Review

Out of the Dark... into the Light

Carol Reeds "Odd Man Out" oder in Deutschland ebenso passend "Ausgestoßen", stand immer etwas im Schatten seines Meisterwerks "Der Dritte Mann". Für den Film & seine Protagonisten denke ich, ist das kein Problem - denn die fühlen sich in Schatten, dunklen Gassen & zwielichtigen Dachgeschossen mehr als wohl. Es geht um eine nicht weiter benannte Widerstandsbewegung in Belfast, die sehr an die IRA erinnert, und ihren Anführer Johnny, der bei einem Überfall angeschossen & von seiner Gang in der Stadt liegen gelassen wird. Nun sucht der verletzte & halluzinierende Ex-Sträfling und Mörder den Weg durch die Nacht & die Stadt, während sich sowohl Polizei als auch normale Bevölkerung wegen ihm im Ausnahmezustand befinden...

Man muss dem berühmten britischen Regisseur erstmal dafür loben, wie er den irischen Konflikt hier als spannenden Film Noir verpackt. Unübersehbar mit politischem Kern, aber dann doch Fiktion & objektiv genug, um nicht zu belehrend zu wirken oder gar wie Propaganda. Nichtsdestotrotz ein wichtiges Thema & eine unterhaltsame Herangehensweise. James Mason als dem Tode geweihter Johnny liefert eine seiner Glanzleistungen ab & ist spürbar gezeichnet. Seelisch vielleicht noch mehr als körperlich. Optisch wirft der Film seine großen Schatten & beeindruckenden Bilder, als ob es kein Morgen gäbe. Auch heute noch beeindruckend & nur in "Der Dritte Mann" nochmal knapp getoppt. Die packenden Verfolgungsjagden & das regnerische bis schneebedeckte Belfast werden aber nie künstlerisch so überhöht, dass man die Verbindung verliert. Egal welche Halluzinationen oder Trips die Hauptfigur durchlebt, egal wie unglaublich hübsch selbst schmutzige Ecken der Stadt wirken - alles bleibt spürbar & glaubhaft. James Mason trägt den Film & erdet ihn - egal wie überraschend fantastisch oder exzessiv er visuell wird.

Das düstere Ende ist dabei passend wie der Schatten in eine Straßenschlucht, vielleicht etwas zu melodramatisch in Zusammenhang mit der etwas außen stehenden Liebesgeschichte. Einen besonderen Reiz während des nur einen kurzen Zeitraum (1,5 Tage?) umfassenden Film, spielt das ganz normale irische Volk. Ob Betrunkener oder Hausfrau, Barkeeper oder Kutscher, spielende Kinder oder suchende Polizei - das sehr variierende Verhalten der Bevölkerung bzw. die Reaktionen auf den wandelnden Toten/Verbrecher, ist meist nachvollziehbar & immer interessant. Mal ignorant, mal ängstlich, mal hilfsbereit, mal feindlich, mal den Profit suchend - man spürt förmlich die Unsicherheit & die verschwimmenden Seiten in einem Konflikt, dem sich das Volk nie entziehen können wird. Jeder braucht einen Standpunkt, die graue Zone ist groß. Nach wie vor äußerst packend & (leider) immer noch aktuell. 

Fazit: nicht der zweite Mann, aber das muss ja auch gar nicht. Zu den Themen Widerstand, schwarze Stadt & sterbender Loner wurde selten so eine düstere Parabel geschaffen! 

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