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Es lebt! Es lebt!
... die Worte von Dr. Frankenstein im klassischen Universal-Film von 1931 sind wohl mit die bekanntesten im Horrorgenre. Ja, das war schon ein großer Wurf, den Universal da nach Dracula mit dem allseits bekannten Bela Lugosi hinlegte. Nachdem sich eben genannter Blutsauger als erstaunlich erfolgreich bewiesen hatte, war die Nachfrage nach einem weiteren Stoff, den man umsetzen konnte, natürlich groß. In der Reihe bekannter Horrorgeschichten war das bekannteste damals neben Dracula eben noch Frankenstein, und es dauerte nicht wirklich lange, bis die neue Kreatur des Schreckens die Lichtspielhäuser heimsuchte.

Die Geschichte dürfte jedem bekannt sein. Für die Blinden und Tauben dieser Welt noch ein kleiner Überblick: Henry Frankenstein ist besessen von seiner Idee, Leben zu erschaffen. Nach etlichen Proben und Versuchen (er hat ein Herz schon mal für drei Wochen wieder schlagen lassen) setzt Frankenstein zum großen Wurf an, beschafft sich mit seinem sympathischen buckligen Fritz ein paar Leichen und bastelt sich einen Menschen zusammen. Das wichtigste dabei - das Gehirn - wird von Fritz aus  einer Universität gestohlen, der in seiner dreisten Blödheit das Glas mit dem "normalen" Gehirn fallen ließ und stattdessen auf das Glas mit dem "abnormalen" Hirn zurückgreifen muss.

Inzwischen machen sich Elizabeth (Frankensteins künftige Frau), dessen verdächtig enger Freund Victor und Frankensteins früherer Lehrmeister Dr. Waldman Sorgen um den Verbleib des ehrgeizigen Wissenschaftlers und beschließen, ihn zu besuchen. Ausgerechnet mitten bei der Erweckung des Körpers. In der Wiederlegung des Gerüchts, er sei doch nur verrückt, fordert Frankenstein die drei Leutchen auf, seinem Experiment Beachtung zu schenken und erweckt mittels Blitzen das Ungetüm. Doch die Freude hält sich in Grenzen, erweist sich das Monster doch als recht ungemütlich, bringt den ollen Fritz um und flieht alsbald in die Welt.

Die Geschichte um Frankenstein und sein Monster beschränkt sich auf knappe 70 Minuten. Die Zeit vergeht recht schnell, bedenkt man, dass alle Universal-Klassiker von damals schön kurzweilig und unterhaltsam inszeniert sind. Insgeheim wartet man natürlich immer nur auf Boris Karloff, während sich sogar versucht, eine komische Nebenhandlung in das Geschehen zu drängeln. Victor, der enge Freund von Elizabeth, scheint eben auch in jene verliebt zu sein und buhlt ein bisschen um sie. Leider verläuft sich dieser Handlungsstrang bereits dann, wenn er überhaupt erst anfängt.

Was Klischees des Genres betrifft, hat Frankenstein wahrscheinlich viele gesprägt, wenn nicht sogar erschaffen. Der bucklige, hässliche Gehilfe; der verrückte Wissenschaftler; das verfallene Anwesen mit dem modernen Labor; allen voran natürlich Karloffs geniale Darstellung des Monsters. Obgleich Bela Lugosi die Rolle ablehnte, weil er keinen stummen Charakter spielen wollte und Angst hatte, das Make-Up könnte seine spielerischen Gesichtszüge kaputt machen, holt Karloff trotzdem gerade mimisch viel aus seiner Rolle heraus. Colin Clive als Frankenstein steht dem in nichts nach, er überzeugt auf ganzer Linie. von Mae Clarke (Elizabeth) und John Boles (Victor) kann man halten was man will. Ein bisschen wie Füllwerkzeug kommen sie ja schon rüber.

So richtig verstehen kann ich es außerdem nicht, dass sich viele Filmfreunde einig sind, dass heute garantiert niemand mehr Frankenstein im geringsten gruselig findet, manchmal ist sogar von kinderfreundlichen Horror die Rede. Geschockt hat mich der Film auch nicht unbedingt, aber trotzdem haben einige Szenen etwas merkwürdig unangenehmes an sich, das verwinkelte Verließ des Monsters ist sogar eine kleine Hommage an das deutsche Kino jener Zeit. Am einprägsamsten ist wohl die Szene, in der das Monster ein kleines Mädchen im unschuldigen Wissen, sie würde auf dem Wasser schwimmen wie eine Blumme, in den See wirft, worauf sie ertrinkt. Diese Szene wurde damals sogar geschnitten, weil sie zu heftig erschien. Ein bisschen unbehaglich wird einem tatsächlich.

Leider offenbart aber auch so ein Klassiker einige dramaturgische Schwächen. Zunächst mal die fast schon aufgesetzte Tatsache, dass das Hirn des Monsters von einem Verbrecher stammt. Dies zerstört den Effekt, dass das Wesen nur durch seine Umgebung und die Menschen zu dem Monster wird, dass es am Ende ist. Einige kleine Logikfehler schleichen sich auch ein. Das Monster ist im Haus und Henry sperrt seine Liebste in ein Zimmer mit offenem Fenster ein, was natürlich dementsprechend endet. Der Mob, der den Tod des kleinen Mädchens rächen will, scheint genau zu wissen, dass es das Monster war, obwohl bestimmt niemand von der Kreatur weiß.

Zuletzt noch für all diejenigen, die wie ich die deutsche Fassung zu sehen bekamen. Ich fand sie nicht schlecht, aber auch ein bisschen unglücklich. Fritz wird von Walter Bluhm synchronisiert, dessen Stimme bundesweit als die von Stan Laurel bekannt sein dürfte, weswegen man Fritz nicht so richtig ernst nehmen kann. Vor allem aber sind mir die deutschen Stimmen zu glasklar, zu sauber. Richtige Emotionen bekommt man auch nicht zu spüren. Und wenn ich meinem Ohr traue, wurde auch das Monster, sprich Karloff, synchronisiert, was zu einigen ungewollt komischen Quietschlauten führt. Nun, aber sei's drum, da hat der Film an sich ja keine Schuld.

Fazit


Wunderbar schaurige Verfilmung des Romans mit kultverdächtigen Szenen, einem Monster, das man irgendwie gern hat und einigen Momenten, die trotz aller Kritik noch ein wenig gruselig sind.

8/10

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