Naziploitation, das sind normalerweise Filme zum andere Leute in die Flucht schlagen. Billige Reißer, bestehend aus Sex, Folter, billigen Schauspielern die billige Nazis spielen, und vor allem mit unglaublich vielen Längen zwischen den schlechten (und billigen!) Sexszenen. SS HELL CAMP könnte sich da fast als klassisches Beispiel anbieten: Um eine Gruppe von Partisanen aufzuspüren, greift die SS-Offizierin Dr. Klasch zu den äußersten Mitteln. Sie experimentiert damit, eine schreckliche und sexsüchtige Kreatur zu erschaffen, die sie in einem Käfig hält, um eine neue Superrasse zu erschaffen. Bis zum Abschluss der Experimente aber werden weibliche Gefangene von der Kreatur zu Tode vergewaltigt, männliche Gefangene müssen sich, je nach Aussehen, eher mit einer fiesen Sexfolter oder alternativ einer Kastration abfinden. Auf jeden Fall wird hier viel und blutig und in Großaufnahme gefoltert, während Macha Magall in SS-Uniform, mit schwarzer Schirmmütze und belustigt-bösartigem Augenblitzen die Grausamkeiten in Augenschein nimmt und sichtlich geil wird von soviel Schmerz und Blut.
Was SS HELL CAMP dabei von Schwachheiten wie zum Beispiel NATHALIE: ESCAPE FROM HELL unterscheidet ist zum einen die absolute Ernsthaftigkeit, mit der hier jede Szene bis weit hinter die Schmerzgrenze ausgekostet wird, sowie zum anderen eine hochgradige Besetzung mit u.a. Brad Harris, Brigitte Skay und Alfredo Rizzo. Das muss man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen: Brad Harris und Brigitte Skay spielen in einem Naziploitationfilm aus dem Jahr 1977 mit …
Die Lösung dieses Phänomens liegt beim Regisseur Luigi Batzella, der hier seinen eigenen Partisanenfilm CAMPANA von 1971 und Alfredo Rizzos HIMMELFAHRTSKOMMANDO IN DIE HÖLLE, ebenfalls von 1971, verwurstet, und die beiden genannten Filme mit neu gedrehtem Material anreichert. Nur falls jemand denkt, Godfrey Ho hätte den Copy-and-Paste-Film erfunden. Auf jeden Fall schneidet Batzella unter seinem Regiepseudonym Paolo Solvay die beiden genannten Filme mit neuem Material um Macha Magall so erstklassig zusammen, dass der Zuschauer keinerlei ernsthafte Unstimmigkeiten entdecken kann. Und dazu hat er auch gar keine Zeit, denn die Story treibt von Höhepunkt zu Höhepunkt, auf eine Razzia in einem Dorf folgt eine Folterszene, dann gibt es einen gut inszenierten Kampf, dann wieder eine Folter …
Batzella hat also sein sowieso schon gut gemachtes Material mit den Höhepunkten aus anderen Filmen verbunden, und das Ergebnis ist ein ernster Film mit viel nackter Haut und einigen sehr wirklich widerlichen Szenen. Durch das oft recht düstere Flair, das vor allem gegen Ende den Film durchzieht, wenn der Partisan Drago mit seinem toten Kind durch das Dorf und den (sehr schlecht getricksten) Fliegerangriff geht, zieht SS HELL CAMP deutlich besser als vergleichbarer Nazi-Stoff. Es gibt einfach keine Langeweile, die Schauspieler sind erstklassig, und die Sprüche die so zu hören sind ebenfalls. „Soldaten des Dritten Reichs haben niemals erregt zu sein, unter keinen Umständen!“ muss sich ein armes Würstchen anhören, dass zusehen muss wie die Bestie eine Frau totfickt, während gleichzeitig Macha Magall vor ihm steht und ihm den Uniformrock aufknöpft. Und wenn dem einen Mädchen die Fingernägel ausgerissen werden bin ich mir gar nicht sicher, ob in der gesehenen US-Synchronisation die Gefolterte nicht sogar sagt „Ouch, that hurts.“
Aber trotz solcher kleineren Dinge treibt der Film, ich erwähnte es, unaufhörlich nach vorn. Brad Harris als prügelnder Priester mit Gewissensbissen gibt noch mal zusätzlichen Dampf, und durch den hohen Blutzoll, auch bei sympathischen Figuren, hat man auch auf dieser Seite des Bildschirms das Gefühl, dass der Film alles andere als trashig oder lächerlich ist. Obwohl er es selbstverständlich ist! Fast schade, dass der Batzella nicht öfters solche Bastelexperimente gemacht hat. Besser als seine meisten „normalen“ Filme ist das Ergebnis allemal, auch wenn es bemerkenswert ist, dass die eingefügten Szenen so wesentlich mehr Besprechung auf sich ziehen als der eigentliche Film …