Review

Bloß nicht zuviel reden. Schnell denken. Schnell handeln. Brutaler Gewaltausbruch. Quietschende Reifen.

Das, so versprechen Werbung, Trailer und Auftakt, ist das Wesen von "Faster", einem Film, der Dwayne Johnson ein bißchen was von der Starpower seines ursprünglichen Filmstar-Ichs zurückgeben sollte.
Weniger kinderliebe Quatschkomödien, mehr solide Härte. Schweigen, One-Liner-Absondern, hier und da ein paar böse Jungs um die Ecke bringen. Klangt und klingt verführerisch.

Leider gibts das jedoch nur zum Auftakt von George Tillman jrs Comebackversuch für "The Rock", das an goldene 70er Jahre gemahnt, wenn der schweigsam-eiskalte Bankräuber, nur tituliert als "Driver", aus dem Gefängnis freikommt, sich einen abgestellten Wagen besorgt, in die Stadt fährt und noch vor Ende der Vortitel einen Mann mit Kopfschuss hinrichtet.
Bis dahin ist noch alles in Ordnung - es funktioniert auch noch solange, bis wir die übrigen Beteiligten dieses Tryptychons vorgestellt bekommen: den rauschgiftsüchtigen "Cop" (hier ist Billy Bob Thornton mal wieder im schmierigen Kaputt-Modus erlebbar) und den hochmotivierten, überklassifizierten und von all seinen Aufgaben schwer gelangweilten "Killer" (Oliver Jackson-Cohen als durchtrainierten Schönling, der alles bereits erreicht hat).
Der Verzicht auf Namen deutet schon auf eine von mehreren Parallelen zu Leones "The Good, The Bad and the Ugly" hin und die Einblendung ihrer Funktion als Namensersatz ist genauso stilsicher.

Aber so hart, nüchtern und dreckig der Beginn, so konventionell entwickelt sich der Film, je länger er dauert. Es scheint, als gäbe es einen Wettbewerb um die sympathischste Rolle in diesem sich verfolgenden Trio und alle Register werden gezogen.
Der "Driver" auf seinem Rachefeldzug für den Tod seines Bruders; der Cop, der kurz vor seiner Pensionierung noch mal einen Fall lösen möchte; der verliebte Killer, der sich auf eine neue Lebensführung mit der perfekten Frau einrichten muß/sollte/will - das sind alles Figuren, die man mögen kann. Und dann wären da noch die Opfer, die wahren Filmkriminellen, die von ihrem Guerillaüberfall mit Todesfolge auch noch ein fieses Snuff-Video gedreht haben: ein unbekannter Büroarbeiter, ein fieser Pädophiler, ein finsterer Discoaufpasser - jepp, und genau bei dieser Nr.3 von 5 geht der Film schon den Berg runter, denn hier kommt erstmals die "Familienkiste" ins Spiel, die diesen Film geradezu penetrant durchzieht: Brüder, Söhne, Töchter, Eltern - jeder kämpft hier für irgendwen, lebt wegen jemandem, wurde von jemandem in der Vergangenheit gequält.
Sollte eine Generation die nächste versauen oder führt der Rachefeldzug nur zu einer neuen Spirale der Gewalt, die sich endlos fortsetzen würde? Ein durchaus reizvoller Gedanke, den man subtil in einem Actioner unterbringen könnte, würde er hier nicht mit dem ganz dicken Pferdehaarpinsel aufgetragen.

Da flehen nacheinander die Killer um ihr Leben bzw. wegen des Lebens ihrer Kinder, dann kommt auch noch die Religion mit der Erlösung und der Vergebung ins Spiel und ehe man es sich versieht, herrscht ziemlicher Stillstand in einem Film, der mit "Geschwindigkeit" im Titel wirbt. Links und rechts vom Wegesrand tauchen Nebenfiguren (reichlich Familienmitglieder, sogar die Polizei ist "Ersatzfamilie") auf, die die Hintergründe der Figuren plottechnisch auspolstern, dabei soll so ein Revenge-Kracher ja in erster Linie Druck machen und so simpel und hart wie möglich losgehen.

Also kaut man sich über die ganze Filmlänge hinweg durch Exposition und Backstory, die in dieser Fülle kaum jemand gebraucht hätte und legt das alles zum Minenfeld für den finalen Plot-Twist aus. Der ist durch die dauerhafte Abwesenheit des Oberbösewichts allerdings dermaßen durchsichtig konstruiert, daß das Finale statt lautem Geballer nur ein braves Stottern gebärt.
Falls es also mehr nach Rachedrama, denn nach Rache-Thriller gelüstet: das hier ist das neue heiße Ding.

Was also als solider Reißer beginnt, entwickelt zu einem komplexeren Film, macht deswegen allerdings auch irgendwann viel, viel weniger Spaß. Die Figur des Killers ist so lieb entwickelt, daß sie nicht mal Abgründigkeiten erwarten läßt, wenn es um das blanke Leben geht und Thorntons Knautschgesicht möchte man einfach nur knuddeln (nach dreitägigem Baden, natürlich). So endet der Film dann auch mit einem enttäuschenden Höhepunkt samt Moral von der Geschicht, einem dicken Fragezeichen bezüglich der Funktion eines der drei Hauptdarsteller und einem latenten Ansatz von Fortsetzungsversprechen, das man kaum ernst nehmen muß.
Gepflegtes Hände-über-dem-Kopf-zusammenschlagen ist aber angesagt, wenn man auf der DVD das 10 Minuten längere und drei Klassen bessere "alternative Ende" sieht, das wesentlich besser zu den Figuren paßt, die Story logischer abschließt und den Sermon von der Familie und der endlosen Kette der Rache folgerichtiger anreißt.

Alles in allem wirkt "Faster" jedoch eher wie "Slower", je länger der Film dauert und darum, lieber Mr.Tillman jr, ist es ein Fehler die ganz dicke Moral von der Geschicht durch den Film pendeln zu lassen, wenn man Figuren verwendet, die vom Namen eher wie stilisierte, unrealistische Figuren wirken sollen, dann aber mit unwichtigen und zähflüssigen Details zugekleistert werden, bis man sie fast herzen soll.
Oder so: wenigstens einer in einer Actionproduktion sollte beim Drehen einen Arsch in der Hose haben. Und einer muß immer der Böse sein und nicht eine irre komplexe Figur, in der Gut und Böse vereint sind und die dadurch die Identifikation möglich macht und zugleich erschwert.
Das wird sonst nämlich nicht schlecht - sondern beliebig. (5/10)

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