Den klassischen Ratekrimi hat vielleicht nicht Agatha Christi erfunden, doch sie hat ihn mit Werken wie „Dreizehn bei Tisch“, „Mord im Orient-Express“ oder auch „Tod auf dem Nil“ populär gemacht und gilt als Wegbereiterin des Zehn-kleine-Negerlein-Prinzips, wonach eine Gruppe von Leuten reihum dezimiert wird, bis der Killer am Ende entlarvt wird.
Diese Prämisse wurde zwar bereits einige Male mit dem Sujet von „Cube“ und Konsorten kombiniert, jedoch steht bei diesem japanischen Beitrag mehr die Detektivarbeit im Vordergrund.
Es sind also mal wieder zehn einander fremde Menschen, die sich von einem lukrativen Honorar in eine tödliche Falle locken lassen. In einer Art unterirdischem Bunker sind sie sieben Tage auf gegenseitiges Vertrauen angewiesen, doch am ersten Morgen wird ein Teilnehmer erschossen aufgefunden. Da jeder eine andere Waffe erhalten hat, von der die Mitstreiter nicht wissen, beginnen rasch die ersten Verdächtigungen, denn Detektivspiel mit Ergreifung eines vermeintlichen Täters wird zusätzlich honoriert…
Leider ist es Regisseur Hideo Nakata („The Ring“) nicht gelungen, alle Figuren mit einem angemessenen Charakterprofil auszustatten, denn es benötigt eine Weile, zwei, drei Sympathieträger auszumachen, während anderen Figuren zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird, um bei dem Spiel überhaupt heraus zu stechen.
Dabei liegt der Schwerpunkt der Erzählung nicht auf Folterfallen, Gewaltausbrüche oder einen ins Geschehen eingreifenden Drahtzieher, sondern die Aufklärung der einzelnen Morde und das damit erhöhte Misstrauen unter den verbleibenden Kandidaten stehen im Vordergrund. Den einzig einlenkenden Aspekt bildet der an der Decke gleitende Roboter mit Greifarmen, welcher nach 22:00 Uhr eigentlicher Bettruhe auf den Fluren patrouilliert und Verdächtige gegebenenfalls erschießen kann oder als Täter empfundene Personen ins Gefängnis befördert.
Das simple Whodunit ist allerdings mit einigen Logikfehlern und Kontinuitätslücken behaftet, da einige Aspekte lediglich angedeutet, im Verlauf jedoch komplett irrelevant werden, während einige Motive recht konstruiert und kaum nachvollziehbar wirken.
Demgegenüber können einige kleine Twists gegen Ende bei Laune halten, welche ebenfalls einer klassisch gehaltenen Kriminalgeschichte entliehen sein könnten.
Auch die Reihenfolge der Ableben ist nicht gänzlich vorhersehbar, obgleich sich nach dem ersten Drittel ein paar potentielle Überlebende herauskristallisieren.
So gilt es, eine in der Küche eingeblendete Zahl in stets wechselnder Höhe zu entschlüsseln, es kommen Waffen wie ein Beil und eine Nagelpistole zum Einsatz, jemand offenbart ein Motiv für einen Mord und am Ende gibt es noch einen recht ordentlich choreographierten Zweikampf, welcher einen weiteren Twist mit sich bringt.
Auf darstellerischer Ebene sind ein paar bekannte Gesichter an Bord, die ihre Aufgabe recht sauber erledigen, nur einige Randgestalten bleiben etwas blass.
Handwerklich gibt es kaum etwas auszusetzen und auch das schlichte, aber nicht zu kühle Ambiente der Räumlichkeiten ist der Stimmung der Handlung angemessen, nur der Roboter an der Decke wirkt, auch im Zusammenhang mit den zehn (manchmal per Mechanismus sprechenden) Indianerfiguren im Esszimmer ein wenig altbacken.
Die Mischung dürfte ergo nicht jedermanns Sache sein, denn die Richtung von „Saw“ oder ähnlich gewaltorientierten Werken wird hier nie eingeschlagen und auch übersinnlich anmutende Mysterien bleiben außen vor.
Zuweilen geht es zwar reichlich dialoglastig zu und es könnte etwas mehr Bewegung im Spiel sein, doch das Mitraten hält Krimifreunde, trotz einiger Ungereimtheiten durchaus bei Laune.
Überwiegend gut performt, inszenatorisch ohne sonderliche Makel, mangelt es der Handlung phasenweise an Drive, doch im Gesamtbild beschert sie dem geneigten Betrachter ein unterhaltsames Bild, welche geradezu dazu einlädt, stets mit eigenen Theorien und Wendungen zu hantieren.
Knapp
7 von 10