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Eine besonders verführerische Art des way of life präsentiert das Autoren- und Regieteam Chan Hing-kar / Janet Chun in ihrer zweiten Kollaboration, in der Vollendung der Gestaltung eines erstmal rein monetären Traumes, dem Streben nach Glück und Freiheit auch immer abhängig vom materiellen Besitz. Mit Pomp und Protz als arrangierender Instanz gehandhabt, allerlei Luxusgegenstände wie selbstverständlich ins gelackte Bild setzend und auch sonst eine so nicht existierende Reinheit versprühend, die die Vollendung der Gestaltung so ausdrucksstark macht, dass man das Ausgedrückte in seiner albernen Nichtigkeit selber schon einmal vergessen kann. In der Gegenwart spielend, aber die realen Ereignisse – das oftmals angesprochen ehemalige Glücksspielmekka Las Vegas ist zum Zeitpunkt der Entstehung längst von der Finanz- und Wirtschaftskrise heimgesucht worden – vollkommen vergessend, werden natürlich auch keinerlei anderen negativen Aspekte der Geschichte wie eine etwaige Spielsucht und das Leben in den Tag hinein angesprochen, sondern einfach dem Bedürfnis entsprungen, jeder Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen.

Dabei gleicht man sich den meisten gambling movies an; eine Abart meist der kantonesischen Komödie mit ehemals heroischen Verhaltensnormen [ King Gambler bis God of Gamblers ], die in den letzten Jahren zwar auch ihre Vertreter meist mit dem Einbezug von Mahjong [ Kung Fu Mahjong 1-3, House of Mahjong, Bet to Basic ] hatte, aber schon zahlenmäßig stark zurückgegangen und auch im finanziellen Esprit keinerlei großen Sprüngen mehr machten. Poker King dagegen überrascht mit eigentlich nicht mehr steigerungsfähigen Gesten stilistischer Textur, neigt in diesem [und eigentlich abgesehen von der Naivität und der narrativen Ausdehnung dessen] auch nur in diesem Punkt zu einem Extrem dekorativer Sinnlosigkeit hin. Eine eklektische Energie, die zwar keinen Mitteilungswert liefert, aber als salbendes Hilfsmittel massive Luftschlösser baut. Und wohl bei genauer Betrachtung auch wie ein Kartenhaus im Wind zusammenstürzen würde:

Der nach dem Tod seines Vorgesetzten zum CEO eines Spielkonglomerates emporgestiegene Uno Cheuk [ Lau Ching-wan ] würde mit seinem "Sun Casino" als Vorhut gerne die Vereinigung mit den umliegenden oder noch in Planung und Bau befindlichen Casinos anstreben. Dabei im Weg steht ihm eigentlich nur die feindlich gesinnte Ms. Fong [ Josie Ho ], sowie der in Kanada weilende Jack Chang [ Louis Koo ], der der per Testament und Blutverwandtschaft rechtmäßige Erbe des "Sun Casino" ist. Als Cheuk mit Hilfe seiner Assistentin Joan [ Jo Kuk ] den zwar mit Poker vertrauten, aber an Erfahrung armen Chang nicht nur die Besitzverhältnisse, sondern auch dessen sämtliches Erspartes abluchsen kann, scheint er seinem Ziel ein ganzes Stück weit näher gekommen zu sein. Doch der nunmehr mittellose Chang findet in der Ticketverkäuferin Smiley [ Stephy Tang ] seinen lucky charme und die Liebe gleich mit, und schwört sich, beim kommenden Asian Poker King Tournament auch sein Erbe wieder zubeschaffen.

Pech im Spiel und Glück in der Liebe als die zwei Standpunkte der Geschichte, in rührend einfacher Schreibart, die Altbekanntes am Aufwärmen, mit sensueller Übersättigung abschmecken und gar ein wenig eigenständiges Interesse am herausfordern ist. Das Herumscharwenzeln in Macau, dass bei Tag und Nacht, ob nun oberhalb in der Präsidentensuite oder ganz unten am Hafen immer die schlichtweg perfekte Touristenattraktion ist, hat auch zugegeben sein ganz eigenen formelhaften Reiz. Vereinfachte Wünsche werden erfüllt; die Einsparungen von Leistungen mit der sonderbaren Illusion des alles entscheidenden, alles verändernden schicksalhaften Momentes ergänzt. Das Leben als ökonomische Vorkehrung, in der das Geld zu Hundert- und Abertausenden vermehrt, aber nichts dafür getan, und schon gar nicht hart dafür gearbeitet wird.

Die Projektion von Poker King stellt sich dabei gleichsam als Bluff, als eine Art geistiger Schutzschild vor jeglichen Nachfragen und tendierend zu panoramischer Weite und verfeinertem Lebensgenuß heraus.

Die Inszenierung ist abgesehen einiger zu sehr kindlicher Ausdrücke gerade im Bereich der Emotionalität eine angenehm bejahende, gegenständliche und auch geschlossene Einheit, die von verschiedenen Einflüssen auch abgesehen des hohen ästhetischen Niveaus bedingt, ein Vergessenkönnen negativer Denkformeln erleichtert. Die Besetzung mit Louis Koo, ehemaliger Conman in Tokyo und derzeit allgegenwärtiger Publikumsliebling als Identifikationsfigur und exemplarisches Maskottchen des Schönen Scheins, ist ebenso im richtigen Verhältnis abgestimmt wie die Paarung mit Lau Ching-wan, einem der darstellerisch am Sichersten und hier auch mit List und Lust aufspielenden, die spezielle Klasse mitbringenden Schauspielers. Ergänzt mit der bei der jüngeren Klientel als Verkörperung romantischer Synthetik abonnierten Stephy Tang, einigen präziseren Cameos wie von Joe Cheng, Eddie Cheung, Lam Suet und Hayama Go sowie einem zweiten "Kriegen Sie sich, oder Kriegen Sie sich nicht ?" - Pärchen bestehend aus Wong You-nam als Changs Kumpel und Kama Law als Fongs Angestellte wird ein auf aller mildeste Spannung fixiertes Seelenschema voll luftleichter Harmonie verfertigt. Ein eigentlich niedliches Werk, niemals übel geartet, mit ein wenig mild amüsanten Witz, dem vollkommenen Wohlklang, und der trotz 2h Laufzeit fast vollkommenen Dauer. Etwas zu lang, heute gesehen, bald wieder vergessen.

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