Herbert Frankenstein, ein ehemaliger Anatomiestudent an einer Universität und wohlhabender Sohn des Baron Frankenstein ist fixiert darauf aus toten Menschen neues Leben zu schaffen und bedient sich dabei zuvorgestorbenen Menschen. Weil er aufgrund seiner inhumanen Experimente zuvor der Universität verwiesen wurde, bedient er sich mithilfe seines etwas zurückgebliebenen Assistenten Fritz an Leichen aus Gräbern, Erhängten und lässt seinen Fritz guterhaltene Gehirne aus der Universität stehlen. Sein Objekt, sein neuer Mensch scheint perfekt, doch Fritz stiehlt das Gehirn eines Schwerverbrechers und sein neues Wesen scheint ein mordgieriges Monstrum zu sein. Seine Lage, seine Liebe zu seiner baldigen Frau scheint sich zuzuspitzen und es entfacht sich ein Aufstand unter den Einwohnern, nachdem es viele Opfer gab.
Das Ungeheuer Frankensteins, eine Horrorfigur, die wie keine andere so bekannt, berühmt und oftmals kopiert wurde, fand in diesem Universalfilm der 30er seinen grossen Anfang, nachdem auch schon in 2 Kurzfilmen zuvor, der Stoff von Mary Sheillys Geschichte abgehandelt wurde. Frankenstein, der intelligente und überaus motivierte Anatomist, der völlig entgleist von humanen Denken davon motiviert ist, den Tot zu überwinden und neues Leben zu schaffen, dient in jener Geschichte als legendär und fand danach zuhauf Nachahmer. Kein anderer Horrorfilm, mal abgesehen von dem, im gleichen Jahre entstandenen Dracula gilt als so bekannt und wegweisend, keine andere Horrorfigur sollte ein ganzes Jahrundert Filmgeschichte so bereichern, inspirieren und prägen, wie diese. Die Darstellung des Monsters, die Maske mit den zwei Knöpfen an beiden Halsseiten an Boris Karloff ist jedem bekannt, spricht man von Frankenstein, denkt man an diese Maske, auch wenn fälschlicherweise viele bei Frankenstein nur an das Monster, anstatt dem Schöpfer denken. Doch welche Faszination und welch positiven Aspekte kann dieser Film, 78 Jahre danach noch ausüben, mal von dem nostalgischen Charme abgesehen?
Deutlich ist auf jeden Fall, dass die komplette Inszenierung wohl niemanden mehr aus dem Hocker reissen, schockieren oder gruseln wird, ohnehin ist das Ungeheuer als Wesen, vielmehr eine entstellte, verkümmerte und bemitleidenswerte Kreatur, die aus Leid zu Fehlentscheidungen tendiert und eben nicht aufgrund seines "schlechten" Gehirns auf wahllose Mordtour geht. Das Monster handelt instinktiv, eben weil es sich in seiner neuen Welt aus Gefühlen, Liebe und Hass nicht zurecht findet. Das alles findet seinen Ursprung, als der gebeutelte Assistent Fritz, ein krummer und höriger Narr das Monster zu foltern und zu unterdrücken versucht. Eine Handlung des Assistenten, die als solche zu interpretieren ist, dass der schwache Assistent sich an einer noch schwächeren und noch deutlich bemitleidenswerteren Person beweisen und profilieren will. Allein diese Szenen weisen auf die Grundthematik und den alleinigen Hintergedanken dieses Filmes hin, natürlich kann jeder in einem Film, die Botschaft für sich selbst definieren, klar sein sollte aber, dass der Film Frankenstein, wie kein anderer, zu jener Zeit, die Beziehung des Todes zum Leben und der Liebe am deutlichsten widerspiegelt.
Jedoch mag man aus heutiger Sicht erkennen, dass sich der Filme oftmals selbst Steine in den Weg legt. Die Schauspielkünste sind grundlegend solide, jedoch ist zu verzeichnen, dass vieles entweder zu oberflächlich und oftmals zu platt inszeniert wurde, dass die Bindungen, Beziehungen und Charakterzüge der einzelnen Personen zu wenig Dramatik versprühen, aus heutiger Sicht natürlich schwer bewertbar, da der Film als solches schon ziemlich staubtrocken ist. Einen Score vermisst der Film gänzlich, was der Spannung vehement Abbruch tut, vieles wird wie gesagt angespielt aber nicht ausreichend ausgearbeitet, und trotzalledem sind aufgrund kurzer 67 Minuten Spielzeit die ein oder anderen Längen im Plot zu verzeichnen. Klar, der Film gilt als Grundstein, berechtigt auch, dass er viele Nachahmer fand, aber aus heutiger Sicht entäuscht er leider in sehr sehr vielen Belangen. Die Inszenierung des Ungeheuers, mit seinem schlürfenden Gang, seinem Gestöhne mag man in moderneren Filmen wohl vielmehr als Trash definieren, die kargen Kulissen und wenigen realen Drehorte geben dazu ihr übriges hinzu, wenn auch der Film freilich sicherlich absolut kein Trash ist. Die Kulissen des Friedhofes, der Hügellandschaft und viele mehr sind mehr als bescheiden gebaut, versprühen aber vielleicht deswegen unendlichen Charme, Atmosphäre wird in besagten Szenen verdammt gross geschrieben, vorallem die Austattung Frankensteins Labor mag wohl zu seiner Zeit mehr als kostspielig gewesen sein. Die Kamerarbeit ist gekonnt, wenn auch vieles darunter sehr sehr statisch wirkt und wenig experimentiert wird, ist es schon erstaunlich, dass man zu besagten Drehstil keine grossen Unterschiede zu heutiger Zeit aufweisen lässt. Insgesamt fühlt man sich eher nicht in einem Film, der 1931, wohlgemerkt vor dem 2. Weltkrieg das Licht der Welt erblickte.
Fazit:
Trotz seiner Schwächen, die der Film heute aufweisen muss, ist er in aller seiner Inszenierung ein Meisterwerk, ein Film, der bis dato nicht dagewesen und ein ganzes Genre begründet hat und vielen anderen Nachahmern als Inspiration diente. Zum Glück, gibt es denn freilich viel viel bessere Interpretationen des Stoffes, mal von der exzellenten Maske Boris Karloffs abgesehen. Atmosphärisch, vielschichtig, angenehm dramatisch und wohlgemerkt nostalgisch charmant.
7/10