Mit „Überfall im Wandschrank“ versuchte sich die US-amerikanische „Troma“-Filmschmiede an einer Persiflage klassischen 50er-Horror-Trashs. Regie beim 1986 veröffentlichten Film führte Bob Dahlin, der damit anscheinend seinen bis dato einzigen Spielfilm inszenierte.
In Chestnut Hills werden arglose Menschen Opfer eines bevorzugt in Wandschränken auf seine Opfer lauernden Monsters. Journalist und Verlierertyp Richard Clark wittert seine große Chance, als er ins das kalifornische Nest entsandt wird, um über den Fall zu berichten. Was er nicht weiß: Das war eigentlich ein böser Scherz seines selbstverliebten Kollegen. Was dieser wiederum nicht weiß: Das Monster ist real und noch immer hungrig…
„Überfall im Wandschrank“ nimmt reichlich Genreklischees sowie die typischer Herangehensweise der 1950er-Jahre an die Thematik auf die Schippe, beispielsweise den Militär- und Atombombeneinsatz, persifliert einige Klassiker wie „Psycho“ und wartet mit einer der albernsten, aber zumindest im Kindesalter gefürchtetsten Prämissen, eben der eines Monsters im Wandschrank, auf. Donald Grant sieht in seiner Rolle als Journalist nicht nur aus wie Clark Kent, er heißt auch noch Clark mit Nachnamen und wenn immer ihm die Brille verrutscht, versetzt er die Damenwelt in eine Art Trancezustand. Ein wie Einstein aussehender Wissenschaftler namens Pennyworth (Henry Gibson, „Meine teuflischen Nachbarn“) gibt den wissbegierigen, naiv-pazifistischen Typus Mensch, der an das Gute im Monstrum glaubt, College-Dozentin Diane Bennett (Denise DuBarry) geht die obligatorische Romanze mit Kent ein und ihr „Professor“ genannter Sohn (Paul Walker, „Pleasantville“, „The Fast and the Furious“) ist ein kleiner neunmalkluger Schlaumeier. Das Wichtigste ist aber natürlich die Kreatur, die man während der herrlich billigen Prologs noch nicht zu sehen bekommt, später aber in ihrer ganzen Latexpracht zu bewundern ist. Was für ein putziges Monstrum! Tatsächlich könnte ich mir vorstellen, dass man es auch in erstgemeinten Horrorfilmen einsetzen könnte, wenn man es nicht plump in seiner ganzen Gestalt bei Tageslicht filmen würde wie hier geschehen, wo es für das trashige Vergnügen hauptverantwortlich ist.
Blutbäder und Metzelorgien bekommt man indes nicht geboten, das hätte „Überfall im Wandschrank“ auch nicht gestanden und zudem das 50er-Ambiente empfindlich gestört. Dennoch hätten das Finale gern etwas spektakulärer ausfallen, die Dichte gelungener Gags noch etwas höher und die 50s-B-Movie-Karikaturen noch mehr Raum einnehmen dürfen, denn was hier in seinen Ansätzen bereits viel Spaß bereitet, ist durchaus noch ausbaufähig. So bekommt man eine kurzweilige, augenzwinkernde Trash-Komödie geboten, die sicherlich nicht der große, bemerkenswerte Wurf oder das respektlose Persiflagen-Feuerwerk geworden ist wie es Troma mit einem „Toxic Avenger“ gelang, ein geeichtes Publikum aber angenehm und anspruchslos durch den Abend rettet. Sympathisch, charmant und auf seine Weise fast schon wieder gut.
6,5/10