Review

ACHTUNG! SPOILER!

Mit BEAST OF BLOOD legte der philippinische Regisseur Eddie Romero 1970 eine direkte Fortsetzung des ein Jahr zuvor entstandenen Films "The Mad Doctor of Blood Island" vor, bei dem er zusammen mit Gerardo de Leon Regie geführt hatte. In "The Mad Doctor of Blood Island" geht es um einen gewissen Dr. Lorca, der auf einer kleinen philippinischen Insel mysteriöse Experimente an seinem Assistenten Don Ramon durchführt. Eine Vergiftung mit Chlorophyll verwandelt Don Ramon in ein blutgieriges "Chlorophyll-Monster", das auf der Insel sein mörderisches Unwesen treibt. Am Ende des Films hatte der Hauptdarsteller John Ashley, in der Rolle des Dr. Bill Foster, den wahnsinnigen Dr. Lorca mitsamt des von ihm erschaffenen Monsters in die Luft gesprengt. Im Prolog des Films BEAST OF BLOOD sehen wir nun, wie Dr. Foster auf einem Kutter die Insel verlässt. Doch das Monster (Johnny Long) hat die Explosion überlebt und sich an Bord geschmuggelt. Auf hoher See attackiert es die Besatzung und Dr. Foster mit einer Axt und richtet ein Blutbad an. Im Verlauf des Kampfes stürzt ein Behälter mit Benzin um und es kommt zu einer Detonation, die den Kutter völlig zerstört. Dr. Foster überlebt das Unglück, doch auch das Monster wird lebend an den Strand von "Blood Island" zurückgespült.
Nach seiner Genesung macht Dr. Foster sich erneut nach "Blood Island" auf, um festzustellen, ob Dr. Lorca (Eddie Garcia), dessen Leiche nie gefunden wurde, tatsächlich tot ist. Mit an Bord des Schiffes befindet sich auch Myra Russell (Celeste Yarnall), eine Reporterin beim "Honolulu Clarion", die Fosters Expedition journalistisch begleiten will. Am Strand der Insel werden die Reisenden schon von den skeptischen Eingeborenen, ihrem Häuptling Ramu (Alfonso Carvajal) und dessen Tochter Laida (Liza Belmonte) erwartet. Bereits in der ersten Nacht überfällt ein von grünen Pusteln entstellter Insulaner die schlafende Myra, doch der Mordanschlag wird vereitelt und der Angreifer von Laida getötet. Nun ist Dr. Foster sich sicher, das Lorca noch lebt. Am nächsten Tag untersucht Foster mit Ramu und seinen Leuten das ehemalige Labor von Dr. Lorca, um Hinweise auf dessen Aufenthaltsort zu finden, doch ohne Erfolg. Am gleichen Abend wird Myra von Lorcas Helfershelfern, angeführt von Razak (Bruno Punzalan), verschleppt. Dr. Foster begibt sich daraufhin mit Laida auf die Spur der Entführer, während Ramu und der Kapitän des Schiffes (Beverly Miller) versuchen, einen Trupp bewaffneter Männer zu organisieren. Inzwischen wurde Myra in das Versteck von Dr. Lorca gebracht, der sie sehr zuvorkommend behandelt und mit ihr beim Abendessen über seine Pläne philosophiert. Lorca hat sich in einer Höhle ein neues Labor mit zahlreichen elektrischen Apparaten eingerichtet und das Monster wieder in seine Gewalt gebracht. Er hat dem Monster den Kopf abgetrennt, den er mit einer seiner Apparaturen am Leben hält. Lorca führt groteske Experimente mit dem lebendigen Rumpf der Kreatur durch und versucht, diesem den Kopf eines Eingeborenen zu transplantieren. Inzwischen hat Dr. Foster Lorcas Versteck ausfindig gemacht und lässt sich von Razak widerstandslos gefangen nehmen. Nach einem kurzen verbalem Geplänkel mit Lorca wird er zu Myra in eine Zelle gesperrt. Myra erzählt Foster was sie bisher erlebt hat und welche Pläne Lorca verfolgt: Sie soll ihm ein Kind gebären! Inzwischen haben auch Ramu und seine Männer mit Hilfe von Laida das Versteckt des wahnsinnigen Wissenschaftlers ausfindig gemacht und sie starten ihren Angriff. Lorca befiehlt Razak, den Angriff abzuwehren, und im einsetzenden Kampfgetümmel rafft er in seinem Labor in aller Eile seine Aufzeichnungen zusammen, um damit zu flüchten. In diesem Moment erhebt sich der Rumpf des Monsters, telepatisch gesteuert von dessen Kopf, von seiner Bahre und greift Lorca an. Das kopflose Monster tötet ihn und zertrümmert dann das Labor. Als Lorcas Männer besiegt sind, schleudert Dr. Foster eine Handgranate in die Höhle, die vollständig zerstört wird. Dr. Lorca und das Monster sind ein für allemal unschädlich gemacht...

