Mensch ist das bieder, Mann.
Da wollte man uns diesen deutschen Krimi tatsächlich als anrüchiges Teil mit einem freizügigen Schnuckelchen verkaufen, doch der Eindruck täuscht natürlich, denn so verrucht das Sujet auch klingen mag, so vergleichsweise zugeknöpft erlebt man die Sängerin und Schauspielerin wohl am ehesten im Privatleben. Der Vorteil: Mit ihrer quirligen Art und dem lockeren Mundwerk kann man letztlich auch Sympathien einheimsen.
Lizzy (Biedermann) wird Zeugin eines Mordes, als der stadtbekannte Zuhälter Kante (Dirk Borchardt) einen Typen durchs Fenster auf die Straße befördert. Die junge Prostituierte kommt mit etwas Glück als ungelernte Bürokraft beim LKA unter und übernachtet unbemerkt in einer Küche, bis sich der Kreis der Zeugen verdichtet und Lizzy aufzufliegen droht…
Diese Art von Frau kennt irgendwie jeder, der in einem größeren Betrieb arbeitet: Vielleicht nicht die ultimative Traumfrau, aber eine, mit der man aufgrund der lebensfrohen und munteren Art unheimlich gerne zusammenarbeitet, so ein drolliger Kumpeltyp.
Entsprechend gibt sich Biedermann in ihrer Rolle als tollpatschige Bürokraft, die von „Tuten und Blasen“ keine Ahnung zu haben scheint und erntet damit ordentlich Sympathiepunkte.
Natürlich verknallt sie sich in den adretten Cop Konrad (Stephan Luca), bringt eine lahme Party zum Kochen und handelt sich alle Nase lang Ärger vom Chef ein, den sie jedoch mit einem Geheimnis in Sachen Club-Besuche ruhig stellen kann.
Dabei ist die Stimmung zwar beschwingt, aber für eine treffsichere Komödie reicht die Dosis an Dialogwitz beileibe nicht. Hin und wieder kommen kleine Schmunzler rum, doch dafür verläuft die Geschichte zu brav, altbacken und überraschungsarm, zumal das Skript kaum pfiffige Einfälle parat hält.
Auch von Spannung kann kaum die Rede sein, da es erst innerhalb der letzten zehn Minuten zur Konfrontation kommt, als ein Maulwurf zur Tat schreitet, das Einsatzkommando am falschen Ort zuschlägt und der Bösewicht die Oberhand zu gewinnen scheint.
Derweil reift die Chose zur typisch deutschen Schmonzette mit einigen Missverständnissen, verpassten Momenten und verschwiegenen Details in der Beziehungskiste.
Es geht um die wahre Existenz der Hauptfigur, einen fingierten Zeugenbrief, den Ausblick auf dem Dach und eine Kollegin, die ihr Liebesglück mit Nylons forcieren sollte.
Da fühlt man sich über weite Teile wie in einem Heimatfilm aus den Fünfzigern, vermengt mit typischen Elementen aus „Tatort“, angereicht mit phasenweise bemühtem Wortwitz und Situationskomik der oberflächlichen Art.
Darstellerisch hat man sich entsprechend die zweite und dritte Garde deutscher Schauspielkunst ins Boot geholt, wobei Stephan Luca als stiller Cop mit Trauma und Biedermann mit vielen Facetten vor allem im tragischen Bereich Stärken aufweisen und ein sympathisches, wenn auch zurückhaltendes Paar abgeben.
Dirk Borchardt hat hingegen das Overacting gepackt, - er verwechselte die Rolle offenbar mit der des klassischen Paten und schafft es in der kurzen Zeit kaum, alle schmierigen Gesichtsausdrücke, überzogene Gestikulierungen und übermäßig betonte One-Liner unterzubringen.
Kurzum: Ein typisch deutscher TV-Krimi von der Stange, keineswegs einfallsreich, mit Sicherheit nicht anzüglich oder gar erotisch und schon gar nicht mitreißend spannend.
Jeanette Biedermann rettet klar einige Sympathiepunkte mit ihrer durch und durch positiv angelegten Figur, doch das gestaltet die Story nur minimal unterhaltsamer.
Vorhersehbar und harmlos, und nicht in Ansätzen so reißerisch wie uns der Titel glauben machen soll…
4,5 von 10