unfall, was nicht nur für Abby, sondern auch für Owen große Konsequenzen nach sich zieht.

Das Original hatte mir immer ein befremdliches Gefühl übermittelt. Ich habe einfach immer Schwierigkeiten mit Filmen, die nicht genau wissen, was sie nun sein wollen oder präsentieren möchten. Ist "So finster die Nacht" ein Drama? Ein Vampirthriller? Ein Horrorfilm? Oder doch ein reiner Coming of Age Film? Irgendwie wusste dieser Film damals nicht so ganz, in welche Richtung er gehen sollte, weshalb ich große Schwierigkeiten hatte, das Gesehene gut aufzufassen. Auch das Remake hat dieses Problem, denn der Film beschäftigt sich mit vielerlei Dingen, aber keine wird vernünftig ausgearbeitet, sondern nur grob behandelt, um dann irgendwann links liegen gelassen zu werden. Gegen Ende dann hat sich der Film endlich für eine Richtung entschieden, wodurch allerdings andere wichtige Themen total auf der Strecke bleiben und viel zu abrupt beim großen Finale wieder eingefügt werden. Die stärkste Phase des Films ist neben der überragenden Chloe Moretz (Hit Girl aus "Kick-Ass") die Konfrontation zwischen Owen und seinen Peinigern. In diesen Momenten schnürt sich der Hass ungemein zu und am liebsten würde man in den Fernseher rein springen und die Deppen, die Owen das Leben zur Hölle machen, verprügeln. Was bei dem Film ebenfalls um einiges besser ist, ist die ungemein irre Kameraarbeit. Man kann bspw. einen Autounfall auf ganz herkömmliche Weise zeigen, doch hier erleben wir einen Unfall, der komplett aus dem Inneren des Autos gefilmt wurde und das Ganze auch noch ohne Schnitt. Absolut beeindruckend. Zudem gibt es einfach viele kleine Details, die diesem Film zu etwas Besonderem machen. Wem ist auch erst ca. 1 Stunde nach dem Film aufgefallen, dass man Owens Mutter eigentlich gar nicht richtig gesehen hat, obwohl sie eigentlich oft präsent ist? Insgesamt gesehen hat die Story viele langsame Momente, die ab und zu etwas langweilig, da belanglos für den weiteren Verlauf der Story, wirken. Wenn der Film aber mal zur Sache kommt, dann richtig und untermalt wird das Ganze mit einer beherzten Musik, die unter die Haut geht. Das Ende jedoch ist viel zu einfach gestrickt und es werden einfach die wichtigsten Fragen nicht beantwortet, obwohl der Film genau diese Antworten nötig gehabt hätte.

Der Hauptgrund weshalb mir der Film besser als "So finster die Nacht" gefallen hat, waren die Darsteller. Sicherlich kann man gerade der weiblichen Hauptdarstellerin im Original nichts gravierendes vorwerfen, aber gegen die geniale Chloe Mortez kommt sie leider nicht mal ansatzweise heran. Sie verleiht ihrer Figur eine ganz eigene und düstere Tiefe, man bekommt sogar das Gefühl, dass sie nicht nur ein Vampir spielt, sondern auch hobbymäßig ist. Sie ist auf dem besten Weg, die Qualität einer Abigail Breslin zu erreichen, weswegen ich schon sehr gespannt auf Kick-Ass 2 bin. Auch Kodi Smit-McPhee als Owen ist einfach beeindruckend, denn es ist für Kinder immer schwer in einem Film zu weinen. Doch auch wenn er von seinen Mitschülern verprügelt wird, zeigt er uns eindrucksvoll, was für ein Talent in ihm schlummert. Er sagt nicht etwa (wie das oft in manchen Filmen üblich ist) nur "Lass das" oder "Hey hör auf", nein er schreit wie am Spieß, wodurch die Panik, die in ihm schlummert ungemein authentisch rüber kommt. Er hat ständig ein trauriges Gesicht, wirklich verdammt schwer zu glauben dass das nur gespielt sein soll. Die Chemie zwischen Owen und Abby passt ebenfalls perfekt und besonders wenn es zum dramatischen Höhepunkt der Beiden kommt, fällt es schwer nicht an den Fingernägeln zu knabbern. Man spürt Owens innere Zerrissenheit und die Ungewissheit, ob er nun Angst vor Abby haben soll oder nicht. In 2 Nebenrollen sehen wir außerdem noch Elias Koteas (Casey Jones aus "Turtles") als sympathischen Polizisten, der leider viel zu interessant präsentiert wird, als er letztendlich ist und Richard Jenkins (Freunde mit gewissen Vorzügen) als "Aufpasser" von Abby, der eine wirklich beeindruckende Performance von sich gibt. Sowieso ist Jenkins in letzter Zeit über sich hinaus gewachsen und liefert uns eine beeindruckende Leistung nach der Anderen ab.

Wenn man, anders wie ich, das Original abgöttisch liebt, wird vom Remake wahrscheinlich enttäuscht werden, besonders dann wenn man eh schon eine pure Abneigung gegen die USA hat. Doch wer das Original auch nur mittelmäßig fand, könnte an "Let Me In" durchaus gefallen finden, denn er bügelt ein paar, wenn auch bei Leibe nicht alle, Falten aus dem Original glatt. Am besten man schaut sich den Film auf jeden Fall an und urteilt einfach selbst.


Fazit : So richtig warm wurde ich mit der Geschichte auch im Remake nicht. Doch die beeindruckende Chloe Mortez und der fantastische Kodi Smit-McPhee machen diesem Film zu einer Charakterstudie aller erste Güte. "Let me In" ist ein guter Film mit Schwächen, der sich ein klein wenig in seiner Themenvielfalt übernimmt.


7,5/10

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