Liest man den kurzen Text auf der britischen VHS von "Horror Time Video", könnte man meinen, man habe es bei diesem Film mit einem vergessenen Horrorklassiker zu tun, denn da heißt es: "At last it's on Video. This rarely seen horror movie opens new doors in visual terror. When released THE BEAST OF THE DEAD was ahead of ist time. It failed to win the acclaim it deserved. Now you can see it and judge for yourself..."
Was wir hiermit auch tun! Leider muss man ziemlich schnell feststellen, dass der Film nicht mehr ist als ein mittelprächtiger Philippino-Horror-Schlocker. BEAST OF BLOOD ist der dritte Teil der "Blood Island"-Triologie, die 1968 mit "Brides of Blood" begann und 1969 mit "The Mad Doctor of Blood Island" fortgesetzt wurde. Nach dem heftigen und vielversprechenden Einstieg in den Film folgt ein typischer Vorspann von Bob LeBar, der hauptsächlich für Sam Sherman's "Independent International Pictures" arbeitete. Danach muss man zunächst ein recht unerquickliches Hin und Her um die Entführung von Yarnall und die Befreiungsversuche durch Ashley über sich ergehen lassen. So wird man mit zahlreichen Scharmützeln traktiert, die scheinbar kein Ende nehmen wollen. Erst nach etwa 40 Minuten wird der Film dann interessanter, denn da erscheint erstmals Charakterkopf Eddie Garcia als Dr. Lorca, mit halbverbranntem Gesicht und Augenklappe, auf der Bildfläche. So wird der Zuschauer alsbald Zeuge einer recht drastischen Kopftransplantation und kann erstaunt den absurden "Gespräche" zwischen Lorca und dem Kopf des Monsters lauschen. Welchem Zweck Lorcas dubiose Experimente dienen und was es mit dem Monster auf sich hat, das mal mit, mal ohne Kopf für etwas Kurzweil sorgt, bleibt allerdings bis zum Schluss des Films der Phantasie des Zuschauers überlassen.
Gegenüber der gefangenen Myra erklärt Dr. Lorca die Motivation für sein Handeln einmal wie folgt: "If I'm caught before I completed my experiments [...], I should be regarded as a conscienceless, sadistic massmurderer. If I succeed I shall be a selfless, dedicated hero of humanity." Zudem beweist Lorca auch eine gesunde Portion Humor, wenn er z.B. den lebenden Kopf mit den Worten begrüßt: "Good morning. I hope you slept well? Belive me, I know how difficult this must be for you", oder wenn er seinem Helfer Razak befiehlt: "Reactivate the artificial head!"
Höhepunkt des insgesamt etwas schwerfälligen aber doch ganz amüsanten Films ist schließlich die Schlusssequenz, in der die kopflose Leiche Dr. Lorca aus dem Weg räumt und das Labor verwüstet, begleitet vom höhnischen Lachen des Kopfes. Da werden Erinnerungen wach an liebgewonnene Filme wie "Die Nackte und der Satan", "The Brain That Wouldn't Die" oder "Re-Animator".
BEAST OF BLOOD ist eine low-budget Produktion mit einigen Längen, die auf bescheidenem Niveau unterhält und vor allem Freunden von Trash-Filmen empfohlen werden kann. Das Monster-Make-up kann unter den gegebenen Umständen durchaus als gelungen und effektiv bezeichnet werden, Kameramann Justo Paulino verzichtet diesmal auf einen allzu intensiven Einsatz der Zoomlinse (anders als noch in "The Mad Doctor of Blood Island") und die Musik von Tito Arevalo ist laut und heftig und kommt zudem ziemlich wahllos zum Einsatz.
Der Film ist in den 80er Jahren in England in zwei Versionen auf VHS veröffentlicht worden, einmal unter dem Titel THE BEAST OF THE DEAD von "Horror Time Video" (uncut / 86:31 Minuten) und von "Apple Video Film Distributions" unter dem Titel BLOOD DEVILS (cut / 83:20 Minuten). Die Angaben in der OFDb sind hier nicht korrekt. 2003 kam in den USA die DVD-Edition "The Blood Collection" von "Image Entertainment" auf den Markt, in der BEAST OF BLOOD zusammen mit fünf weiteren Filmen veröffentlicht wurde. 1972 kam der Film in Deutschland unter dem Titel "Drakapa, das Monster mit der Krallenhand" (FSK 18) in die Kinos und ward danach nicht mehr gesehen, bis 2011 eine DVD von "Subkultur Entertainment" als No.4 in der "Grindhouse Collection" auf den Markt gebracht wurde.

