Review

Voll in der Brandung

Mit „Breaking The Waves“ hat Lars von Trier ein echtes Statement gesetzt und quasi alle Filmgötter zeitgleich herausgefordert… Nur um dann spöttisch und triumphierend in ihren Tränen und ihrem Blut zu baden! Erzählt wird von einer fast schon kindlich-naiven Frau, die geistig beschränkt scheint und mit ihrem Ehemann Glück und Frieden findet. Auch durch die gegenseitige körperliche Liebe und erotische Entdeckungen. Doch als dieser bei einem Berufsunfall auf einer Bohrinsel schwer verletzt und gelähmt zurückkommt, nehmen ihr Leben und ihr Glauben (und ihre Sexualität!) unerwartete Wendungen… 

Vollste Hingabe

„Breaking The Waves“ ist ein enorm kraftvoller Film. Wenn man sich auf ihn einlässt. Das gilt zwar relativ für jeden Film und ist keine allzu ergiebige Aussage. Aber auf Lars von Triers ergiebiges „Ehedrama“ trifft das in besonderem Maße zu. Emily Watson spielt fast tierisch intensiv und instinktiv, verletzlich und ohne Schutz. Selbst wenn das Ding noch nicht gänzlich unter dänisch-dogmatischen Regeln gedreht wurde, geht das definitiv sehr nah und in diese Richtung. Alles wirkt extrem intim und ohne Luftpuffer. Die vierte Wand war selten so durchlässig. Selbst die Zwischentitel samt Songs sind eine Wucht. Und alles ist durchdringen von einer Zeitlosigkeit plus religiösen und tragischen Wuchtigkeit, Ehrlichkeit, Theatralik, dass man seelisch mehr als nur gerührt, eher zermixt dasitzt wenn das Licht im Kinosaal angeht. Eine archaische Power, die nur wenige Regisseure heutzutage entfachen können. Und trotz aller Traurigkeit, Schmerzen und Endlichkeit am Ende doch mit einem massiven, wärmenden Hoffnungsschimmer. Und immer noch mit dem Glauben an eine Besserung. Oder die gute Seite der menschlichen Natur. Egal wie schwer das scheint bei der abgründigen und abdriftenden Weltlage… 

Bergmans radikalster Nachfahre

Fazit: ein Film wie ein heisskalter, seelischer Fleischwolf… und ich habe jede Sekunde daran genossen! 

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