EDDIE ROMERO
wurde am 07.07.1924 auf der philippinischen Insel Negros Oriental, in Dumaguete City geboren. Er begann bereits als jugendlicher Storys für Zeitungen und Magazine zu verfassen. In den frühen 40er Jahren wurde der philippinische Filmregisseur Gerardo de Leon auf ihn aufmerksam und engagierte ihn als Drehbuchautor. Bereits 1947 realisierte Romero mit "Ang Kamay ng Diyos" seinen ersten Film als Regisseur. Seine filmischen Vorbilder fand Romero dabei vor allem in Europa, wo er u.a. David Lean und Roberto Rossellini getroffen hatte. Romero drehte zwar zahlreiche Filme, die nie über die Grenzen seiner Heimat hinaus bekannt wurden, doch gleichzeitig arbeitete er auch immer wieder mit amerikanischen Produzenten wie etwa Kane W. Lynn's "Hemisphere Pictures" zusammen. So wurde er in den USA und Europa vor allem bekannt als Regisseur und/oder Produzent diverser Horror- und Action Filme wie z.B.: "Terror is a Man" (1959), "Brides of Blood" (1968), "The Mad Doctor of Blood Island" (1969), "Beast of the Yellow Night" (1970), "Blood Devils" (1971), "The Twilight People" (1971), "The Womanhunt" (1972), "Black Mama, White Mama" (1973), "Beyond Atlantis" (1973) und "Savage Sisters" (1974). Filme wie diese brachten ihm international den Ruf eines "Trash-Filmers" ein, während er in seiner Heimat ein hoch angesehener Filmemacher war, der vielfach ausgezeichnet wurde und eine gewichtige Rolle in der philippinischen Filmindustrie spielte. Bei vielen internationale Filmen, die auf den Philippinen gedreht wurden, fungierte er als Berater, Location Scout oder in anderen Funktionen. So war er u.a. Associate Producer bei "Apocalypse Now". Seinen letzten Film inszenierte er 2007. Am 28.05.2013 verstarb Romero.

KANE W. LYNN,
geb. 1919 in den USA, und laut Fred Olen Ray "a good looking, charismatic man", war während des 2. Weltkriegs für die US-Navy auf den Philippinen stationiert. Nach dem Krieg blieb er zunächst auf den Philippinen, wo er ab 1955 für die TV-Serie "Navy Log" als technischer Berater tätig war. Später gründete er mit Eddie Romero die Produktionsgesellschaft "Lynn-Romero Productions", die u.a. den Horrorfilm "Terror is a Man" (1959) realisierte. 1963 lernte Lynn in den USA den Produzenten Irwin Pizor kennen, und zusammen mit Romero gründeten sie die Firma "Hemisphere Pictures". "Hemisphere" produzierte vor allem Kriegsfilme wie "The Raiders of Leyte Gulf" (1963) und brachte Filme von anderen Produzenten, vor allem aus den USA, aber auch aus Europa, in den Verleih. Auf Anregung von Sam Sherman, der zeitweise für "Hemisphere" als Marketingexperte arbeitete, begann man Mitte der 60er Jahre bei "Hemispehre" mit dem Verleih und etwas später auch der Produktion von Horrorfilmen, in der Hoffnung, damit endlich auch auf dem US-Markt Erfolg zu haben. Die erste Eigenproduktion war "Brides of Blood" (1968). Nach der "Blood-Island-Triologie" kam es Anfang der 70er Jahre jedoch zu Unstimmigkeiten zwischen Lynn, Pizor und Ashley, was dazu führte, das "Hemisphere Pictures" nicht mehr mit Produktionen von den Philippinen versorgt wurde. Lynn orientierte sich nun in eine andere Richtung und konzentrierte sich erfolgreich auf den Verleih von Sexfilmen, von denen er viele auch in Deutschland einkaufte. Die erste dieser Produktionen war der Film "Die Stewardessen" (1971) von Erwin C. Dietrich, den Lynn unter dem Titel "The Swingin' Stewardesses" in den Verleih brachte, gefolgt von zahlreichen weiteren Filmen dieser Art. 1976 starb Kane W. Lynn an Krebs. Der letzte Film, den "Hemispehre" in den Verleih brachte war "Die Botschaft der Götter" (1976) von Harald Reinl, der 1977 unter dem Titel "Mysteries of the Gods" (mit William Shatner als Erzähler!) veröffentlicht wurde. Wenig später wurde die Firma aufgelöst.

JOHN ASHLEY
wurde am 25.12.1934 in Kansas City geboren. In den 50er Jahren war er einer der Teen-Stars bei AIP und trat in Filmen auf wie "Motorcycle Gang" (1957), "Hot Rod Gang" (1958) oder "High School Cesar" (1960). Später war er auch in diversen Beach-Party-Filmen zu sehen. 1958 gab er in "How to Make a Monster" sein Debüt in einem Horrorfilm. Es folgten Filme wie "Frankenstein's Daughter" (58), "The Eye Creatures" (1965) u.v.a. In den späten 60er Jahren verschlug es Ashley auf die Philippinen, wo er nicht nur als Schauspieler aktiv war, sondern zusammen mit Eddie Romero, Beverly Miller und David Cohen auch eine eigene Produktionsfirma Namens "The Four Associates" gründete. Mit dieser Firma, die auch BEAST OF BLOOD finanzierte, realisierte er u.a. Filme für Lawrence H. Woolners "Dimension Films" und für Roger Corman's "New World Pictures", so z.B. "The Twilight People" (1972) und "Woman Hunt" (1972). Später arbeitete er u.a. auch für Francis Ford Coppolas "Apocalypse Now", der zum Teil auf den Philippinen gedreht wurde. Anfang der 80er Jahre kehrte Ashley dann in die USA zurück, wo er sich als TV-Produzent etablieren konnte und z.B. für Stephen J. Cannell die Serie "The A-Team" produzierte. John Ashley starb am 03.10.1997.

Aus der Werbung:

Unbelievable!
All New!
SEE...human heads transplanted
SEE...natives eaten alive by giant vultures
SEE...the valley of the deadly blood red mist
SEE...the monster destroy his maker
Your worst nightmares become reality
Screaming Terror!
Original uncut version
Shot entirely on location in the Phillipines
Directed by Eddie Romero of Apocalypse Now

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